Black, Holly

Der Prinz der Elfen

In Fairfold, das ans Elfenreich grenzt, wachsen Hazel und ihr Bruder Ben wild und wenig betreut bei ihren Künstler-Eltern auf. Sie streifen durch den Elfenwald und besuchen regelmässig den unzerstörbaren, gläsernen Sarg, in dem ein Elfenprinz seit vielen hundert Jahren liegt. Beide sind heimlich verliebt in den Prinzen. Eines Tages ist der Sarg leer, worauf sich die Geschwister sofort auf die Suche nach dem Elfen machen und ihn auch wirklich antreffen. Er sucht sein magisches Schwert, das Hazel durch Zufall einmal im Wald gefunden hat. Die beiden Kinder begeben sich ganz bewusst immer wieder in gefährliche Situationen und mehrmals entkommen sie dem Tod nur knapp. In sehr vielen Rückblenden klärt sich nach und nach, was zunächst verworren scheint. Die überaus blutrünstige und abartige Geschichte hat mich nicht überzeugt. Viele Figuren agieren unverständlich und der Schluss (Ben lebt mit dem Einverständnis der Eltern fortan im Elfenreich) ist genauso bizarr wie der Roman.

c / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Fantasy / bie
978-3-570-16409-9

Fr. 22.90

Rezension aus Heft 97

Brandis, Katja

White Zone : Letzte Chance

Im Jahre 2030 erhalten sechs Jugendliche eine letzte Chance, indem sie auf einer alten Forschungsstation in der Antarktis ein Resozialisierungsprogramm durchlaufen. Die drei Mädchen und drei Jungs lernen sich immer besser kennen und wir erfahren die Gründe, die sie dorthin gebracht haben. Doch dann geschehen bedrohliche Dinge. Ein Unbekannter versteckt sich auf der Station und die Ereignisse überschlagen sich plötzlich. Die fiktive (Krimi-)Geschichte ist spannend mit den verwendeten, elektronischen Geräten und den geschilderten, technischen Möglichkeiten, fesselt und begeistert. Auch der Bereich Walfang wird gestreift und regt zum Nachdenken an. Alles in allem ein empfehlenswertes Buch.

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Science-Fiction, Jugendproblem, Krimi / ca
978-3-407-82194-2

Fr. 24.50

Rezension aus Heft 97

Bueno, David Macip, Salvador Martorell, Eduard

Lara oder Der Kreislauf des Lebens

Laras Leben steht auf der Kippe. Eine aggressive Autoimmunerkrankung beherrscht ihren Körper und lässt sie auf der Intensivstation eine ganz entscheidende Nacht erleben, die uns in diesem Buch geschildert wird. In dieser Nacht ist Lara nicht allein. Die junge Ärztin Carmen weicht nicht von ihrer Seite, scheint endlos Zeit zu haben und verwickelt sie in ein Gespräch über all die wichtigen Fragen des Lebens aus biologischer Sicht. Es geht in diesem langen Gespräch um das Wunder und die Zerbrechlichkeit des Lebens. Lara schöpft Lebenskraft aus dieser Begegnung und ist nach einem tiefen Schlaf über den Berg und überrascht, dass niemand ausser ihr von Carmen weiss. Gut gemeint und intellektuell herausfordernd ist dieses von drei Männern aus den Fachbereichen Medizin, Biologie und Genetik verfasste Buch – nur vermag der Funke nicht zu springen.

b / Lesealter 13 / Vorlesealter / J Problem, Krankheit / moz
978-3-446-25477-0

Fr. 20.90

Rezension aus Heft 97

Carmack, Cora

Stormheart : Die Rebellin (Bd. 1)

Mit Sturmmagie können die Sturmlinge ihr Volk vor den zerstörerischen Stürmen beschützen. Doch Aurora, die Thronfolgerin der Sturmlingfamilie von Pavan, hütet ein Geheimnis: Sie besitzt keinerlei magische Fähigkeiten. Deshalb soll sie möglichst rasch mit dem Sturmling und Thronfolger Cassius von Lock verheiratet werden. Aurora zweifelt an den ehrenhaften Absichten des düsteren Cassius und flieht aus Pavan. Unter falschem Namen schliesst sie sich einer Gruppe von Sturmjägern an. Die Idee der magischen Stürme ist faszinierend, sehr überzeugend und bildgewaltig umgesetzt. Gegen Ende des Buches nimmt die Liebesgeschichte zwischen Aurora und Lock, dem Anführer der Sturmjäger, zu viel Raum ein. Neben Aurora kommen weitere interessante und geheimnisvolle Charaktere vor, deren Potenzial im ersten Band noch nicht ausgeschöpft ist. Das offene Ende lässt mich ungeduldig auf den zweiten Band der Trilogie warten.

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Fantasy, Liebe / CB
978-3-7891-0405-3

Fr. 27.50

Rezension aus Heft 97

Cavallaro, Brittany

Holmes & ich : Unter Verrätern (Bd. 2)

Die Nachfahren des berühmten Duos Holmes und Watson sind befreundet. Auf dem Landsitz von Charlotte Holmes' Eltern ist es Jamie Watson nicht wirklich wohl, denn ihre Eltern benehmen sich merkwürdig distanziert. Jeder scheint ein Geheimnis zu haben. Einzig Onkel Leander kann Jamie begeistern. Doch als dieser (er ist gerade undercover in einem Kunstfälscherring tätig) ganz verschwindet, stürzen sich Charlotte und Jamie in die Detektivarbeit, die beiden im Blut liegt. Sie können messerscharfe Schlussfolgerungen ziehen! Der Krimi ist in guter alter Manier aufgebaut. Er fordert konzentriertes Lesen, denn dieser Fall ist ein Konglomerat von diversen Fällen, die am Schluss zusammengeführt werden. Eine höchst vergnügliche Lektüre.

a / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Krimi / bie
978-3-423-76164-2

Fr. 25.50

Rezension aus Heft 97

Chee, Traci

Das Buch von Kelanna : Ein Meer aus Tinte und Gold (Bd. 1)

Sefias Eltern wurden ermordet. Seither ist sie mit Tante Nin auf der Flucht. Im Rucksack trägt sie ein geheimnisumwittertes Buch, das einzige Erinnerungsstück an ihre Eltern. In Sefias Welt kann niemand lesen, umso mehr erstaunt es, dass die Verfolger unbedingt an das Buch gelangen wollen. Sefia zur Seite steht Archer, ein stummer Junge. Die Fantasy-Geschichte beginnt verheissungsvoll, verliert sich dann aber in unzähligen Handlungssträngen, welche das Lesen mühsam machen und einen die Übersicht über die vielen Charaktere verlieren lassen. Das goldschimmernde Cover ist vielversprechend und der Inhalt optisch interessant mit Flecken, Fingerabdrücken, versteckten Hinweisen und einer Geschichte in der Geschichte gestaltet. Die vielen Themen- und Zeitsprünge verlangen der Leserschaft aber einiges ab. Vielleicht kommt die Magie in Band 2 dieser Trilogie besser zur Geltung. (s. Kapitel 10, Hörbücher)

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Fantasy / ca
978-3-551-58352-9

Fr. 25.90

Rezension aus Heft 97

Clark, Janet

Ewig dein : Deathline

Die 16-jährige Josie verliebt sich in den Yowama-Indianer Ray, der mit den Pferden auf der hoch verschuldeten Ranch ihres Vaters wunderbar umgehen kann. Ray ist aber ein Untoter und auf der Suche nach seinem Amulett, ohne das er die Deathline zum endgültigen Tod nicht übertreten kann. Sein Mörder hat es ihm bewusst abgenommen, weil solch ruhelose Tote in der Menschenwelt weiterleben und das Böse in ihnen immer stärker wird. Bald geschehen unerklärliche Katastrophen im Dorf und Ray ahnt, dass es mit ihm zu tun hat. Josie hilft ihm bei der Suche, obwohl sie weiss, dass das Auffinden des Amuletts gleichzeitig das Ende ihrer grossen Liebe bedeutet. Ein packendes, vielschichtiges Buch, das ohne grosse Rückblenden diese verrückte Liebesgeschichte, die tief in die magische Welt der Indianer blicken lässt, parallel zur verzweifelten Rettung der Familienranch erzählt. Am Schluss bleiben ein paar Fragen offen, die wohl im Folgeband geklärt werden. Ein sehr empfehlenswertes Buch, dessen Hauptfiguren mich tief berührt haben.

a / Lesealter 13 / Vorlesealter / J Liebe, Indianer / bie
978-3-570-17366-4

Fr. 22.90

Rezension aus Heft 97

Engelmann, Rainer

Anschlag von rechts : Nach einer wahren Begebenheit

Ein Anschlag auf eine Unterkunft für Menschen mit Fluchterfahrung, der von Jugendlichen mit rechtsextremem Hintergrund ausgeübt wurde, ist die wahre Ausgangslage dieses eindrücklichen Buches. Die Lebensvoraussetzungen aller Involvierten werden sorgfältig beschrieben. Die Schilderungen der Bewohner der Flüchtlingsunterkunft sind eindrücklich und wecken menschliches Mitgefühl. Ohne die Tat zu rechtfertigen, entsteht auch ein gewisses Verständnis für die Sicht von Menschen mit rechtsextremer Gesinnung. Zitate von wichtigen Friedensaktivisten und ausführliche Quellenangaben zu rechtslastigen Institutionen ergänzen die narrativen Kapitel. R. Engelmann ist ein erfahrener und engagierter Kenner der Jugendszene und Kämpfer für eine bessere Welt. Sein durchdacht strukturiertes Buch ist ausgesprochen leserfreundlich aufgebaut und einer breiten Leserschaft zugänglich.

a / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Nationalsozialismus, Flüchtling, Radikalismus / moz
978-3-570-17437-1

Fr. 20.50

Rezension aus Heft 97

Feth, Monika

Blutrosen : Thriller

Dieser weitere Band aus der Reihe der "Romy-Thriller" packt die Leserschaft von der ersten Seite an und lässt sie nicht mehr los, bis die erleichternde Lösung vorliegt. Diesmal recherchiert und berichtet die Reporterin über Frauenhäuser und ihre Bewohnerinnen. Eine davon wird von ihrem Ex verfolgt und gestalkt. Er kann mit der persönlichen Niederlage der Abweisung nicht umgehen und sieht die einzige Lösung darin, Bea zu beherrschen und umzubringen. Die Geschichte ist authentisch und beängstigend, vor allem weil der Grundgedanke keine Illusion, sondern leider Wirklichkeit ist. Tagebucheinträge und kurze Rückblenden helfen beim Ordnen der Abläufe. Der Thriller überzeugt in allen Belangen. Das Cover mit der blutroten Rose auf Eis passt natürlich wunderbar zum Inhalt. (s. Kapitel 10, Hörbücher)

a / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Krimi, Angst, Gewalt / ca
978-3-570-16315-3

Fr. 24.50

Rezension aus Heft 97

Flammang, Sina

Mädchen aus Papier

Mit fünf Jahren verschwindet Maris Schwester Annika spurlos. Die 3-jährige Mari rutscht in die Rolle der älteren Schwester und spielt die nette Tochter. Als Annika nach zwölf Jahren plötzlich wieder auftaucht, ist die ganze Familie überfordert: Das Spiel der heilen Welt zerbricht. Mari fühlt sich verdrängt, findet ihre eigene Rolle nicht und brennt mit zwei Freunden durch. Die emotionsgeladene, ergreifende Geschichte brilliert durch die treffende Wortwahl und mit den gewählten Metaphern und den spannenden Vergleichen. Jede Person bringt eine Fülle eigener Probleme mit. Komplexe Themen werden angesprochen, bleiben aber ungelöst. Das ansprechende, zerbrechlich wirkende Bild auf dem Cover spiegelt den Inhalt des Buches wunderbar. Einleitende Sätze am Anfang der Kapitel geben Einblick in Maris Gedanken- und Gefühlswelt und lassen eine nachdenkliche Atmosphäre entstehen.

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Familienkonflikt, Freundschaft / CW
978-3-570-16460-0

Fr. 22.90

Rezension aus Heft 97

Flanagan, Liz

Eden Summer

Gegensätzlich und trotzdem beste Freundinnen: Da ist einerseits die introvertierte Jess und andererseits die allseits beliebte und stets auffallende Eden. Letztere hat ihre Schwester bei einem tragischen Unfall verloren und kommt eines Abends nicht mehr nach Hause. Panik, Vermutungen und Ängste machen sich breit. Auch Jess sucht ihre Freundin und muss sich zudem ihrer eigenen Verantwortung stellen. Nicht grundlos fürchtet sie sich vor Berührungen und Menschenmengen. Jess erzählt in der Gegenwart, mit kurzen Rückblenden zum besseren Verständnis für die Leserschaft. Der emotionsgeladene Jugendthriller ist das Erstlingswerk der Autorin. Ihr beeindruckender Schreibstil, die authentische, spannende Erzählweise und die gekonnte Einbettung einer ernsten Thematik machen dieses Buch zu einem wahren Leckerbissen. Trotz Intoleranz, Gewalt, Tod und Schuld hält die Freundschaft der beiden Mädchen jedem Sturm stand.

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Freundschaft, Gewalt, Krimi / ca
978-3-8489-2093-8

Fr. 21.90

Rezension aus Heft 97

Fombelle, Timothée de

Die wundersamen Koffer des Monsieur Perle

Prinz Iliån wird von seinem Bruder aus der Feenwelt in unsere Welt verbannt, denn beide sind in die Fee Oliå verliebt. Iliån lebt nun in der Maison Perle, einem Süsswarengeschäft in Paris und nennt sich Joshua Perle. Er macht sich auf eine Reise quer durch Europa und sammelt in vielen Koffern Beweise, dass seine Märchenwelt existiert. Schlussendlich lebt er als Einsiedler im Wald, wo er auf einen geheimnisvollen Jungen trifft. Die aussergewöhnliche Geschichte spielt auf verschiedenen Ebenen. Die Unterteilung in kurze Kapitel ist hilfreich und macht das Werk zu einem idealen Vorlesebuch. Die tiefgründige, poetische und verträumte Geschichte, die Feenwelt und Gegenwart geschickt verknüpft, spricht bestimmt auch Erwachsene an. Das Cover mit dem Schattenmann und vielen geheimnisvollen Symbolen animiert zum Griff nach diesem wundervollen Buch.

b / Lesealter 13 / Vorlesealter / J Fantasy, Märchen / ca
978-3-8369-5879-0

Fr. 24.30

Rezension aus Heft 97

Goldi, Kate de

Barney Kettles bewegte Bilder

Barney fühlt sich mit seinen zwölf Jahren bereits als berühmter Filmregisseur. Seine 11-jährige Schwester, die beim Dreh immer für die Planung und Organisation zuständig ist, wirkt lieber im Hintergrund. Aber sie ist es, die ihm nun die zündende Idee liefert: ein Doku-Film über die Strasse, an der sie wohnen. Die Autorin legt hier eine beeindruckende Erzählung vor. So wie Barney viele ungeplante, aber überraschende Szenen einer multikulturellen Gemeinschaft in den Kasten bekommt, so beschreibt sie die Protagonisten und ihr Vorgehen witzig, eigenwillig und sehr detailliert. Ein wimmliges Durcheinander von Bildern entsteht in unserem Kopf. Wir sind beim Lesen gefordert dranzubleiben, bis sie einen zweiten, spannenden Handlungsstrang hineinwebt (fast einen Krimi) und mit einem berührenden, absolut unerwarteten Schluss eine beeindruckende Wendung schafft. Eine anspruchsvolle Lektüre, die berührt!

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Entwicklung, Tod, Problem / chb
978-3-551-56032-2

Fr. 27.50

Rezension aus Heft 97

Goslee, S.J.

Die Welt übt den Untergang und ich grinse zurück

Mikes Leben ist bestimmt vom Rhythmus der Highschool, wilden Parties, Abhängen mit Freunden und gelegentlichem Drogenkonsum, um das Leben erträglicher zu machen. Mit 16 steht seine Welt plötzlich kopf, als ihm dämmert, dass sich seine kumpelhafte (Liebes-)Beziehung zu Lisa auflöst und ihn direkt in die Arme des "schlimmsten Typen der Welt" Tim Wallace treibt. Klare Verhältnisse, sagt er sich permanent, alles ganz locker. Stattdessen packt ihn das blanke Chaos. Dass seine Bandproben immer seltener und die Planungssitzungen für den Abschlussball ätzend zahlreich werden, erscheint ihm beklemmend. Sein Outing kommt nicht freiwillig – eher wird es gesteuert von seiner Peergroup und der permanenten Präsenz attraktiver Jungs und verwirrender Gefühle. Die Autorin lässt Mike auf dem heissen Vulkan pubertärer Selbsterfahrungen tanzen und formuliert die homoerotischen Settings in explizit erotischer und sexueller Offenheit. Die Lektüre ist nicht ganz klischeefrei, hat aber Unterhaltungswert.

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Schule, Problem / ES
978-3-7915-0030-0

Fr. 23.50

Rezension aus Heft 97

Günther, Herbert

Der Widerspruch

Der Roman führt uns nach Deutschland ins Jahr 1963. Es herrscht Demokratie, doch die Nazizeit hat Spuren hinterlassen. Vier Jugendliche, mit verschiedenen Schicksalen gemeinsam an der gleichen Schule, merken, dass diese neue Demokratie oft untergraben wird und dieselben Personen, die im 2. Weltkrieg am Ruder waren, immer noch Macht haben und aus allem Kapital schlagen wollen. Die Jugendlichen wagen es, aufzustehen und gegen den Strom zu schwimmen. Das ist schwierig, Sanktionen drohen. Nach einem Brandanschlag auf das Haus eines erfolgreichen Bankers kommt auch der ermittelnde Kommissar in einen Zwiespalt. Er will seine Ideale umsetzen und muss deshalb damit rechnen, seine Karriere bei der Polizei aufgeben zu müssen. Jedes Kapitel dieses politischen Buches, authentisch und glaubwürdig im damaligen Zeitgeist erzählt, wird mit Zeitungsnotizen aus der damaligen Zeit eingeleitet.

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Politisches, Freundschaft / CW
978-3-8369-5902-5

Fr. 21.90

Rezension aus Heft 97

Heathfield, Lisa

Hier musst du glücklich sein

Schockierend und immer wieder schonungslos brutal erzählt dieses Buch vom Leben in einer Sekte. Eins mit der Natur und isoliert von der Aussenwelt lebt Pearl in einer kleinen Gemeinschaft. Papa S, ihr Oberhaupt, ist die Verkörperung der Güte. Ihm wird gehorcht, denn er weiss, was gut und was schlecht ist. Als Ellis, der gleich alt ist wie Pearl, mit Schwester und Mutter der Gemeinschaft beitritt, kommt Unruhe auf. Ellis kennt die Aussenwelt. Er will sich den für ihn völlig absurden Regeln von Papa S nicht fügen, was katastrophale Folgen hat. Ellis' Aufnahme wirkt unglaubwürdig. Kein Sektenführer würde ein solches Risiko eingehen. Die anfangs verschwommen wirkenden Charaktere werden mit der Zeit deutlicher. Eindrücklich wird die unglaubliche Gehirnwäsche beschrieben, die die Gruppe erlebt. Manchmal würde man Pearl am liebsten schütteln, damit sie endlich merkt, was los ist.

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Problem, Pubertät, Gewalt, Inzest / CB
978-3-551-58338-3

Fr. 24.50

Rezension aus Heft 97

Jordan, Sophie

Infernale : Rhapsodie in Schwarz (Bd. 2)

Nach ihrer Flucht aus dem HTS-Camp wollen Davy und ihre Freunde nach Mexiko flüchten. Bei der Grenzüberquerung werden sie getrennt. Caden, der Anführer einer Widerstandsgruppe, rettet die verletzte Davy. Bis ihre Verletzung verheilt ist, bleibt Davy bei den Widerstandskämpfern. Dort herrscht Misstrauen und Neid. Davy entwickelt starke Gefühle für Caden. Zwei Themen dominieren in diesem zweiten Band: Davys Schuldgefühle, weil sie einen Menschen getötet hat, und die Liebesgeschichte zwischen Caden und Davy. Dazwischen kommt es immer wieder zu gewalttätigen und blutigen Zwischenfällen. Dass sich die Liebesbeziehung zwischen Davy und Sean ins Nichts auflöst, wirkt etwas seltsam. Auch sonst kommt der zweite Band nicht an den ersten heran. Trotz Spannung scheint sich die Geschichte im Kreis zu drehen. Leider wird der Umgang der Gesellschaft mit den Mördergen-Trägern nur noch am Rande angesprochen.

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Aussenseiter, Fantasy / CB
978-3-7855-8369-2

Fr. 25.90

Rezension aus Heft 97

Kaster, Armin

Winterauge

Der 15-jährige Arthur hat genug von der Normalität seines Lebens in Wohlstand und Sicherheit. Er will aussteigen und ganz neu beginnen. So reist er früher als geplant aus dem Schulinternat in England zurück nach Deutschland, deponiert sein Gepäck in der unbewohnten Wohnung seines Grossvaters und lebt in der kalten, vorweihnächtlichen Stadt für eine Woche auf der Strasse. Die Erlebnisse, Gedanken und Gefühle des Jugendlichen werden eindrücklich und tiefgründig beschrieben. LeserInnen werden richtiggehend mitgerissen in das lebendige, emotionale Philosophieren des Protagonisten. Die flüssig zu lesende, gelungene und aussergewöhnliche Geschichte regt zum Nachdenken an und bleibt bis zum Ende überraschend und spannend.

a / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Jugendproblem, Aussenseiter / CW
978-3-7026-5912-7

Fr. 21.50

Rezension aus Heft 97

Kaufmann, Amie Spooner, Meagan

These Broken Stars : Jubilee und Flynn (Bd. 2)

Jubilee ist Soldatin und mit ihren 18 Jahren bereits Offizierin. Flynn kämpft auf der anderen Seite. Er gilt als Rebell und entführt Jubilee schon ganz zu Beginn der Geschichte. Beide Protagonisten haben das Ziel, den Planeten Avon vor unheimlichen Krankheiten und einer drohenden Rebellion zu beschützen. Sie kämpfen auf unterschiedlichen Ebenen, werden aber trotzdem zu Verbündeten. Die gelungene Fortsetzung von Band 1 ist sehr viel brutaler und härter als der Vorgänger. Abwechselnd erzählen Jubilee und Flynn je ein Kapitel aus ihrer eigenen Sicht. Rückblenden vor den einzelnen Kapiteln sind sehr hilfreich, da das Buch ein hohes Erzähltempo aufweist. Wer gerne Fantasy liest, ist hier sicherlich sehr gut bedient. Das Cover besticht durch eine Nahaufnahme der Gesichtshälften von Jubilee und Flynn und wirkt durch die darübergelegten Sterne mystisch.

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Science-Fiction / ca
978-3-551-58361-1

Fr. 27.50

Rezension aus Heft 97

Kincaid, S.J.

Diabolic : Vom Zorn geküsst (Bd. 1)

Nemesis ist eine humanoide Kreatur, die abgerichtet ist, Menschen zu töten. Am imperialen Herrscherhof trifft sie auf den Thronfolger Tyrus, der vorgibt, wahnsinnig zu sein. Die beiden werden ein Team, das versucht, den grausamen Kaiser zu stürzen. Nemesis sollte eigentlich keine Gefühle spüren, trotzdem entspinnt sich zwischen den beiden eine Art Liebe. Das hingegen ist dem ganzen Hof ein Dorn im Auge, denn hier herrschen Intrigen und Machtspiele. Auch Nemesis kann niemandem vertrauen und ist in einer unglaublich schwierigen Lage. Das dicke Buch braucht etwas Durchhaltewillen, aber die Autorin kann den Spannungsbogen halten.

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Fantasy / bie
978-3-401-60259-2

Fr. 25.50

Rezension aus Heft 97

LaCour, Nina Levithan, David

Eine Woche für die Ewigkeit

Abwechselnd erzählen zwei Jugendliche von Höhen und Tiefen ihrer homosexuellen Liebe. Aus Nervosität vor dem ersten Treffen mit ihrer Traumfrau flieht Kate und begegnet Mark in einer Schwulenbar, wo er spontan an einem Tanzwettbewerb in Unterhosen teilnimmt und diesen gewinnt. Es entwickelt sich eine enge Freundschaft, die beiden Halt gibt. Es ist eine besondere Geschichte über die Liebe und echte Freundschaft, erzählt in einer leicht verständlichen Sprache. Der Wechsel der Perspektiven erzeugt Spannung und reisst mit. Vereinzelte Rückblenden zeigen Zusammenhänge auf. Die Natürlichkeit im Umgang mit sensiblen Themen lässt die Geschichte authentisch wirken. Ein unterhaltsames Buch für alle und ein Mutmacher für junge Menschen.

a / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Freundschaft, Homosexualität, Liebe, Pubertät / EK
978-3-551-58362-8

Fr. 23.50

Rezension aus Heft 97

Lindstrom, Eric

Wie ich dich sehe

Parkers Hobby ist das Laufen. Dies, obwohl sie bei einem Unfall vor neun Jahren, bei dem ihre Mutter ums Leben kam, erblindet ist. Nun schlägt das Schicksal nochmals zu, als ihr Vater völlig unerwartet stirbt. Ihre Welt gerät aus den Fugen, aber Parker verlangt von sich, stark zu bleiben und nicht zu weinen. Doch als dann auch noch ihr Exfreund, von dem sie sich vor zwei Jahren getrennt und seither kein Wort mehr mit ihm geredet hat, auf ihre Schule wechselt, wird es zu viel für sie. Parker ist eine interessante Protagonistin: selbstbewusst, humorvoll, ironisch und immer sehr direkt. Im Lauf der Geschichte erlebt sie eine starke Entwicklung, die einfühlsam, tiefgründig und in teils sehr schönen Bildern beschrieben wird. Parker lernt Gefühle zu zeigen und zu verzeihen. Eine absolut lesenswerte Geschichte über das Leben mit einer Sehbehinderung, über Freundschaft, Vertrauen und Hoffnung.

a / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Behinderung, Freundschaft, Liebe / CB
978-3-551-58347-5

Fr. 24.50

Rezension aus Heft 97

Maas, Sarah J.

Das Reich der sieben Höfe : Dornen und Rosen (Bd. 1)

Die Autorin führt die LeserInnen auf fesselnde Art in das Reich der Fae, eine bis ins Detail beschriebene Fantasy-Welt. Feyre, eine junge, willensstarke und selbstsichere Menschenfrau, wird in dieses sagenumwobene Land Prythian entführt. Unermüdlich kämpft sie dort für das Gute und will all ihre Versprechen halten. Sie gibt nicht auf, obwohl ein Schatten über dem Land liegt, den sie nicht durchschauen kann und der sie und alles bedroht. Trotz allem verliebt sie sich in den anfänglich gehassten High Lord Famlin. Das geheimnisvoll wirkende Cover passt zu dieser spannenden Geschichte. Das dicke Buch liest sich flüssig und lässt die LeserInnen in eine Welt wilder, blutrünstiger und magisch-geheimnisvoller Wesen eintauchen. Man darf gespannt auf die nächste Folge sein.

a / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Fantasy / CW
978-3-423-76163-5

Fr. 25.50

Rezension aus Heft 97

Mackenzie, Lee

Cavaliersreise : Die Bekenntnisse eines Gentlemans

Auch wenn Monty seine Schullaufbahn wegen des Rauswurfes aus dem College nicht richtig beenden kann, erlaubt ihm sein Vater, sich auf die Cavaliersreise zu begeben – gemeinsam mit einem nahen Freund, der Schwester und einem Hofmeister. Doch Monty kann seine Finger nicht vom Alkohol und den Frauen lassen und somit wird diese Reise zu einem einzigen Abenteuer, auf der sie sogar gegen Wegelagerer und Piraten kämpfen müssen. Diese Bildungsreise für Adelige im 18. Jh. ist interessant zu lesen, doch neben diesem Thema, das so leicht und lebendig-witzig beschrieben ist, konfrontiert uns der Autor mit einer bemerkenswerten Entwicklung der drei jungen Protagonisten. Die damalige Zeit erlaubt noch keine wissenschaftliche Bildung für Frauen, ebenso wie eine schwarze Hautfarbe und eine homosexuelle Neigung nicht den Regeln und Traditionen entsprechen und damit mit Vorurteilen behaftet ist. So bietet dieses Buch auch uns ein geschichtliches, in eindrücklicher Sprache geschriebenes, bemerkenswertes Lehrstück!

a / Lesealter 16 / Vorlesealter / J Abenteuer, Entwicklung, Homosexualität, Historisches Neuzeit 16.–18. Jh. / chb
978-3-551-56038-4

Fr. 28.90

Rezension aus Heft 97

MacMillan, Kathy

Feuer und Feder

Die Hohe Schrift ist der regierenden Kaste vorbehalten. Für die Sklavin Raisa kann das Lesen und Schreiben tödlich enden. Überraschend wird sie aber ausgewählt und zur Tutorin ausgebildet. Sie kann ihr Glück kaum fassen. Als sich der Prinz in Raisa verliebt, geraten sie ins Kreuzfeuer der herrschenden Klasse und der Rebellen. Am Ende setzen sie alles auf eine Karte. Gemeinsam wollen sie die alte Ordnung komplett vernichten, um Bildung für alle zugänglich zu machen. Die Hohe Schrift soll nicht nur der Elite vorbehalten bleiben. Es ist eine fesselnde Geschichte über Verrat, Treue und der Frage nach Gerechtigkeit. Welche Mittel sind erlaubt, wenn es um Gerechtigkeit geht? Heiligt der Zweck die Mittel? Zwischen Liebe und dem Wunsch, stets das Richtige zu tun, werden die beiden Protagonisten hin- und hergerissen. Die Grenze zwischen Richtig und Falsch ist oft unscharf und stellt uns vor unbequeme Fragen.

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Fantasy / Ki
978-3-407-74796-9

Fr. 26.80

Rezension aus Heft 97

Marzi, Christoph

Der letzte Film des Abraham Tenenbaum

Zoes kürzlich verstorbenem Grossvater gehörte ein altes Kino. Zufällig wird Zoe Zeugin, wie eine alte Filmrolle aus Grossvaters Nachlass gestohlen wird. Nach und nach erfährt sie, dass ein mysteriöser, alter Film existieren muss, hinter dem einige Männer her sind. Zoe und Tom machen sich ebenfalls auf die Jagd. Man erfährt so ganz nebenbei viel Spannendes über Kino, Film und Schauspielerei. Faszinierend ist auch die poetische Beschreibung der herbstlichen Stimmung in Brooklyn. Die zarte Liebesgeschichte zwischen den beiden Protagonisten passt zum Buch und wirkt sehr natürlich. Dazu kommen die rasante Verfolgungsjagd und ein überraschender und überaus überzeugender Schluss. Ein wahres Lesevergnügen.

a / Lesealter 13 / Vorlesealter / J Krimi, Liebe / ca
978-3-401-60291-2

Fr. 19.90

Rezension aus Heft 97

Older, Daniel José

Stadt der tanzenden Schatten

Sierra freut sich auf ihr Kunstprojekt. Sie will ein Drachen-Wandbild auf eine Fabrikwand malen. Doch plötzlich geschehen seltsame Dinge: Ihr Grossvater liegt nach einem Schlaganfall im Bett und murmelt unverständliche Entschuldigungen. An einer Party begegnet Sierra einem unheimlichen Toten. Vom Graffiti-Künstler Robbie erfährt sie eine verstörende Geschichte über eine alte, magische Gruppe, den Schattenbildnern, die durch ihre Wandbilder Geister erwecken können, aktuell aber von jemandem verfolgt werden. Bald wird auch Sierra zur Zielscheibe, denn ihre Familie scheint eng verwoben mit dieser alten Magie zu sein. Dank Robbie kann Sierra ihre wahre Bestimmung erkennen, nimmt das Vermächtnis ihrer Familie an und lernt, ihre Kraft voll auszuschöpfen. Wer gerne spannungsgeladene Geschichten mit bösen und guten Geistern mag, hat hier einen Pageturner mit Tiefgang.

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Fantasy / bie
978-3-551-58360-4

Fr. 24.50

Rezension aus Heft 97

Oliver, Lauren

Als ich dich suchte

Seit einem Unfall sprechen die beiden Schwestern Dara und Nick nicht mehr miteinander. Daras Interessen beschränken sich auf Partys und Jungs, Nick hingegen ist introvertiert, vernünftig und eifersüchtig auf ihre beliebte Schwester. Als Dara verschwindet und plötzlich auch ein kleines Mädchen vermisst wird, ändert sich die Geschichte. Was im Hintergrund liegt, ist lange verborgen. Nun gibt es immer wieder Rückblenden, Mailauszüge, Zeitungsausschnitte und Tagebucheinträge. Leider wird der Plot so je länger je verworrener und man muss immer wieder zurückblättern, um den Zusammenhang nicht zu verlieren. Das Cover in Rosa und Pink zeigt ein sich abwendendes Mädchen und spiegelt den Inhalt der Geschichte um Rivalität, Eifersucht und Familienprobleme sehr gut. Der Schluss bietet eine völlig überraschende Auflösung.

b / Lesealter 13 / Vorlesealter / J Familienkonflikt / ca
978-3-551-58351-2

Fr. 27.50

Rezension aus Heft 97

Parks, Kathy

Echt mieser Zufall oder Wie ich einen Kuss wollte und beinahe dabei draufging

Als ein Tsunami die Küste von Los Angeles überrollt, erlebt Denver gerade ihren ersten Kuss an einer illegalen Party. Von den Fluten weggerissen, erwacht sie im Meer treibend auf zerbrochenen Holzplanken. Hinter ihr die Trümmer des Strandhauses, vor ihr das offene Meer und die Verzweiflung. Gemeinsam mit ein paar Jugendlichen aus ihrer Schule rettet sie sich auf ein defektes Boot. Mit dabei sind ausgerechnet zwei der gemeinsten Schulzicken, Denvers beste Ex-Freundin Abigail und Trevor, der schliesslich im geschwächten Zustand als Erster ertrinkt. Im Kampf ums Überleben auf See sind die Jugendlichen den Anfeindungen alter Cliquenbündnisse ausgeliefert und merken erst spät, dass sie aufeinander angewiesen sind. Die zuweilen grausam hyperrealistische Schreibweise inszeniert einen voraussehbaren Untergang und mündet in eine Robinsonade. An den Strand einer Insel gespült, bleiben dennoch nur zwei Überlebende. Krass und bewegend, notorisch spannend und zuweilen gruselig!

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Thriller, Problem, Schule, Freundschaft / ES
978-3-401-60249-3

Fr. 19.90

Rezension aus Heft 97

Roe, Robin

Der Koffer

Lehrer und Mitschüler haben Mühe mit diesem seltsamen Knaben, denn Julian mag nichts von sich preisgeben. Selbst sein ehemaliger Pflegebruder Adam weiss nicht mehr von ihm, als dass er jetzt bei seinem Onkel wohnt. Aber genau dieser quirlige, allseits beliebte Adam spürt, dass Julian in seiner Introvertiertheit eine Person braucht, zu der er Vertrauen haben kann – und so kommt er (fast zu spät) hinter ein schlimmes Geheimnis. Die eindrückliche, nicht leicht verdauliche Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht der zwei Protagonisten erzählt. Trotz der ruhigen Erzählweise erzeugt die Autorin mit der differenzierten Beschreibung von Personen und beklemmenden Situationen einen starken Sog, der uns Julians Verzweiflung gut spürbar macht. Die tragische Geschichte berührt durch die dargestellte Gewalt an einem Kind, die verzweifelte Suche nach einem Zuhause und Adams Verantwortung für seinen jüngeren Pflegebruder und schliesst mit einem hoffnungsvollen Ende.

a / Lesealter 16 / Vorlesealter / J Gewalt, Entwicklung / chb
978-3-551-56029-2

Fr. 28.90

Rezension aus Heft 97

Roth, Veronica

Rat der Neun : Gezeichnet (Bd. 1)

Akos und Eijeh sind vom friedlichen Volk der Thuvesi und werden wegen ihrer besonderen Gaben und dem prophezeiten Schicksal von Ryzek, dem grausamen Herrscher über die Shotet, entführt. Cyra, Ryzeks Schwester, ist klug, mutig und hat ein gutes Herz. Ihre persönliche Gabe ist ein steter, schwer erträglicher Schmerz, den sie auch auf andere übertragen kann. Somit ist sie eine der stärksten Waffen ihres Bruders, der sie schamlos (auch als Henkerin) missbraucht. Akos kann Cyras Schmerzen durch Berührung stoppen und bald wird er Cyras engster Diener, dann Vertrauter, dann Liebhaber. Gemeinsam versuchen sie Ryzeks Tyrannei zu beenden und Akos Bruder zu befreien. Das dicke Buch benötigt ein wenig Durchhaltewillen und Konzentration, da diese Welten, Geräte, Namen ... allesamt neu erfunden und nicht geläufig sind.

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Science-Fiction / bie
978-3-570-16498-3

Fr. 26.90

Rezension aus Heft 97

Schweikert, Ulrike

Léon & Claire : Er trat aus den Schatten (Bd. 1)

Es ist eine fantastische Geschichte über Freundschaft, Magie und Intrigen, in der der Streit von Gut und Böse symbolhaft als Machtkampf zwischen Licht und Schatten dargestellt wird. Claire lebt seit Kurzem mit ihren Eltern in Paris und knüpft an der Schule erste Freundschaften. Die Jugendlichen sind fasziniert von den Katakomben und feiern dort leichtsinnig illegale Parties. Léon, der im Untergrund lebt, rettet Claire mehrmals das Leben und zieht so den Zorn seines Meisters auf sich. Auf der Flucht vor der Polizei geraten beide zwischen die Fronten. Léon verschwindet, doch ein Zeichen von ihm lässt Claire hoffen. Der Roman ist gespickt mit historischen Gegebenheiten und dennoch leicht zu lesen. Die Geschichte wird abwechselnd aus der Perspektive von Claire und Léon erzählt. Jedes Kapitel beginnt mit demselben Schattenbild von Paris. Insgesamt entsteht aber ein Bild mit vielen Facetten und überraschenden Wendungen.

a / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Abenteuer, Familie, Fantasy, Freundschaft, Historisches, Liebe, Pubertät, Soziales / EK
978-3-570-16427-3

Fr. 22.90

Rezension aus Heft 97

Seidel, Jürgen

Das Mädchen mit dem Löwenherz : Ein Thriller aus der Zeit Martin Luthers

Die 13-jährige Anna kann jeden Text, den sie je gelesen hat, aus dem Gedächtnis rezitieren. Zu Zeiten von Martin Luther ist das ein unheimliches und gefährliches Talent. Denn Lesen und Schreiben ist den Gelehrten und Adeligen vorbehalten. Anna spioniert nun heimlich für Luthers Mitstreiter und schreibt Briefe an den Reformator. In 35 Briefen erzählt sie ihre Geschichte und bietet ihm an, die gelesenen Dokumente zu rekonstruieren. Doch Luther lehnt das Angebot ab – zu unglaublich scheint ihm die Geschichte. Annas Briefe bieten Einblicke in die Welt und das Leben der einfachen Leute zu Zeiten Luthers. Die Ablehnung Luthers am Ende ist abrupt und unbefriedigend. Anna war lediglich ein Werkzeug der Mächtigen, dessen sich jeder bediente, der es gerade als nützlich erachtete. Ein schaler Nachgeschmack für eine durchaus gut erzählte Geschichte, die einen beim Lesen völlig in Bann zieht.

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Historisches / Ki
978-3-570-15955-2

Fr. 22.90

Rezension aus Heft 97

Springorum, Björn

Spiegel des Bösen

Cover und Innengestaltung des Buches verheissen eine gruselige und spannende Fantasy-Geschichte. Sophie soll mit ihren Eltern ein paar Tage im neu eröffneten Grandhotel Rabenfels verbringen. Eines Tages wacht sie auf, ihre Eltern sind verschwunden. Auch hat sich über Nacht vieles im Hotel verändert und niemand kann Sophie hören oder sehen. Nebst diversen skurrilen Figuren trifft sie auch auf einen über 100 Jahre alten Jungen namens Max. Zeit hat nun keine Bedeutung mehr und so verlieben sich die beiden und machen sich gemeinsam auf die Suche nach Sophies Eltern. Zahlreiche Rückblenden ins 19. Jh. bringen etwas Licht ins dunkle Geheimnis, das sich hinter der Fassade verbirgt. Verwunschene Spiegel, Hexen, lebende Tote und Geister vermitteln eine gehörige Portion Gruseleffekt.

b / Lesealter 13 / Vorlesealter / J Fantasy, Liebe, Gruseln / ca
978-3-522-20230-5

Fr. 21.90

Rezension aus Heft 97

Summerill, Erin

Königin der Wälder : Auf immer gejagt (Bd. 1)

Tessa ist nach dem Tod ihres Vaters (eines Kopfgeldjäger des Königs) völlig auf sich gestellt. Aus Hunger geht sie auf die verbotene Jagd und wird erwischt. Damit ihr die Todesstrafe erlassen wird, soll sie im Auftrag des Königs den angeblichen Mörder ihres Vaters aufspüren: Cohen, ihren Jugendfreund, den sie heimlich liebt! Eigentlich wäre Tessa eine interessante Protagonistin. Von ihrem Vater wurde sie zu einer hervorragenden Fährtenleserin ausgebildet und verfügt zudem über eine von der Mutter geerbte, magische Gabe. Natürlich findet sie Cohen schnell, doch die nun gemeinsame Suche nach dem richtigen Mörder gestaltet sich etwas träge. Auch die eingewobene Liebesgeschichte wirkt anstrengend, verwickelt sich Tessa doch als vermeintlich starkes Mädchen in (pubertären) Verhaltensweisen und zweifelt somit dauernd an der gegenseitigen Liebe. Der Cliffhanger jedoch macht neugierig auf die Fortsetzung. (s. Kapitel 10, Hörbücher)

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Fantasy / chb
978-3-551-58353-6

Fr. 27.50

Rezension aus Heft 97

Summers, Courtney

Ausser sich : Roman

Die Protagonistin und Erzählerin Romy versucht sich mit Nagellack und Lippenstift gegen Verachtung und Mobbing zu schützen. Nicht nur ihre Schulkollegen, sondern das ganze Dorf machen ihr nämlich das Leben zu Hölle, seit sie vom Sohn des Sheriffs vergewaltigt worden ist. Auch als ihre ehemals gute Freundin spurlos verschwindet, hört die Plagerei nicht auf. Romy gelingt es nicht, sich zu öffnen, und niemand bietet ihr auch echte Hilfe an. Romy hat Angst, möchte aber kein Mitleid. So schwindet ihre Lebensfreude mehr und mehr. Die Jugendliche bleibt den LeserInnen während des ganzen Romans irgendwie fremd. Vieles, was sie tut, bleibt unverständlich und wird nicht abgeschlossen. Trotzdem können wir uns in sie hineinversetzen und mitfiebern. Die Geschichte bleibt bis zum Schluss poetisch, mitreissend und fesselnd, oftmals auch beklemmend.

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Problem, Sexueller Missbrauch / CW
978-3-407-82216-1

Fr. 23.90

Rezension aus Heft 97

Tromly, Stephanie

Digby #02 : Zu cool zum Sterben (Bd. 2)

Digby ist zurück, sucht noch immer nach seiner kleinen, vor acht Jahren entführten Schwester und ist bereit, dafür jedes Risiko einzugehen und sich auf illegale Handlungen einzulassen. Zoe unterstützt ihn dabei, obwohl sie dadurch die Beziehung zu ihrem Freund, ihren Freundinnen und zu ihrer Mutter auf die Probe stellt. Am Ende steht Zoe zu ihrer Liebe zu Digby. Die beiden finden den Drahtzieher der Entführung und entdecken Verstrickungen in Digbys Familie. Doch der Fall bleibt ungelöst. Jeder Bezug auf den ersten Teil der Trilogie wird erklärt. Dies macht den Anfang langatmig und erschwert den Lesefluss. Nach einigen Kapiteln wird die Geschichte rasant fortgesetzt. Die Handlung ist ein Mix aus Liebesgeschichte, Familiendrama, Pubertätsalltag und Krimi, doch die Erzählung bleibt insgesamt oberflächlich. Ein Buch mit Unterhaltungswert, dem der Schwung des ersten Teils fehlt.

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Abenteuer, Familienkonflikt, Freundschaft, Krimi, Pubertät / EK
978-3-7891-4810-1

Fr. 20.90

Rezension aus Heft 97

Trunko, Emily

Ich wollte nur, dass du noch weisst ... : Nie verschickte Briefe

In ihrem höchst erfolgreichen Tumblr-Blog "Dear My Blank", gefüllt mit fremden Geheimnissen und innigsten Gefühlen, postet die erst 16-jährige Autorin Emily Trunko anonyme Nachrichten, die eigentlich nie versendet werden sollten: herzzerreissende Liebesbriefe, zutiefst traurige Abschiedszeilen, Worte voller Hoffung. Diese authentischen, weil echten, biografischen Texte zeigen, dass wir mit unseren Problemen nicht allein sind. Sie geben uns den Mut, unseren eigenen (Liebes-)Brief an einen wichtigen Menschen in unserem Leben vielleicht doch noch zu verschicken. Dieses Buch wirkt wie ein sicherer Tresor für jene Botschaften, die es für jeden von uns zu wagen gilt. Grafisch aufregend gestaltet, changiert das Seitenbild raffiniert in verschiedenen Stilvarianten der Schrift und stets in Pastellfarben. Die Texte machen jungen Menschen Mut, sich jenseits kurzer Wortsequenzen von Handy-Chats vielleicht einmal im Fabulieren und Verfertigen von Gedanken zu üben. Ein solches Vorbild macht dies plötzlich möglich und stiftet zur Nachahmung an.

a / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Liebe, Tod, Problem / ES
978-3-7855-8608-2

Fr. 20.90

Rezension aus Heft 97

Tucholke, April Genevieve

All the strangest things are true.

Der 16-jährige Midnight steht zwischen zwei Mädchen. Da ist einerseits das verwöhnte Einzelkind Poppy, die von sich selber sagt, dass sie gerne manipuliert und immer kriegt, was sie will. Auf der andern Seite steht Wink, die in einer Grossfamilie aufwächst und einen Hang zur Esoterik hat. Die Mädchen könnten verschiedener nicht sein. Nachdem Poppy und ihre Gang Wink und Midnight blossgestellt haben, will Wink Poppy bestrafen. Diese Aktion artet ins Gruselige aus und da dreht sich die Geschichte: Wie in einem Vexierbild tauschen die Gute und die Böse ihre Rollen. Nun wird Poppy als scheues vernachlässigtes Mädchen dargestellt und Wink ist diejenige, die manipuliert. Dieser Wechsel hat mich ein wenig verstört und mir klargemacht, dass auch ich als Leserin manipuliert werde. Man müsste das Buch mit diesem Wissen nochmals lesen, sicher gäbe es Hinweise. Gefallen hat mir, dass die kurzen Kapitel abwechselnd aus den Perspektiven der drei Hauptfiguren geschrieben sind.

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Psychologisches / bie
978-3-522-20232-9

Fr. 21.90

Rezension aus Heft 97

Walter, Jon

Mein Name ist nicht Freitag

Quer über den Rücken eines Maultiers hängend wird Samuel von einem Sklavenhändler vom Waisenhaus fortgebracht und an einen gleichaltrigen, weissen Jungen verkauft. Ein Glück, denn auch wenn auf der Plantage hart gearbeitet werden muss, werden die Sklaven gut behandelt. Und dass Samuel, jetzt Freitag genannt, lesen und schreiben kann, wird für die Farbigen im ausbrechenden Bürgerkrieg überlebenswichtig. Der Autor erzählt von der Zeit in Amerika, in der die Südstaaten gegen die Abschaffung der Sklaverei kämpfen, diesen blutigen Krieg aber verlieren. Die Unterdrückung der Sklaven ist das Hauptthema dieser gut recherchierten, in prägnanter Sprache geschriebenen Geschichte. Und mittendrin steht der Protagonist, der fest auf Gott vertraut und so versucht, seinen kleinen Bruder wiederzufinden. Ein aufwühlendes, berührendes Buch – traurig und schlussendlich doch hoffnungsvoll.

a / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Historisches Neuzeit 16.–18. Jh., Amerika USA / chb
978-3-551-56020-9

Fr. 27.50

Rezension aus Heft 97

Wekwerth, Rainer

Camp 21 : Grenzenlos gefangen (Bd. 1)

Spannend von der ersten Seite an ist diese Geschichte um das Jugendcamp, in welches Mike, sein Bruder Ricky und Kayla von ihren Eltern geschickt werden. Mike und Kayla mögen sich zu Beginn überhaupt nicht. Sie sind aber durch elektronische Handfesseln miteinander verbunden und dürfen sich nicht zu weit vom Gegenüber entfernen. Nach und nach lernen sie sich besser kennen und planen schlussendlich gemeinsam ihre Flucht. Die Idee des Militärs, via Schmerzimpulse über Handfesseln eine zusätzliche Kraftentwicklung durch Adrenalinausschüttung zu erwirken, soll zur perfekten Kontrolle über die Soldaten führen. Der in 42 Kapitel gegliederte Thriller liest sich sehr angenehm und löst im Epilog alle Fragen auf.

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Krimi / ca
978-3-401-60177-9

Fr. 21.90

Rezension aus Heft 97

Wolk, Lauren

Das Jahr, in dem ich lügen lernte

Die kindliche Welt der 12-jährigen Annabelle, die 1943 mit Eltern und 2 Brüdern in den USA auf dem Land lebt, beginnt zu bröckeln, als die 14-jährige schwer erziehbare Betty zu ihren dort ebenfalls lebenden Grosseltern geschickt wird. Mit dem Auftauchen von Betty bricht erstmals die "Macht des Bösen" über A.s bisher heile Welt herein. Betty erpresst Geld und droht – bei Nichterfüllen der Forderung – sich A.s Brüder vorzuknöpfen. Fortan sind sie und zunehmend andere Bettys Schikanen ausgeliefert. Die Gewaltspirale zieht an und Betty weiss Gerüchte und falsche Anschuldigungen geschickt zu streuen, um gezielt ihre eigenen Vergehen dem Aussenseiter Toby anzuhängen. A. will dieser "Hexenjagd" ein Ende setzen, verstrickt sich dabei aber immer mehr in Lügen. Uns erwartet kein versöhnliches, sondern ein bitteres, konsequentes Ende. Der Eintritt A.s in die Welt der Erwachsenen ist schmerzhaft – aber sie zerbricht nicht, sondern ist daran gewachsen. Ein intensiver, fesselnder Entwicklungsroman!

a / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Entwicklung, Soziales, Problem, Aussenseiter / LK
978-3-446-25494-7

Fr. 21.90

Rezension aus Heft 97

Woltz, Anna

Hundert Stunden Nacht

Emilia (14) will einfach nur weg. Ihr Vater, ein Lehrer, hat sich mit einer Schülerin näher eingelassen und der folgende Shitstorm fegt über die ganze Familie. Emilia stiehlt Vaters Kreditkarte und fliegt nach New York. Dort merkt sie, dass sie bei der Internet-Zimmerbuchung einem Betrüger aufgesessen ist, und steht nun mutterseelenallein auf der Strasse. Dass der Wirbelsturm Sandy auf die Stadt zusteuert, ist nur noch das Tüpfelchen auf dem i. Zum Glück lernt sie Seth (15), dessen altkluge Schwester Abby (9) und den obdachlosen Jim (17) kennen. Zu viert verschanzen sie sich in Seths Wohnung, dessen Mutter gerade ferienhalber weg ist, und trotzen dem Sturm. Abby, die Kleinste und Klügste, schafft es, Emilia von ihrem Sauberkeitsfimmel abzubringen, mit ihrem Bruder endlich über den Tod des Vaters zu sprechen und Jim klarzumachen, dass er wohl besser zurück nach Detroit und in die Schule geht. Der hoffnungsvolle, offene Schluss passt.

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Familienkonflikt / bie
978-3-551-58348-2

Fr. 21.90

Rezension aus Heft 97

Woolf, Marah

GötterFunke : Liebe mich nicht (Bd. 1)

Bevor das letzte Highschooljahr beginnt, möchten Jess und Robyn die Sommerferien in einem Camp in den Rockys verbringen. Kurz vor ihrem Reiseziel lernen sie einen Jungen mit umwerfend smaragdgrünen Augen kennen – und von da an wird es turbulent! Cayden ist eigentlich der Gott Prometheus, dessen sehnlichster Wunsch ist, endlich sterblich zu sein. Allerdings muss er ein Mädchen finden, das ihm widerstehen kann. Erst dann erfüllt Zeus ihm seinen Wunsch. Doch bei Caydens Aussehen wird das schwierig sein, fliegen die Mädchen im Camp nur so auf ihn. Robyn wird nun zu Jess' Rivalin, sodass die langjährige Freundschaft zerbricht. Das Buch ist aus Jess' Sicht geschrieben. Es wirkt anfänglich etwas verwirrend, da Lehrer und Leiter alles Götter sind. Hermes' Kommentare hingegen sorgen für aufklärende Unterbrüche in der Erzählung. Im Anhang werden die Götter und deren Eigenschaften zusätzlich erklärt. (s. Kapitel 10, Hörbücher)

b / Lesealter 15 / Vorlesealter / J Freundschaft, Liebe / um
978-3-7915-0029-4

Fr. 25.90

Rezension aus Heft 97

Yoon, Nicola

The Sun is also a Star : Ein einziger Tag für die Liebe

Kann Liebe in einem Tag entstehen, Jahre ohne Kontakt zueinander überdauern und durch eine zufällige Begegnung den Zauber von früher aufleben lassen? Daniel, ein koreanischer Junge, dessen Eltern erwarten, dass er Medizin studiert, trifft Natasha, die alles versucht, die Abschiebung ihrer Familie nach Jamaika zu verhindern. Daniels Hartnäckigkeit führt dazu, dass die beiden die letzten Stunden vor der Ausreise gemeinsam verbringen und Natasha seine Liebe erwidert. Die Jugendlichen erzählen abwechselnd, was sie an diesem Tag erleben und fühlen. Die zeitnahen Wechsel machen die Geschichte lückenlos nachvollziehbar. Dazwischen fliessen Ansichten von Menschen ein, die den beiden begegnen. Die verschiedenen Blickwinkel sind so verwoben, dass der Tag in all seinen Facetten miterlebt werden kann. Ein gelungenes Werk, das aufzeigt, wie Menschen sich gegenseitig beeinflussen.

a / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Ausländer, Familienkonflikt, Junge Erwachsene, Liebe, Rassismus, Soziales / EK
978-3-7915-0032-4

Fr. 27.50

Rezension aus Heft 97

Hasak-Lowy, Todd

Dass ich ich bin, ist genauso verrückt wie die Tatsache, dass du du bist : Ein Roman in Listen

Ein Roman, der nur aus Aufzählungen besteht, funktioniert das überhaupt? Eigentlich entsteht die Handlung durch ganz verschiedene Listen, die immer zu einer ausführlichen und raffiniert differenzierten Überschrift gehören. Die Handlungsabsicht ist schnell klar: Der Ich-Erzähler Darren steckt in einer pubertären Identitätskrise, die verstärkt durch viele frustrierende und unangenehme Ereignisse zu einer richtigen Lebenskrise wird. Die Trennung seiner Eltern, der Wegzug seines Bruders, das Coming-out des Vaters als Homosexueller sind nur ein Teil seiner Probleme. Wie sich die einzelnen Faktoren gegenseitig beeinflussen und Darren nach einem veritablen Absturz zurück in seine neu gestaltete Familie und eine neue, lebenswerte Welt findet, ist eine langatmige, aber unbedingt lohnenswerte Lesereise – und an Listen kann man sich gewöhnen!

a / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Pubertät / moz
978-3-407-82171-3

Fr. 26.80

Rezension aus Heft 96

Abedi, Isabel

Die längste Nacht : Roman

Vita unternimmt mit ihren Freunden Trixie und Danilo eine Reise quer durch Europa. Mit ihrem umgebauten VW-Bus geht es zunächst nach Italien, in das kleine Dorf Viagello. Vita erinnert sich plötzlich an ein geheimnisvolles Manuskript, das sie im Büro ihres Vaters gelesen hat, und fühlt eine seltsame Verbundenheit mit dem Dorf. Erinnerungen steigen in ihr auf und lassen sie nach und nach an der Geschichte über den Tod ihrer Schwester vor 13 Jahren zweifeln. Luca, der junge Seiltänzer aus dem Dorf, hilft ihr bei der Suche nach der Wahrheit. Man fiebert von Seite zu Seite mit. Der Schluss überrascht. Die Sprache ist sehr bildhaft, die Landschaft und die Gefühle der Bewohner sind gut erleb- und spürbar. Überwältigend ist die Flut von Emotionen, Lügen, Eifersucht, Ahnungen – ein grossartiger Roman mit einer intensiven Geschichte. (s. Kapitel 10, Hörbücher)

a / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Familie, Freundschaft / ca
978-3-401-06189-4

Fr. 26.90

Rezension aus Heft 96

Ammon, Katja

Herz aus Gold und Asche

Die 18-jährige Elin findet im Pharmakonzern, in dem ihr verstorbener Vater tätig war, Arbeit. Die Chemiebranche interessiert sie schon deshalb, weil ihr Bruder Nico an Leukämie erkrankt ist. Sie macht Bekanntschaft mit einem mutigen und gut aussehenden Basilisken und verliebt sich in die mysteriöse Figur (halb Mensch, halb Drache). Elin entpuppt sich als Auserwählte mit der Begabung, eine Sprache lesen zu können, die sonst niemand versteht. Von den Führern des Pharmaunternehmens wird sie unter Druck gesetzt und steht nun zwischen den beiden Fronten, denn nur das Blut von Basilisken vermag Krebs zu heilen. Die romantische Geschichte ist spannend und flüssig zu lesen. Interessant sind die ausführlichen Informationen über die mystische Gestalt, die angeblich im Untergrund von Basel lebte. Das Cover in Schwarz und Gold passt ausgesprochen gut zum Inhalt.

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Fabelwesen, Krankheit Krebs, Schweizer Autor / ca
978-3-522-50532-1

Fr. 24.90

Rezension aus Heft 96

Aveyard, Victoria

Die Farben des Blutes : Gläsernes Schwert (Bd. 2)

Die roten Rebellen haben Mare und Cal in letzter Minute gerettet. Nun hoffen sie auf ihre Unterstützung im Kampf gegen die Silbernen. Doch Mare hat andere Pläne: Sie will die Neublüter (Rote mit silbernen Kräften) suchen. Das Gleiche will auch Maven, ihr ehemaliger Verlobter und neuer König der Silbernen. Das Auffinden der Neublüter gestaltet sich für die LeserInnen spannend, sind wir doch immer wieder überrascht über die besonderen Fähigkeiten. Die Suche ist allerdings mühevoll und die damit verbundenen Kämpfe werden (leider) immer grausamer. Die Autorin stellt Mare sehr stark in den Vordergrund, wobei die Entwicklung der Protagonistin nicht so sehr überzeugt. Sie glaubt, nur sie allein könne Maven aufhalten und wirkt auf Freunde und Familie oft unverständlich. Als LeserIn bin ich überrascht vom Tempo der Erzählung, doch scheinen alle Aktionen irgendwie (noch?) zu keinem Ziel zu führen. (s. Kapitel 10, Hörbücher)

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Fantasy / chb
978-3-551-58327-7

Fr. 32.90

Rezension aus Heft 96

Babendererde, Antje

Der Kuss des Raben

Das Gastschuljahr am Gymnasium in Moorstein ist Milas Chance auf einen Neuanfang. Alles scheint gut zu laufen, sie hat sich sogar verliebt. Doch mit Lucas' Einzug ins Rabenhaus und dem Auftauchen eines geheimnisvollen, jungen Mannes sind Schatten der Vergangenheit plötzlich wieder da. Schon bald gerät das Mädchen zwischen die Fronten heftiger Auseinandersetzungen. Es gibt sogar einen Toten. Auch wenn die Autorin das Ende im Prolog bereits andeutet, versteht sie es bestens, die Spannung in der Geschichte durchgängig hoch zu halten. Virtuos spielt sie mit dem Motiv des Raben und schiebt immer wieder sehr gekonnt Tristans Gedanken in der Zukunft ein. Zugleich gibt sie den Leserinnen die Möglichkeit, die fremde Kultur der Roma kennenzulernen. Sie gestaltet die Protagonisten überzeugend und lässt lange Zeit offen, wer hier gut oder böse ist. Spannendes Lesefutter!

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Mädchen, Liebe, Aussenseiter, Thriller / chb
978-3-401-60009-3

Fr. 24.50

Rezension aus Heft 96

Bach, Tamara

Vierzehn

Acht Wochen hat Beh ihre Freundinnen nicht mehr gesehen. Nun fängt die Schule wieder an. In kurzen Kapiteln (Morgen, Bus, Schulhof, KLs, Mathe ... Papa, Schwimmbad, Kiosk, Mama) begleiten wir das Mädchen durch den ersten Schultag. So erleben wir, wie das Zusammentreffen mit den Freundinnen etwas komisch ist, wie sie die neuen Lehrer einschätzt ... – und wie mit dem neuen Schuljahr doch einiges anders geworden ist. Protokollartig und in der Du-Form geschrieben, in kurzen (oft auch kürzesten) Sätzen wird der normale Tag eingefangen, doch stolpert man immer wieder über Wörter (Tatsachenzimmer) oder Sätze (Dass man eine Postkarte so oft lesen kann!). Die anfänglich fast langweilig wirkende Erzählung entwickelt aber mit vielen irritierenden Andeutungen eine erstaunliche Spannung. Die Autorin weiss einmal mehr mit einer präzis aufgebauten und in einer faszinierenden Sprache gestalteten Erzählung zu fesseln und zu begeistern.

a / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Entwicklung / chb
978-3-551-58359-8

Fr. 20.90

Rezension aus Heft 96

Bennett, Jenn

Annähernd Alex

Die 17-jährige Bailey zieht von der Mutter (US-Ostküste) weg zum Vater nach Kalifornien. Hier erhofft sie sich ein erstes Treffen mit ihrem Chatpartner "Alex" (ihr Pseudonym ist "Mink"), der ebenfalls dort wohnt und mit dem sie die gemeinsame Leidenschaft für Klassiker aus der Filmgeschichte teilt. In Beziehungsfragen eher vorsichtig, beschliesst sie, die Suche nach dem realen "Alex" verdeckt anzugehen. Gleichzeitig drängt sich – anfangs wider Willen – am neuen Ort auch Porter, ein talentierter Surfer, in ihr "neues" Leben. Aufmerksame LeserInnen ahnen, wer sich hinter der Chatfigur verbirgt. Dennoch bleibt das Vergnügen erhalten, der Auflösung des Versteckspiels nach etlichen Wirrungen entgegenzufiebern. Ein wendungsreicher Plot, rasant im Tempo und locker geschrieben. Eine souveräne Dialogführung und – als Referenz – passende Filmzitate (nicht zuletzt aus "E-Mail für dich") garantieren eine intelligent und lustvoll geschriebene (Ferien-)Lektüre!

a / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Liebe, Problem, Umzug / LK
978-3-551-56035-3

Fr. 28.90

Rezension aus Heft 96

Bondoux, Anne-Laure

Bella Rossas anderes Glück

Bella Rossa verwirklicht ihren Traum. Sie baut sich einen Trödlerwagen, lädt ihren ewig keifenden, gelähmten Vater auf den Wagen und zieht durchs Land. Sie gerät mitten ins Kriegsgeschehen, wird in einem Kugelhagel fast getötet und verliebt sich in einen Soldaten. Nun ziehen sie zu dritt durchs Land und versuchen, Geld zu verdienen. Bella Rossa erfindet den Reissverschluss, vermarktet ihn, wird übers Ohr gehauen und verliert den erarbeiteten Reichtum wieder. Trotzdem gibt sie nicht auf und bricht zu neuen Abenteuern auf. Es ist ein skurriles Buch. Bella Rossa mit ihren riesigen Brüsten und der fast unerschöpflichen Energie überwindet alle Hindernisse, lässt alle Männer schwach werden und gibt trotz der Widrigkeiten des Lebens nicht auf. Das Buch fasziniert, auch wenn es kaum vorstellbar ist, dass es von Jugendlichen gelesen wird. Es berichtet vom abenteuerlichen Leben im vergangenen Jahrhundert.

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Abenteuer, Frau, Familie, Schicksal / ez
978-3-551-58322-2

Fr. 27.50

Rezension aus Heft 96

Brockenbrough, Martha

Das Spiel von Liebe und Tod

Liebe und Tod sind uralte Widersacher und ihr einziges Vergnügen scheint ein Spiel zu sein, bei welchem es darum geht, zwei beliebige Personen zu manipulieren. Die Liebe möchte die beiden zusammenbringen, der Tod sie auf ewig trennen. Auch Henry und Flora werden im Jahr 1937 Opfer dieses Spiels. Sie stammen aus unterschiedlichen Schichten, haben nicht die gleiche Hautfarbe – könnten nicht verschiedener sein. Und doch finden sie sich! Aber wer gewinnt das Spiel? In der Geschichte verbirgt sich eine philosophische Grundidee, welche auch junge LeserInnen beschäftigt. Sind wir dem Schicksal ausgeliefert? Wie viel können wir selbst beeinflussen? Die unterschiedlichen Handlungsstränge machen die Lektüre anspruchsvoll. Nicht alles ist immer auf den ersten Blick nachvollziehbar. Die einzelnen Personen werden kaum eingeführt und daher versteht man leider vieles erst im Verlaufe der Geschichte.

c / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Liebe / AB
978-3-7855-8262-6

Fr. 25.90

Rezension aus Heft 96

Colfer, Eoin

Warp : Die Katzenhexe (Bd. 3)

Rileys bösartiger Lehrmeister Albert Garrick ist nicht gestorben. Dank des Wurmlochs ist er unsterblich geworden. Er trachtet Riley und Chevi nach dem Leben. Als anerkannter Hexenfinder einer Kleinstadt gelingt es ihm beinahe, Riley und Chevi als Hexen zu identifizieren und sie so umzubringen. Professor Smart ist aber auch nicht gestorben und er beraubt Garrick seiner Unsterblichkeit. Damit rettet er Riley und Chevi das Leben. So können die beiden wieder ein ganz normales Leben führen. Die Geschichte ist und bleibt verworren. Garricks kaum zu bändigende Macht sowie die Verblendung der Einwohner der Kleinstadt sind fast nicht auszuhalten. Die fantastische Geschichte, der Abschluss der Trilogie, ist spannend und geht am Ende gut aus. Für LeserInnen, die verschlungene Fantasy-Geschichten gerne haben, durchaus lesenswert.

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Fantasy / ez
978-3-7855-8261-9

Fr. 24.90

Rezension aus Heft 96

Dieltiens, Kristien

Kellerkind

Nürnberg, Mai 1828: Hier taucht ein scheinbar geistig behinderter, sprachloser Knabe auf, der sich kaum auf den Beinen halten kann. Kaspar Hauser wird er genannt und erzählt später, dass er in einem Kellerloch eingesperrt war. Scheinbar unabhängig von der Geschichte um den rätselhaften Fremdling wird auch das Leben von Michael Ostheim erzählt, der mit einer Hasenscharte geboren wird. Wegen seines Aussehens wenden sich die Menschen von ihm ab. Kapitelweise wechseln sich nun Michaels Erzählung und Kaspars Tagebucheinträge ab und wir erkennen langsam den Zusammenhang dieser beiden Protagonisten. In sehr sorgsamer Sprache erzählt hier die Autorin ihre eigene Wahrheit um Kaspar Hauser und doch spürt man, dass sie die Erbprinztheorie genau recherchiert hat. Beeindruckend ist aber vor allem die Beschreibung der trostlosen Kindheit zweier Knaben, die eigentlich in nur eine düstere Welt blicken.

a / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Entwicklung, Historisches Neuzeit / chb
978-3-8251-7970-0

Fr. 26.90

Rezension aus Heft 96

Erbertz, Christina

Drei (fast) perfekte Wochen : Roman

Nele, Nico, Marion, Lukas und Rita treffen sich in einem 3-wöchigen Orientierungslauf-Camp. Nebst dem Orientierungslauf handelt das Buch von einer zickigen Trainerin, von den Gefühlen der Teenager, von einem an Leukämie erkrankten Jugendlichen und von einer Beinahe-Vergewaltigung. Das Buch wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, die zeigen, dass das Camp ganz unterschiedlich erlebt wird. Ausserdem handelt es von der ersten zarten Liebe zwischen Nico und Nele. Es ist unterhaltsam und durch den Perspektivenwechsel interessant. Zwischendurch zeigte es auf, wie Vorurteile entstehen. Es ist eine Geschichte mit wenig Tiefgang. Es ist eher eine Beschreibung von Teenagern und ihren Gefühlen, einer Sportart, unterschiedlicher Elternhäuser und von Grenzüberschreitungen im körperlichen Bereich. Vieles bleibt oberflächlich und angedeutet. Was der Titel des Buches mit dem Inhalt zu tun hat, ist nicht ersichtlich.

c / Lesealter 13 / Vorlesealter / J Pubertät / ez
978-3-407-82173-7

Fr. 16.90

Rezension aus Heft 96

Frank, Moira

Sturmflimmern : Roman

Sofia lebt in den 80er-Jahren in einem kleinen Dorf in den USA. Eigentlich hat sie nur ihrem besten Freund Oscar helfen wollen. Dies jedoch führt zu einer tödlichen Gewaltspirale rund um Oscars Bruder David. Sofias Eltern sind verstorben, sie ist bei Pflegeeltern aufgewachsen. Als der geheimnisvolle Isaac auftaucht, kommt Sofia dem Geheimnis um ihre Herkunft langsam auf die Spur. Die Erzählung zieht sich teilweise unendlich in die Länge, Nebensächlichkeiten werden über Seiten hinweg erklärt und bei den unzähligen Charakteren verliert man schnell den Überblick. Die abstossende Geschichte besteht zum grössten Teil aus der detailreichen Schilderung stumpfer, naiver und brutaler Gewaltanwendungen. Es wird geschrien, geschlagen, bedroht, zerstört. Der Schluss des Buches mit dem Cover in unpassenden Pastellfarben lässt jene, welche bis dahin durchgehalten haben, frustriert zurück.

d / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Gewalt / ca
978-3-570-16457-0

Fr. 22.90

Rezension aus Heft 96

Frey, Jana

RegenTropfenGlück

Im Bus, auf dem Weg zu ihrer neuen Schule, trifft Nisha Ben. Beide fühlen sich stark zueinander hingezogen. Sie kommen sich näher und es entsteht eine Liebesgeschichte. Nisha liebt Ben, zieht sich aber immer wieder zurück. Oft fehlt sie in der Schule und alle schweigen über den Grund. Erst als Nisha einen schlimmen Zusammenbruch erleidet und in eine Klinik eingewiesen wird, erfährt Ben die Wahrheit. Nisha leidet an den Folgen eines traumatischen Erlebnisses in ihrer Kindheit. Das Buch ist ein sprachliches Juwel der leisen Töne. Es ist die aussergewöhnliche und wunderschöne Sprache der Autorin, die das fast Unerträgliche erträglich macht. Stimmungen werden so bildhaft beschrieben, dass man sie fühlen kann, und die Protagonisten so feinfühlig charakterisiert, dass man das Gefühl hat, sie schon lange zu kennen. Die Geschichte ist unfassbar traurig, trotzdem schwingt immer Hoffnung mit.

a / Lesealter 15 / Vorlesealter / J Problem, Liebe, Familie / CB
978-3-401-60004-8

Fr. 21.50

Rezension aus Heft 96

Gurian, Beatrix

Glimmernächte

Pippa muss ihre Heimatstadt und ihre Freunde in Berlin verlassen und ihrer Mutter, die einen dänischen Grafen geheiratet hat, folgen. Zunächst gefällt ihr das Leben auf dem herrschaftlichen Schloss, wo sie von ihrer Stiefschwester Kirsten herzlich aufgenommen wird. Nebst den vielen Gästen, die auf Schloss Ravensholm feiern, lernt sie auch ihren Stiefbruder Niels kennen. Er scheint eine mysteriöse Figur zu sein und Pippa leidet plötzlich unter Halluzinationen und Blackouts. Das glitzernde Cover mit dem hellblauen Ballkleid erinnert an Cinderella. Doch dieser Gedanke führt völlig in die Irre. Vielmehr handelt die Geschichte von nordischen Mythen und Runen und unheimlichen Machenschaften, von Hypnose und Magie. Das spannende Buch über Sein und Schein endet mit dem unerwarteten Auflösen von Familiengeheimnissen.

b / Lesealter 13 / Vorlesealter / J Familienkonflikt, Phantasie / ca
978-3-401-60216-5

Fr. 21.90

Rezension aus Heft 96

Heitmann, Tanja

In einer Sommernacht wie dieser

Leonie verbringt den Sommer bei ihrem Vater in dessen Villa. Die 17-Jährige hat ein grosses Herz für ihre Mitmenschen. Sie gibt sich selbstbewusst und sagt, was sie denkt. Von Anfang an fühlt sie sich stark zum 18-jährigen Alexei, der im Garten ihres Vaters arbeitet, hingezogen. Ein Geheimnis scheint den oft verschlossenen, teils aber auch beängstigend impulsiven Alexei zu umgeben. In ihrer Verliebtheit muss sich Leonie die Frage stellen, ob Alexei zu einem Mord fähig ist. Die beiden Protagonisten sind sehr plastisch beschrieben. Besonders Alexei weckt unsere Neugier. Man ahnt, dass die düster-gruseligen Einschübe mit dem Titel "Im Wald" mit seiner Vergangenheit zusammenhängen. So wird geschickt mit Thriller-Elementen gespielt, die neben der dominanten Liebesgeschichte aber etwas zu kurz kommen. Anfangs ist die Geschichte unnötig in die Länge gezogen, am Ende überstürzen sich die Ereignisse.

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Liebe, Thriller / CB
978-3-7891-3731-0

Fr. 23.50

Rezension aus Heft 96

Herrick, Steven

Wir beide wussten, es war was passiert

Diese ungewöhnliche Geschichte spielt in Australien. Dabei hat der Autor offenbar versucht, die Erzählweise von Homer nachzubilden, nicht nur was das Versmass anbelangt, sondern auch den laufenden Perspektiv- und Erzählerwechsel. Dies ist ihm durchaus überzeugend gelungen. Doch die Geschichte selbst sollte nicht unbedingt an der Wirklichkeit gemessen werden. Denn wenn der halbwüchsige Billy aus dem Haus seines alkoholkranken Vaters flieht und auf abenteuerlichem Wege in einer anderen Stadt ankommt, mag dies ja noch angehen. Dass sich Billy aber ausgerechnet im Eisenbahnwaggon neben dem langjährigen Penner Old Bill einnistet, der ein massives Alkoholproblem hat, erscheint angesichts des "Fluchtgrundes" wenig realitätsnah. Ebenso wenig vermag die Liebesgeschichte zu überzeugen, die Billy mit dem aus besserer Familie stammenden Mädchen Caitlin aufbauen kann. Das Happyend sorgt dennoch für soziale Gerechtigkeit ...

b / Lesealter 13 / Vorlesealter / J Aussenseiter, Problem / Kt
978-3-522-20219-0

Fr. 21.90

Rezension aus Heft 96

Herrmann, Susanne

Die Mühle : Thriller

Lana trifft Jonny, den Jungen, den sie mit seiner Clique vergöttert hat, zufällig wieder. Nach einem Unfall überlässt er Lana seine Einladung für ein Cliquen-Treffen in einem Nobelhotel. Sie reist nach Karlsbad, doch schon am nächsten Tag stellt sich die Einladung als tödliche Falle heraus. Immer weitere ehemalige Cliquenteilnehmer sterben. Auch Lana kämpft um ihr Leben und am Schluss hilft ihr Jonny, die Mörderin zu überwältigen. Es ist eine sehr unheimliche, mysteriöse Geschichte, die Geheimnisse birgt, zwischendurch sehr unwahrscheinlich wirkt und trotzdem spannend ist. Die Sprache ist manchmal etwas trivial. Die Auflösung der Geschichte ist kaum zu glauben, da Hass das Motiv für den Tod von sechs jungen Menschen zu sein scheint. Dass die Protagonistin als einzige überlebt und mit Jonny das Trauma zu überwinden versucht, stimmt ein wenig hoffnungsvoll. (s. Kapitel 10, Hörbuch)

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Thriller / ez
978-3-570-16423-5

Fr. 24.50

Rezension aus Heft 96

Hofmeyr, David

Stone Rider

Dieser Roman spielt in einer zukünftigen, heissen und trockenen Welt. Die Erde ist vergiftet und zerstört. Es gibt Überlebende, die ein hartes, brutales, rückständiges und entbehrungsreiches Leben führen. Die Erlösung wartet weit oben im All, in der Sky-Base. Der Sieger des härtesten Motorradrennens der Welt sichert sich dort einen Platz. In dieser Welt lebt Adam, der nach und nach alles verloren hat. Er kämpft sich mehr schlecht als recht durch, besitzt nur eine bedeutungsvolle Sache, ein Motorrad. Das Risiko ist gross, Adams Chancen sind minimal – und er hat keine Ahnung, worauf er sich mit der Teilnahme an diesem Rennen einlässt. Dieser spannende Endzeit-Roman fesselt und reisst mit. Die kurzen Sätze in prägnanter Sprache können am Anfang etwas Mühe bereiten. Trotzdem kommt nie Langeweile auf, denn es wird gefährlich, nervenaufreibend und sogar brutal.

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Abenteuer, Fantasy / AS
978-3-423-76150-5

Fr. 21.90

Rezension aus Heft 96

Howell, Simmone

Mädchen mit Geheimnissen

Sky (15) und ihr Bruder Gully (11) sind von der Mutter (die sich angeblich selbst verwirklichen will) verlassen worden. So leben die beiden seit fünf Jahren bei ihrem Dad, welcher einen Schallplattenladen besitzt, sich aber mehr schlecht als recht durchs Leben mogelt. Sein Geschäft läuft nicht und er versucht seine Probleme im Alkohol zu ertränken. Gully ist verhaltensgestört, er trägt stets einen Schweinerüssel vor dem Gesicht. Skys einzige Freundin Nancy (19) bewegt sich im Drogen- und Alkoholmilieu und interessiert sich hauptsächlich für Sex. Und dann ist da noch der schüchterne Luke, den ihr Vater als Aushilfe eingestellt hat. Er bleibt eine oberflächliche Figur. Die Geschichte ist sehr schwierig nachzuvollziehen. Auch die Aufzählung der vielen Bands aus den frühen 70er-Jahren wirkt mühsam.

c / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Familienkonflikt, Junge Erwachsene, Sucht / ca
978-3-551-58339-0

Fr. 25.90

Rezension aus Heft 96

Inglis, Lucy

Worte für die Ewigkeit

Zwei Schicksale, die eng miteinander verbunden sind, ziehen die Leserschaft von der ersten Seite an in ihren Bann. Da ist auf der einen Seite die 16-jährige Hope. Tyrannisiert von ihrer Mutter muss das Mädchen sie nach Montana auf eine Farm begleiten. Dort begegnet Hope dem abweisenden Cal. Andererseits lesen wir von Emily, die im Jahre 1867 nach Montana reist, um einen ihr völlig unbekannten Mann zu heiraten. Auf dem Weg dorthin verunfallt sie und wird vom Halbindianer Nate gerettet. Die berührende Geschichte pendelt ständig zwischen der Gegenwart und der Vergangenheit hin und her, von der einen Person zur andern. Voller Romantik überzeugt sie zudem mit der Schilderung der magischen Landschaft Montanas. Aber auch ernste Themen (die Ausrottung der Büffel, die Kriege zwischen Indianern und Weissen ...) haben ihren Platz. Emilys Tagebuch, von Hope gefunden, führt als roter Faden durch dieses zauberhafte Buch.

a / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Indianer, Historisches, Liebe, Amerika Montana / ca
978-3-551-52087-6

Fr. 28.90

Rezension aus Heft 96

Johansen, Anders

Das schwarze Loch in mir

Dieser Roman besticht vor allem durch seine intensive, glaubhafte Erzählweise, die auch in sprachlicher Hinsicht überzeugt. Er handelt auf einer abgelegenen Faröer-Insel und hält sich nahe an die Realität. Der Titel zielt darauf ab, dass es auf der Insel einerseits ein äusseres schwarzes Loch gibt, einen Tunnel durch den Berg, der das traditionelle Leben des wenig aufregenden Ortes mit der Stadt, d.h. der Neuzeit verbinden soll. Dies sorgt für erhebliche Unruhe im Dorf mit teils skurrilen, bigotten, handfesten Persönlichkeiten, die Gottesfrevel und Sündenpfuhl wittern. Andererseits bezieht sich das "schwarze Loch" auf das Innere des Ich-Erzählers, des autistischen Schuljungen David, dessen Vater noch über den Berg Post holen geht und keinen Spass versteht. Aufgrund seiner Besonderheit wird David von den Mitschülern geneckt, jedoch vom Lehrer und seinem älteren Bruder geschützt. Wer Action und Abenteuer sucht, liegt jedoch mit diesem Buch falsch.

a / Lesealter 13 / Vorlesealter / J Aussenseiter, Problem / Kt
978-3-407-82172-0

Fr. 19.90

Rezension aus Heft 96

Kaufman, Amie Spooner, Meagan

These Broken Stars : Lilac und Tarver (Bd. 1)

Lilac, das reichste Mädchen des Universums, und der gefeierte Kriegsheld Tarver stürzen mit dem vollbesetzten Raumschiff Ikarus ab. Mit ihrer Rettungskapsel landen sie auf einem fremden Planeten und machen sich auf den Weg, das Wrack der Ikarus zu finden. Unterwegs beginnt Lilac zu halluzinieren und das kratzbürstige Mädchen wird etwas zugänglicher. Aber auch Tarvers harte Schale bekommt Risse. Der emotionsreiche erste Band der Trilogie ist ausgesprochen spannend und fantasievoll geschrieben. Die Geschichte ist in sich abgeschlossen, dennoch wartet man gespannt auf die Fortsetzung. Das Cover ziert eine Nahaufnahme von Lilac und Tarver: Man sieht nur je eine Gesichtshälfte mit einem blauen und einem braunen Auge – damit wird die Nähe und gleichzeitige Gegensätzlichkeit der beiden Protagonisten gut hervorgehoben. (s. Kapitel 10, Hörbücher)

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Science-Fiction, Partnerschaft / ca
978-3-551-58357-4

Fr. 28.90

Rezension aus Heft 96

Kordon, Klaus

Der einarmige Boxer : Eine Liebesgeschichte

Die 17-jährige Feri verliebt sich in den Ferien mit den Eltern Hals über Kopf in den gleichaltrigen Milan und wird schwanger. Was nun? Ihre Eltern raten zur Abtreibung, die Freundinnen sind fassungslos ("Warst du bekifft?"), doch Milan steht zum (ungeborenen) Kind. Feri und Milan stehen unter Zeitdruck, machen es sich aber in ihrer Entscheidungsfindung nicht leicht, zumal es wegen eines Missverständnisses fast zur Trennung gekommen wäre. Erschwerend ist zudem die Tatsache ihrer unterschiedlichen Herkunft, die gegensätzlicher nicht sein könnte: sie, eine gut behütete Tochter einer Akademikerfamilie; er, aufgrund schwieriger familiärer Verhältnisse, im Jugendheim aufwachsend. K. Kordon, erst kürzlich mit dem "Sonderpreis der Jury für Autorengesamtwerk" ausgezeichnet, erweist sich als feinfühliger Autor, der es bestens versteht, Gefühlschaos, Sinnsuche und Verantwortungsbewusstsein der Protagonisten auszuloten.

a / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Problem, Familienkonflikt, Liebe / LK
978-3-407-82170-6

Fr. 24.50

Rezension aus Heft 96

Kunst, Marco

Herr der Zeiten

Wessels Vater ist Arzt und Forscher. Er erforscht die Lebenslinien der Menschen und kann ihren Tod voraussagen. Seinem eigenen Tod entzieht er sich aber und macht sich unsterblich. Dabei entsteht ein Spalt ins Jenseits. Die Toten helfen ihm weiterzuforschen, wenn er ihnen wieder das Leben gibt. Wessel hilft seinem Vater, den Spalt mit Kindern zu füttern. Der Spalt wird jedoch immer grösser und droht die Menschheit zu verschlingen. Wessel gelingt es am Ende, den Spalt zu verschliessen. Er hat endlich gemerkt, dass er seinem Vater nicht mehr gehorchen muss, sondern einen eigenen Willen hat. Die düstere Geschichte über Macht, die Angst vor dem Tod und den lauernden Höllenqualen ist spannend zu lesen und zeigt auf, welche Wirkung streng gelebte, religiöse Gedanken auf Menschen haben können. Die Kraft der Liebe verhindert Schlimmes und am Ende lässt das Buch den Tod als etwas Schönes erscheinen.

c / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Fantasy, Familienkonflikt / ez
978-3-8369-5899-8

Fr. 25.30

Rezension aus Heft 96

Landy, Derek

Demon Road : Hölle und Highway (Bd. 1)

Schon der erste Satz: "Zwölf Stunden, bevor ihre Eltern sie umzubringen versuchten, sass Amber zwischen ihnen im Büro der Rektorin" katapultiert die LeserInnen in die absurd-bizarre Geschichte der 16-jährigen, unscheinbaren Amber, die plötzlich eine beängstigende Fähigkeit an sich entdeckt: Sie kann sich in einen selbstsicheren, aggressiven Dämon verwandeln. Sie erfährt, dass ihre biederen Eltern und deren Freunde leibhaftige Dämonen sind und sie verspeisen müssen, um ihre dämonischen Kräfte zu bewahren. Es folgt eine irrwitzige Flucht auf der Demon Road, einer düsteren Strasse, die sie zu den schlimmsten Orten und brutalen Auseinandersetzungen mit Monstern, Dämonen, Hexen und Vampiren führt. Beschützt wird sie vom obskuren "Bodygard" Milo mit seinem geheimnisvollen Dodge Charger. Der gut konstruierte, spannende, abstruse, blutige, schwarzhumorige Horrorthriller ist für Freunde des Genres durchaus lesenswert.

b / Lesealter 15 / Vorlesealter / J Fantasy, Horror, Humor / gm
978-3-7855-8508-5

Fr. 26.90

Rezension aus Heft 96

Leder, Meg

Museum of Heartbreak

Der mädchenhafte Schutzumschlag strahlt ganz in Pink und erinnert an ein Tagebuch. Penelope, die Protagonistin steckt mitten in der Pubertät und in der ersten grossen Liebe, die sich allerdings als blosse Schwärmerei entpuppt. Da sie niemand darauf vorbereitet hat, beginnt sie über die Höhen und Tiefen ihrer Gefühle ein Buch zu schreiben. Der Schreibstil ist locker und der humorvolle Bucheinstieg auch viel versprechend. Der Hauptteil verliert sich aber in eine leicht zickige Teenager-Geschichte. Dieses Getue passt eigentlich nicht mehr zu einer 16-Jährigen, die doch schon über eine gewisse Reife verfügen sollte. Erst gegen den Schluss zu meint man, etwas davon erkennen zu können.

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Liebe, Freundschaft / um
978-3-570-17265-0

Fr. 22.90

Rezension aus Heft 96

Leuze, Julie

Herzmuschelsommer

Kim erfährt erst mit 16, dass sie unmittelbar nach der Geburt vertauscht wurde und ihre Eltern demnach gar nicht ihre leiblichen Eltern sind. Sie soll nun für sechs Wochen zu ihnen in die Bretagne ziehen, um herauszufinden, wo sie ihr Leben weiterführen möchte. Mit Zeichnen versucht sie, das Auf und Ab ihrer Gefühle anzugehen. Padrig, ein introvertierter Junge, zeigt ihr die malerische Kulisse der Bretagne und weiht sie in die Mystik der Sagenwelt ein. Die Geschichte ist sehr süss und vorhersehbar. Trotzdem sind die Konflikte, die die neue Situation im Leben einer Person auslöst, nachvollziehbar und detailliert geschildert. Die Skypegespräche mit ihrer besten Freundin Mia bieten eine Möglichkeit zur Aufarbeitung und bringen immer wieder etwas Ruhe in die aufgewühlte Gefühlswelt. Das Cover zeigt vier von einem Ast baumelnde Füsse vor der Kulisse eines Sonnenuntergangs am Strand.

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Liebe, Familienkonflikt / ca
978-3-473-40101-7

Fr. 22.50

Rezension aus Heft 96

Lu, Marie

Young Elites : Die Gemeinschaft der Dolche (Bd. 2)

Ein Fieber macht Kinder zu Gezeichneten, zu Malfettos. Als Ausgestossene werden sie für jedes Verbrechen und jeden Schicksalsschlag verurteilt. Einzelne von ihnen verfügen über magische Kräfte, genährt durch das Fieber. Adelinas Kräfte wachsen aus Angst und Wut. Treibt man sie in die Enge, erzeugt sie täuschend echte Illusionen. Als sie ihren Vater tötet, schliesst sie sich der Elite, einer Gemeinschaft begabter Malfettos, an. Im Kampf wendet sich Adelina unfreiwillig gegen ihre Freunde und verrät damit alles, was ihr lieb ist. Die spannende, lebhaft geschriebene Geschichte über Vertrauen und Verrat, über Loyalität und Verbundenheit vermag zu fesseln. Die Welt aus der Sicht der Verräterin zu sehen, ist abstossend und anziehend zugleich. Das faszinierende Abenteuer hat ein unerwartetes Ende. Für einmal siegt das Böse – zumindest in dieser Folge!

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Fantasy, Freundschaft / Ki
978-3-7855-8353-1

Fr. 25.90

Rezension aus Heft 96

Mills, Emma

Jane & Miss Tennyson

Mit Zitaten der berühmten Jane Austen motzt Devon an der Highschool ihre leicht frustrierenden, ambivalenten Tage im Abschlussjahr auf. Sie hadert damit, heimlich in ihren besten Freund verliebt zu sein, und durchschaut die komplizierten Beziehungen ihrer coolen Klassenkolleginnen nicht. Ihre Devise ist, einfach die Zukunft zu ignorieren, nicht an die Bewerbung fürs College zu denken, mit ihrem Cousin Foster, der als Adoptivsohn unvermittelt ihre Familie aufmischt, halbwegs klarzukommen. Ihm hilft sie, aus seinem überraschenden Talent für Football etwas zu machen, und stösst dabei mit dem unwiderstehlichen, überheblichen, aber geheimnisvollen Ezra zusammen. Die Einsicht, dass "Stolz und Vorurteil" auch heutigen jungen Frauen bei ihrer Emanzipation im Weg stehen, ist leichtfüssig und fesselnd geschrieben. Die Erzählperspektive erlaubt einen starken Spot auf die Herzensangelegenheiten und Sehnsüchte einer behüteten, bildungsbeflissenen, englischen Middle-Class-Exponentin. Romantik, gepaart mit einer klugen Coming-of-age-Story, die nachhaltig bewegt.

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Liebe, Sport Football, Schule / ES
978-3-551-56025-4

Fr. 27.50

Rezension aus Heft 96

Nelson, Jandy

Ich gebe dir die Sonne

Ein besonderes Buch über Zwillinge, die sich nach dem Tod der Mutter aufgrund starker Schuldgefühle voneinander und von sich selbst entfremden. Innert drei Jahren tauschen sie ungewollt die Rollen. Aus dem Aussenseiter, der leidenschaftlich zeichnet und sich zu Jungs hingezogen fühlt, wird ein angesehener Junge im Sportteam mit vermeintlicher Freundin. Das beliebte, vorwitzige Mädchen entwickelt sich zur Versagerin an der Kunstschule, die ihr Äusseres vernachlässigt und Freundschaften boykottiert. Beide erzählen abwechselnd aus zeitlich unterschiedlicher Perspektive. Langsam entwickelt sich ein gemeinsames Bild über die Vergangenheit, das zur Versöhnung führt und eine glückliche Gegenwart ermöglicht. Die Autorin erzählt detailliert in jugendgerechter Sprache und verwendet viele Metaphern. Ein komplexes, stimmiges und berührendes Buch, geheimnisvoll, spannend und gleichzeitig sanft.

a / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Familie, Familienkonflikt, Tod, Pubertät, Aussenseiter, Freundschaft, Künstler / EK
978-3-570-16459-4

Fr. 24.50

Rezension aus Heft 96

Ness, Patrick

Das Morgen ist immer schon jetzt

Der Autor führt die LeserInnen in eine seltsame Welt. Da begegnet man einerseits einer Gruppe Jugendlicher, die sich mit ganz normalen Problemen herumschlägt: Schulabschluss, Liebe, Eifersucht oder Zwangsstörungen. Andererseits tauchen Fabelwesen auf, die nur von den Jugendlichen gesehen werden und die Geschichte mit Fantasy-Elementen bestückt. Unklar bleibt, ob diese Fabelwesen als Metaphern für die Probleme der Jugendlichen stehen. Der Protagonist Mikey ist eine interessante Figur. Trotz vieler Probleme will er seinen Schulabschluss und den Sprung in die Erwachsenenwelt schaffen. Jedes Kapitel beginnt mit einer Fantasy-Geschichte, die dann mit der Hauptgeschichte verknüpft wird. Trotz des fesselnden Schreibstils irritiert das Buch und lässt uns etwas ratlos zurück. Die Botschaft aber ist klar: Auch wenn du ganz normal bist, bist du etwas Besonderes.

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Freundschaft, Fantasy / CW
978-3-570-17266-7

Fr. 22.90

Rezension aus Heft 96

Novik, Naomi

Das dunkle Herz des Waldes

Der Drache Sarkan, ein Zauberer, herrscht über das Tal und holt sich jedes zehnte Jahr ein Mädchen aus dem Dorf. Diesmal trifft es überraschend Agnieszka. Sie muss Sarkan dienen und er versucht ihr, Magie beizubringen. Doch sie hat ihre eigene Art von Magie und gemeinsam gehen sie "das Übel" an, das aus dem Wald dringt. Agnieszka entfernt das Übel, doch ob es ihr wirklich gelungen ist, bleibt am Ende offen. Auch ob Sarkan und sie am Ende ein Liebespaar werden, bleibt der Fantasie der LeserInnen überlassen. Das Buch beginnt sehr spannend, wird zunehmend vielschichtig und immer mehr verwirrend mit all den Zauberkräften und unterschiedlichen Gestalten. Die Geschichte zieht sich in die Länge und am Schluss bleibt ein schales Gefühl zurück, die Botschaft des Buches nicht wirklich verstanden zu haben. Zu viel wird angesprochen, zu viele Handlungsfäden werden gesponnen und der überraschende Schluss scheint die Erzählung auch nicht abzuschliessen.

c / Lesealter 13 / Vorlesealter / J Fantasy / ez
978-3-570-17268-1

Fr. 22.90

Rezension aus Heft 96

Oliver, Sara

Gefangen zwischen den Welten (Bd. 1)

Ve soll zu ihrem Vater in sein marodes Schloss im kleinen Dorf Winding reisen. Dort angekommen wird Ve nur von der Haushälterin Marcella erwartet. Der Vater ist verschwunden. Ve stösst im Keller auf einen Lift, der sie in eine Parallelwelt katapultiert. Hier begegnet sie ihrem zweiten Ich. Doch auch alle anderen Personen gibt es doppelt. Spannend ist, dass diese hier einen andern Charakter und auch ein anderes Aussehen aufweisen. Ve bewegt sich nun in zwei völlig verschiedenen Welten. Auch die Liebesgeschichte um Finn verläuft je nach Universum anders. Der erste Band dieser Trilogie handelt von Konzernen, Naturwissenschaften, kriminellen Machenschaften, von der Wirtschaft und dem ganz normalen Gefühlsleben einer jungen Frau. Das in Blau und Schwarz zweigeteilte Cover mit vielen metallic-glänzenden Sternen weist auf die Parallelwelten hin.

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Junge Erwachsene, Krimi, Phantasie / ca
978-3-473-40144-4

Fr. 24.90

Rezension aus Heft 96

Pietschmann, Claudia

GoodDreams : Wir kaufen deine Träume

Mika ist ein Profiträumer. Er postet seine Träume und sammelt damit Likes. Je mehr Likes er hat, desto mehr Geld verdient er, um Medizin für seinen kranken zu Vater kaufen. Aber ausgerechnet als ein Traum-Wettbewerb mit einer Gewinnsumme von 250'000 Dollar ausgeschrieben ist, leidet Mika an Schlafproblemen. Für ihn ist klar: Seine Schwester Leah muss an seiner Stelle mitmachen. Leah lässt sich überreden und gerät mit drei anderen Jugendlichen in ein gefährliches Traum-Abenteuer, das sich auch auf ihr reales Leben auswirkt. Die Jugendlichen sind sehr unterschiedlich beschrieben, trotzdem bleiben die Charaktere flach. Anfangs kommt die Geschichte nur sehr schleppend in Schwung, während am Ende alles zu schnell geht. Dennoch vermag die Idee der Geschichte zu überzeugen. Automatisch überdenkt man beim Lesen den Umgang mit den neuen Medien und macht sich Gedanken zu Privatsphäre und Manipulation.

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Cyberspace / CB
978-3-401-60151-9

Fr. 21.90

Rezension aus Heft 96

Salisbury, Melinda

Goddess of Poison : Tödliche Berührung (Bd. 1)

Eine durch und durch englische Geschichte, gemixt mit Mittelaltercharme und Magie, liegt hier vor. Ein Mädchen wird aufs Herrscherschloss geholt, soll als zukünftige Braut des Prinzen dienen und wird, um einer alten Legende gerecht zu werden, mit Gift gefüttert und als Henkerin missbraucht. Dass die Berührung tödlich sei, behauptet auf jeden Fall die machtgierige, herzlose Königin. Man findet sich als (ungeduldige) Leserin nur langsam in dieser Fantasywelt zurecht. Beisst man sich aber durch, so lässt einen die hoch spannende Geschichte bald nicht mehr los. Unerwartete Fügungen und Wendungen lassen uns gebannt weiterlesen, denn nichts ist so, wie es am Anfang scheint. Das Mädchen mausert sich vom gehorsamen Kind zu einer jungen Frau, die sich ihren Weg selber sucht und die lernt, auf sich selber zu hören. Dass sie von fast allen in ihrer Nähe belogen und ausgenutzt wird, wirft sie auf sich selber zurück.

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Fantasy / bie
978-3-8458-1513-8

Fr. 25.90

Rezension aus Heft 96

Samson, Gideon Hart, Julius 't

Flutlicht

Während des EM-Endspiels Holland–Spanien erinnert sich Pieter an seine Zeit in Sri Lanka. Er verbrachte nach einem Volontariat die Ferien am Strand, begegnete dort der grossen Liebe und wurde vom Tsunami überrascht. Die Erzählung folgt seinen Gedanken, welche zwischen den Zeiten hin- und herspringen. Nach einem holprigen Einstieg fällt es leicht, seinen Erlebnissen zu folgen. Mit der sorgfältigen Wortwahl erzeugen die Autoren wechselnde Stimmungen, starke Betroffenheit und fesselnde Spannung. Durch die sachliche Darstellung wirkt die Erzählung dennoch nüchtern. Einzelne, in englischer Sprache verfasste Dialoge erfordern einfache Englischkenntnisse. Das abrupte Ende klärt alle Fragen und überrascht. Wer Erzählungen mit rasanten Zeitsprüngen mag, findet hier ein Buch voller Spannung und Emotionen. Für Freunde von linearen Geschichten sind die Erinnerungen zu fragmentiert.

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Zeitgeschichte, Katastrophe, Liebe, Tod, Zweisprachig / EK
978-3-8369-5896-7

Fr. 16.90

Rezension aus Heft 96

Sassen, Erna

Komm mir nicht zu nah

Reva und Marjolein pflegen eine besondere Geschwisterbeziehung. Mal suchen sie Nähe, mal brauchen sie Distanz. Reva kommt mit ihrer Welt nicht klar, was sich in Essstörungen und Depressionen äussert. Bei ihrer grossen Schwester sucht sie Halt, indem sie ihr meistens mitten in der Nacht telefoniert und stundenlange Monologe führt. Marjolein ist das oft zu viel. Sie reagiert mal zynisch, mal hilfsbereit und liebevoll, oft fühlt sie sich verantwortlich, dann wieder ist sie abweisend. Die Schilderung der schwierigen Situation zeigt sich auch darin, dass nur die Protagonisten einen Namen haben. Für alle anderen Personen genügt ein Buchstabe. Die Geschichte über das Wechselspiel der turbulenten Gefühle der beiden Geschwister fesselt. Man leidet mit Reva und versteht andererseits Marjoleins Reaktionen. Aussagekräftig ist das Cover: Wir sehen eine tieftraurige, junge Frau auf der Suche nach Nähe.

a / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Familie, Problem, Sucht, Psychologisches / ca
978-3-7725-2862-0

Fr. 25.90

Rezension aus Heft 96

Schröder, Rainer M.

Wolf Moon River

Spannungsgeladen von der ersten Seite an präsentiert sich dieser Thriller, der in der Wildnis Kanadas spielt. Jack hat angeblich seine Kameradin Jennifer im Suff umgebracht. Verzweifelt versucht er, seinen beiden rachsüchtigen Kumpels zu entkommen. Auf der Suche nach Nahrung und Unterschlupf trifft er auf Patrick und Olivia, welche einen Flugzeugabsturz überlebt haben und sich nun auf der Suche nach Hilfe durch das unwegsame Gelände kämpfen. Zunächst liegen die beiden Handlungsstränge weit auseinander, nähern sich aber gegen Ende der Erzählung. Patrick und Olivia mögen sich überhaupt nicht, seine sarkastischen Sprüche verärgern sie. Nach und nach kommt Licht in die Geschichte. Leider ist der Schluss, im Gegensatz zu den ausführlichen Beschreibungen vieler Nebensächlichkeiten, kurz und übereilt. Das Cover zeigt eine dunkle Luftaufnahme eines Waldgebiets und passt hervorragend zum Inhalt.

b / Lesealter 13 / Vorlesealter / J Thriller, Action / ca
978-3-570-17239-1

Fr. 22.90

Rezension aus Heft 96

Sepetys, Ruta

Salz für die See

Während der Untergang der "Titanic" fest im öffentlichen Bewusstsein verankert ist, wird die Bombardierung und Versenkung der dt. "Wilhelm Gustloff" durch die Russen im Januar 1945 mit nahezu 9000 Toten weniger wahrgenommen. Als Flüchtlingsschiff soll es die im Osten eingekesselte Bevölkerung auf ihrer Flucht über die Ostsee in Sicherheit bringen. Mit an Bord sind u.a. Florian, ein dt. Deserteur, Emilia, eine junge Polin, Joana, eine litauische Krankenschwester, und der einfältige Matrose Alfred, der sich zum Soziopathen entwickelt. Die Absicht der Autorin, jeder Figur (bis auf letztgenannte) "ein Geheimnis, einen Schmerz und auch etwas Wundervolles zu geben", macht aus diesem fiktiven historischen Roman etwas ganz Besonderes. Es dauert eine Weile, bis man in die multiperspektivische Erzählweise hineingefunden hat. Dank akribischer Recherche gelingt es, ein erschütterndes Bild zu zeichnen, nicht nur von dieser Schicksalsgemeinschaft, sondern vom Grauen des Krieges allgemein.

a / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Historisches Neuzeit 2. Weltkrieg, Flüchtling, Katastrophe, Schicksal / LK
978-3-551-56023-0

Fr. 28.90

Rezension aus Heft 96

Shelton, Dave

Der 13. Stuhl

Ein gutes Gespensterbuch muss zweifellos aus England kommen, der Wiege dieses Genre. In diesem durchaus neuzeitlichen Buch spielt der Verfasser sehr gekonnt auf der Klaviatur des Gruseligen, was nicht leicht ist, will man nicht ins Kitschige, Lächerliche abrutschen. Der Titel selbst bezieht sich auf die Anzahl der ErzählerInnen, welche des Nachts in einem Gespensterhaus um einen Tisch herum versammelt sind und den Vorredner durch eine möglichst noch gruseligere Geschichte übertrumpfen wollen, bevor ihre eigene Kerze erlischt und sie selbst zum Geist werden ... Sehr überzeugend ist der Aufbau der Erzählung, bei der sich ein Jugendlicher, angezogen durch den diffusen Lichtstrahl unter der Türe, entschliesst, entgegen von Angst und Bedenken, seiner Neugierde zu folgen und die Türe zu öffnen. Die einzelnen Geschichten, die ihm im Folgenden dargeboten werden, sind überaus exquisit und nichts für ängstliche Naturen.

a / Lesealter 13 / Vorlesealter / J Gruseln / Kt
978-3-551-56024-7

Fr. 25.90

Rezension aus Heft 96

Simone, Lara de

Secrets : Was Kassy wusste (Bd. 3)

Hier wird das Geschehen aus Kassys Perspektive erzählt. Die in Band 1 und 2 als cool beschriebene Kassy zeigt sich von einer anderen Seite. Sie fühlt sich schuldig, da sie indirekt an Maries Tod beteiligt ist. Emma und Kassy kommen sich über verschlungene Wege näher. Das Buch endet damit, dass Emma und Kassy das Geheimnis von Kassys Schuld und der Geschwisterliebe von Tom und Marie hüten. Wiederum ist es der Autorin gelungen, die LeserInnen zu faszinieren und ihnen die ganze Tragweite der Geschichte wie auch die unterschiedlichen Perspektiven der Protagonisten bewusst zu machen. Es ist kein Buch mit Tiefgang, doch die Trilogie fasziniert durch die unterschiedlichen Charaktere und Sichtweisen der Hauptdarsteller. Zusätzlich spannend ist, dass jeder Band von einer anderen Schriftstellerin geschrieben worden ist und die Geschichte doch eine Einheit darstellt.

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Freundschaft, Mädchen / ez
978-3-95882-065-4

Fr. 13.90

Rezension aus Heft 96

Smith, Andrew

Winger

Ryan Dean West, Klassenbester, hat es als zwei Jahre jüngerer Schüler nicht leicht mit seinen Mitschülern. Zudem muss er wegen eines Schulstreichs das nächste Jahr bei den Problemschülern schlafen. So scheint er schon bald in der Rolle eines extrem hormongesteuerten, pubertierenden Pechvogels zu sein, der krampfhaft versucht, Annie zu erobern, andere Freundschaften dabei aus den Augen verliert. Diese Geschichte um Jungs, die sich beweisen müssen, und um den von der Pubertät gebeutelten Protagonisten, dessen Gedanken und Handlungen nur hormongesteuert sind, wird in einer passenden und sicher witzigen Art erzählt, gekonnt ausgeschmückt mit kleinen Skizzen und Comics. Wer mit dieser Sprache klarkommt, liest eine lockere, unterhaltsame Geschichte ums Erwachsenwerden – wären da nicht die letzten dreissig Seiten, die mit voller Wucht zeigen, dass diese Jungs doch ein Problem mit Homosexualität haben. Dieses erschütternde Ende sieht man nicht kommen!

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Entwicklung, Pubertät, Liebe / chb
978-3-551-56027-8

Fr. 28.90

Rezension aus Heft 96

Smith, Dan

Shut down : Du hast nur 24 Stunden

Der 13-jährige Ash erwacht in der Krankenstation eines Labors auf einer unbekannten Insel. Verzweifelt sucht er seine Mutter und trifft dabei Isabel, die ihrerseits ihren Vater vermisst. Gemeinsam stossen sie auf ein erschütterndes Geheimnis: Ihre Eltern sind Träger eines hochgiftigen und ohne Gegenmittel tödlichen Virus und deshalb hermetisch eingeschlossen. Das Antidot und der weltgefährdende Virus' wurden von Verbrechern geklaut, die jetzt versuchen, das Diebesgut quer über die Insel zu ihrem Boot zu bringen. Es bleiben den Kindern gut 24 Stunden, um die Diebe zu überwältigen, Viren und Antidot sicherzustellen und damit Eltern und die Welt zu retten. Eine gnadenlose Jagd durch den Dschungel beginnt. Temporeich und anhaltend spannend wird der Wettlauf gegen die Zeit erzählt – für Tiefe und Emotionen bleibt etwas weniger Raum. Eine packende Lektüre für LeserInnen, die Action lieben.

b / Lesealter 13 / Vorlesealter / J Abenteuer, Thriller, Freundschaft / gm
978-3-551-52086-9

Fr. 21.90

Rezension aus Heft 96

St John, Lauren

Glory : Das längste Pferderennen der Welt

Die beiden Jugendlichen Alexandra und Will wollen beide das "Glory" (das längste Distanzreiten aller Zeiten) gewinnen. Alexandra (aus England) wurde von ihren Eltern in ein Erziehungscamp in den Rocky Mountains gesteckt. Von dort flüchtet sie auf einem gestohlenen Pferd und stürzt sich direkt in das Abenteuer des Distanzreitens. Der aus Tennessee stammende Will hat andere Gründe, am Rennen teilzunehmen. Er braucht das Preisgeld,, um seinem Vater eine lebenswichtige Operation zu finanzieren. Die Geschichte hat einige Schwächen. Diverse Menschen und Tiere verhalten sich ungewöhnlich, was sehr unglaubwürdig, teils fast lächerlich wirkt. So wird Alexandra ohne Vorwarnung mitten in der Nacht von zwei wildfremden Menschen aus dem Bett geholt und ins Camp mitgenommen – eine absolut unrealistische Massnahme nach einer ausgearteten Party. Auch häufen sich Zufälle, was der Geschichte die Spannung nimmt. Nur wer grosszügig über die zahlreichen Schwachstellen hinwegblicken kann, wird diese Pferde-Abenteuer-Liebesgeschichte mögen.

c / Lesealter 13 / Vorlesealter / J Tier Pferd, Abenteuer / CB
978-3-7725-2699-2

Fr. 26.90

Rezension aus Heft 96

Vendel, Edward van de Looman, Roy

Krebsmeisterschaft für Anfänger

Der 15-jährige Max erkrankt an Lymphknotenkrebs. Die Diagnose trifft ihn schwer, schliesslich interessiert er sich für Mädchen, erste Küsse, Fussball und seine Clique. Hals über Kopf sieht er sich mit einer Chemotherapie, Krankenhäusern und dieser grauenhaften Übelkeit konfrontiert. Mit dem Kunstgriff, die chronologische Story tagebuchartig und aus einer hautnahen Zustandsbeschreibung dieser Achterbahn an Gefühlen und Daseinszuständen zu schildern, gelingt dem Autorenduo ein betroffen machender Text. Scharfe und sensible Dialoge, nackte Ängste, schillernde Hoffnungen, zerstörerische Furcht und die stete Zuversicht und liebevolle Pflege der Angehörigen sowie die Interventionen des Ärzteteams sind frappant authentisch. Max bietet viel Identifikation an – auch, weil Zweifel und Euphorie sich stets auf einem schmalen Grat von Überleben oder Sterben bewegen. Der Jugendslang, der schnelle Sog des Plots und das gebetsmühlenartige Weitermachen sorgen für viel Spannung und Lesegenuss. Max war/ist übrigens Roy (Looman)! Grossartige Klassenlektüre für die Sekundarschule.

a / Lesealter 13 / Vorlesealter / J Krankheit Krebs, Pubertät / MK
978-3-551-58350-5

Fr. 20.90

Rezension aus Heft 96

Vinesse, Cecilia

Sieben Nächte in Tokio : Roman

Der Countdown läuft: Noch bleiben Sophia sieben Nächte, bis sie ihre besten Freunde in Tokio zurücklassen und in die USA umziehen wird. Über jedem Kapitel steht die verbleibende Zeit, die so unbarmherzig dahinzuschmelzen scheint wie ein Eis in der brütenden Hitze der Stadt. Sophia packt Kisten, feiert mit ihren Freunden und steckt dabei in einem emotionalen Ausnahmezustand. Sie weiss, dieser Teil ihres Lebens wird bald unwiederbringlich zu Ende sein. Dass sie sich in diesen letzten Tagen auch noch verliebt, macht das Ganze zusätzlich schwieriger. Man fühlt sich direkt mitten in das pulsierend-lebendige Tokio hineinversetzt. Sophias Freunde zeigen sich nicht immer von der sympathischen Seite, was den Fluss der Geschichte aber nicht stört. Die Abschiedsstimmung Sophias letzter Tage in Tokio wird sehr gut eingefangen und ihr Gefühlschaos wirkt authentisch. Das macht das Buch absolut lesenswert.

a / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Freundschaft, Heimat, Liebe / CB
978-3-423-76149-9

Fr. 19.90

Rezension aus Heft 96

Weitz, Chris

Young World : Nach dem Ende (Bd. 2)

Endlich ist das Gegenmittel gefunden! Doch Jefferson und Donna können die Menschheit nicht retten. Sie stecken in Einzelhaft. Nach endlos scheinender Zeit erlaubt man ihnen mehr Freiheiten. Wem können die Jugendlichen wirklich vertrauen? Die Ereignisse überschlagen sich plötzlich. Während Donna sich in Sicherheit befindet, muss Jefferson in New York um sein Leben kämpfen. Dieser Band startet gleich wie Band 1 (s. Heft 95, S. 35) temporeich und mit sehr viel Action. Die Handlung entwickelt sich in eine komplett neue Richtung. Sie wird um einige neue Blickwinkel und Erkenntnisse sowie politische Überlegungen ergänzt. Die schwierige Gratwanderung, den LeserInnen neue inhaltliche Aspekte aufzuzeigen und gleichzeitig die Spannung beizubehalten, ist dem Autor gut gelungen.

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Fantasy / AS
978-3-423-76137-6

Fr. 25.50

Rezension aus Heft 96

Albertalli, Becky

Nur drei Worte

Zwei Jungen schreiben sich anonyme E-Mails und tauschen sich über ihre Gefühle und ihre Homosexualität aus. Jedes zweite Kapitel enthält einen unkommentierten Ausschnitt aus dem E-Mail-Verkehr der beiden. Dazwischen erzählt Simon aus seiner Sicht von den Geschehnissen und seinen Gedanken. Die Suche nach der Identität seines Freundes sowie die Erpressungsversuche eines Mitschülers prägen seinen Alltag. Bei allen Turbulenzen stehen ihm seine Familie und seine besten Freunde bei. Der Autorin ist es gelungen, einfühlsam und nachvollziehbar die Gefühlsschwankungen der Pubertät einzufangen. Sie lässt die LeserInnen die Emotionen und die herausfordernde Zeit vor und nach dem Coming-out miterleben. Eine spannende, zeitgemässe Liebesgeschichte mit Happy End. (s. Kapitel 10, Hörbücher)

a / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Junge, Homosexualität, Pubertät, Familie, Schule / EK
978-3-551-55609-7

Fr. 24.50

Rezension aus Heft 95

Belitz, Bettina

Die Diamantkrieger-Saga : Damirs Schwur (Bd. 1)

Sarah kann Diamanten hören, darum stiehlt sie für Kratos, Fürst der Unterwelt, Diamanten. Mit dem Geld finanziert sie die Pflege ihrer Grossmutter. Alles ändert sich aber, als sie bei ihren Diebestouren von einer Gestalt verfolgt wird. Von Visionen zunehmend geschwächt, kann sie ihren Job immer schlechter ausführen. Als Kratos sie umbringen will, wird sie von Damir, dem geheimnisvollen Mann, gerettet. Soll sie sich nun den Diamantkriegern anschliessen oder diese verlassen, um sie vor der Rache Kratos zu schützen? Das spannende Buch erzählt von einer pubertierenden, aufmüpfigen und eigenwilligen Heldin. Diese verfügt im Grund ihres Herzens über viele Tugenden und hat Mitleid mit Menschen, denen es schlecht geht. Die Rolle der Diamantenkrieger bleibt noch unklar. Doch die Neugier ist geweckt und LeserInnen sind gespannt auf die Fortsetzung.

a / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Fantasy / ez
978-3-570-16417-4

Fr. 24.50

Rezension aus Heft 95

Blazon, Nina

Feuerrot

Ravensburg, 1484: Die junge Madda arbeitet als Dienstmagd bei der reichen Patrizierfamilie Humpis. Nach verheerenden Hagelstürmen droht eine Missernte, die vor allem die armen und immer mehr abergläubischen Leute hart trifft. Dies macht sich der Inquisitor Kramer zunutze. Er schürt mit seinen Predigten Hass und Misstrauen. Anschaulich wird die Zeit der Inquisition geschildert. Die Hexenverfolgungen treffen unschuldige Frauen, die im Gefängnis gefoltert und auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden. Im Anhang finden die LeserInnen ein erläuterndes Nachwort und ein Glossar mit Worterklärungen. Die Geschichte kombiniert wahre Begebenheiten um Personen, die wirklich existiert haben, mit fiktiven Figuren. So ist ein fesselnder, gut recherchierter Roman entstanden, der durch seine Anschaulichkeit besticht.

a / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Historisches Mittelalter, Hexe / AS
978-3-473-40133-8

Fr. 24.90

Rezension aus Heft 95

Boecker, Virginia

Witch Hunter : Roman

In Anglia ist Magie strengstens verboten. Blackwell hütet darüber und verfolgt Hexen unbarmherzig. Elizabeth ist eigentlich eine Hexenjägerin, doch da wird sie der Hexerei angeklagt und landet im Kerker. Der meistgesuchte Zauberer Nicholas rettet sie. Er braucht sie, damit sie ihn von einem Fluch befreit. Elizabeth merkt mit der Zeit, dass sich Blackwell selber der Magie bedient und ihre Welt auf Lügen aufgebaut ist. Es gelingt ihr, den Fluch von Nicholas zu nehmen. Blackwell kommt an die Macht und plötzlich ist Magie wieder erlaubt. Ein spannendes Buch, das die LeserInnen (vor allem zu Beginn) völlig in den Bann zieht. Zentrales Thema ist Macht versus Menschlichkeit und Ehre. Als LeserIn zu verfolgen, wie Elizabeth sich allmählich von alten Werten löst und sich in eine ethisch-handelnde Person verwandelt, ist beeindruckend.

a / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Fantasy, Hexe / ez
978-3-423-76135-2

Fr. 24.50

Rezension aus Heft 95

Bondoux, Anne-Laure

Von Schatten und Licht

Die preisgekrönte Autorin schreibt hier ein modernes Märchen-Mashup voller Symbolik, mit Reminiszenzen an die Arbeiterliteratur. Es ist eine Hommage an fatal-romantische Beziehungen: Hama und Bo arbeiten in einer Waffenfabrik, ihre Begegnung ist die grosse Liebe. Obwohl sie sich nicht oft sehen (Schichtarbeit), erleben sie inmitten der industriellen Monotonie unbeschwertes Glück. Bei einem Unfall verliert die schwangere Hama ihre Hände und ein gigantisches Feuer vernichtet ihre Heimat. Dies zwingt sie zur abenteuerlichen Flucht. Seltsame Begegnungen und steinige Hindernisse in einem mythischen Wald verleihen der düsteren Lektüre Spannung. Im zweiten Teil der Dystopie trifft deren erwachsene Tochter Tsell auf eine Kommune, die eine vertikal angelegte Tunnelwelt besiedelt. Statt Namen tragen die Menschen Nummern und Funktionen, die viele Berufsfelder in einem Mikrokosmos abbilden. Die teils bizarren Landschaften und Seelenzustände bieten Poesie und identifikatorische Erkenntnisse für gefühlsstarke Jugendliche.

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Märchen, Familie, Liebe / MK
978-3-551-55667-7

Fr. 25.90

Rezension aus Heft 95

Brandis, Katja

Freestyler : Roman

Das Buch spielt in naher Zukunft (2030). Die Weltklasse-Sprinterin Jola träumt von einer olympischen Medaille. Ihr Trainer motiviert sie, ihren Körper optimieren zu lassen, d.h. sich ein paar zusätzliche Muskeln einbauen zu lassen, um so in der neuen Kategorie der Freestyler (Behinderte, die ihr Handicap mit Prothesen u.Ä. eliminieren) mehr Chancen zu haben. Jola muss sich entscheiden, obwohl sie die Langzeitrisiken nicht kennt. Neben diesen ethischen Fragen, die kontrovers behandelt werden, muss Jola auch zwischen zwei Männern wählen. Sie liebt gleichzeitig ihren Trainer und auch einen Sportler, der beide Beine verloren hat. Obwohl er mit Carbonfedern bei den Freestylern kämpft, ist er kategorisch gegen Jolas Operation. Das Buch fesselt Jugendliche beiderlei Geschlechts, die nicht nur auf Liebesgeschichten stehen, sondern sich auch mit aktuellen Themen auseinandersetzen, denn der heutige Schönheitswahn mit den vielen kosmetischen Eingriffen gehört wohl auch in die Kategorie "Optimierung".

a / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Gesellschaftskritik, Science-Fiction / bie
978-3-407-82101-0

Fr. 21.90

Rezension aus Heft 95

Cavallaro, Brittany

Holmes & ich : Die Morde von Sherringford (Bd. 1)

Jamie Watson und Charlotte Holmes sind Nachkommen berühmter Detektive. Als ein Mitschüler ermordet wird, geraten sie unter Verdacht, denn der Mord ist nach einem berühmten Fall von Holmes inszeniert. Noch mehr berühmte Fälle der beiden Detektive werden inszeniert. Holmes versucht herauszufinden, wer ihr und Watson Böses will, doch alle Spuren verlaufen im Sand. Schlussendlich gelingt es Holmes, die Morde aufzuklären. Das spezielle Buch rollt die Geschichte beider Familien auf. Charlotte Holmes wird als geniale Nachfahrin geschildert, die aus einer etwas verschrobenen, aber mächtigen Familie stammt. Watson hingegen erinnert eher an einen normalen Jugendlichen, der mit der Trennung seiner Eltern beschäftigt ist. Das Buch zieht die LeserInnen immer wieder in Bann, auch wenn vieles etwas konstruiert und unwahrscheinlich wirkt. Trotzdem lesenswert.

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Krimi / ez
978-3-423-76136-9

Fr. 21.90

Rezension aus Heft 95

Cousins, Dave

Warten auf Gonzo

Marcus muss gegen seinen Willen mit seiner Familie aufs Land ziehen. Von Anfang an geht alles schief: Der Start in der Schule misslingt, die Mutter ist wegen ihrer geplanten Ausstellung gestresst, der Vater mit der Hausrenovation überfordert, seine verzweifelte Schwester ist ungewollt schwanger! So ist Marcus auf sich alleine gestellt. Das Buch ist wie ein Brief gestaltet, den Marcus an das ungeborene Kind richtet, das er Gonzo nennt. Ihm kann er all seine Sorgen erzählen, von der verzweifelten Suche nach Freunden und von den vielen Fettnäpfchen, in die er dauernd tritt. Nebst wirklich ernsten Themen, die der Roman einfühlsam aufgreift, kann man aber auch immer wieder herzlich lachen, denn viele Dialoge sind sehr witzig geführt. Ein tolles Buch für Jungs.

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Familienkonflikt / bie
978-3-7725-2779-1

Fr. 26.90

Rezension aus Heft 95

Crossan, Sarah

Eins

Die beiden 16-jährigen Grace und Tippi sind siamesische Zwillinge und an der Hüfte zusammengewachsen. Erstmalig sollen sie nun auf eine Privatschule gehen. Das Verlassen ihres bisherigen geschützten Rahmens, das Finden neuer Freunde (und einer ersten, zaghaften Liebe) und die nicht ausbleibenden familiären Konflikte (auch in finanzieller Hinsicht) werden mit einer kompromisslosen Eindringlichkeit erzählt, die unter die Haut geht. Als Grace herzkrank und die Frage nach einer Trennung akut wird, steigert sich die Gewissensnot ins Unermessliche. – Direkt und unverblümt werden wir mit dieser ungewöhnlichen Thematik konfrontiert. Bravourös wird die Gefahr des voyeuristischen Erzählens umgangen. Im Gegenteil: Die aussergewöhnliche Form des in gebundener Sprache erzählten Versromans schafft es in seiner Reduktion beispielhaft, die Befindlichkeit der Protagonistinnen in all ihren Facetten wie Schlaglichter aufleuchten zu lassen, bis sie sich zu einem berührenden Ganzen zusammenfügen. (Unterrichtsmaterial auf www.mixtvision-verlag.de)

a / Lesealter 16 / Vorlesealter / J Krankheit Siamesische Zwillinge, Aussenseiter, Familienkonflikt, Problem / LK
978-3-95854-057-6

Fr. 23.50

Rezension aus Heft 95

Curtis, Marci Lyn

Alles, was ich sehe

Nach einer Hirnhautentzündung ist Maggie blind. Diesen Schicksalsschlag zu akzeptieren, fällt dem schon immer aufmüpfigen Mädchen schwer, sie wird sarkastisch und reagiert mit Rückzug und Verweigerung. Das ändert sich schlagartig, nachdem sie den 10-jährigen Ben kennenlernt und ihn (aber nur ihn) nach einem Sturz sehen kann. Mit seiner knallhart-realistisch erfrischenden Art reisst er sie aus ihrem Selbstmitleid und ihrer verweigernden Haltung. Maggie schliesst man im Gegensatz zum liebenswerten, intelligenten Ben nicht einfach ins Herz. Mit ihrer jugendlich saloppen Sprache charakterisiert die Autorin das Mädchen recht gut, lässt sie in einem fürsorglichen Umfeld anecken und mit Bens aufrüttelnden Fragen sich auch entwickeln. Natürlich ist auch eine Liebesgeschichte (Maggie himmelt Bens Bruder, Sänger einer famosen Band, an) eingewoben und das nicht in allen Belangen ganz überzeugende Buch endet zugleich traurig und schön.

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Krankheit, Entwicklung, Liebe / chb
978-3-551-56022-3

Fr. 27.50

Rezension aus Heft 95

De Leeuw, Jan

Eisvogelsommer

Es ist dem Autor gelungen, den schwermütigen Inhalt in viel Poesie einzupacken. Die bildhaften Beschreibungen geben sowohl der Leichtigkeit als auch der Schwere des Geschehens genügend Raum. Protagonist Thomas ist als Jugendlicher bei einem Unfall gestorben. Er scheint die ihm nahestehenden Menschen während der Trauerzeit zu begleiten und berichtet aus seiner Sicht in scheinbar willkürlicher Reihenfolge von Erlebnissen vor seinem Tod sowie den Geschehnissen danach. Dennoch verbinden sich die unterschiedlichen Lebensgeschichten in einer tröstenden Erzählung. Die sachliche, wertfreie und detaillierte Sprache macht Zusammenhänge sichtbar und lässt Verständnis wachsen. Ein wunderbares Buch über schwierige Themen.

a / Lesealter 16 / Vorlesealter / J Tod, Familienkonflikt, Freundschaft, Generationen, Pubertät / EK
978-3-8369-5841-7

Fr. 21.90

Rezension aus Heft 95

Denis, Elisabeth

Secrets : Wem Marie vertraute (Bd. 2)

In diesem Band erzählt Marie, wie sie sich in ihren Cousin verliebt, dies aber niemandem erzählt. Marie findet heraus, dass ihr vermeintlicher Cousin Tom eigentlich ihr Halbbruder ist. Endlich wird ihr auch klar, warum ihre Mutter sich mit der Schwester überworfen hat: Ihr Vater hatte ein Verhältnis mit der Schwester. An der Abschlussparty lässt sich Marie von Kassy provozieren. Es scheint, dass sich Marie in der Folge freiwillig vom Felsen stürzt. Diese Vermutung wird nun mit dieser Geschichte erhärtet. Die beschriebenen Vorkommnisse werden hier aus einer anderen Perspektive erzählt und das ergibt eine neue Sichtweise auf die selben Begebenheiten. Das Buch erzählt sehr eindrücklich davon, wie Geheimnisse Familien zerstören können, und beschreibt grosse Gefühle. Spannend und berührend. (s. Kapitel 4.1, Oberstufe – Pusch, Daniela)

a / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Freundschaft, Mädchen / ez
978-3-95882-063-0

Fr. 13.90

Rezension aus Heft 95

Feige, Marcel

Gewaltloser Rebell : Die Lebensgeschichte des Mahatma Gandhi

Eigentlich war er kein Held, doch Gandhi wurde zur Stilikone für den gewaltlosen Widerstand, wenn man den gewissenhaft recherchierten aber natürlich ausschweifenden Schilderungen des Biografen glaubt. In seinem Privatleben scheint der sanft lächelnde Mahatma viel eher ein verbohrter Egomane gewesen zu sein, der seiner eigenen Frau wie auch seinen Kindern seine Ideologien direktiv verordnete. Für den Autor scheint eine gewisse Ichbezogenheit nötig zu sein, um solch einen radikalen Weg gehen zu können. Das Aufreihen der präzise und ausführlich beschriebenen, komplexen Lebensstationen Gandhis führen zeitweise zu einer etwas langatmigen Lektüre, die viel Ausdauer und eine gewisse Begeisterung für dessen Ideologien voraussetzt.

c / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Biografisches Mahatma Gandhi / moz
978-3-407-81212-4

Fr. 21.90

Rezension aus Heft 95

Frank, Astrid

Unsichtbare Wunden

Mit kleinen Sticheleien und Teenagerknatsch fängt es an, bald werden die fiesen Belästigungen gegenüber der 13-jährigen Anna so gross, dass sie am liebsten sterben würde. Den einzigen Trost findet sie bei ihrem Pferd. Alle sehen zu, wie Annas Lebensfreude und Selbstwertgefühl zerbrechen. Niemand will etwas merken oder hat den Mut, Anna zu helfen. Die höchst feinfühlige Geschichte zeigt auf eindrückliche Weise, wie Mobbing entsteht. Alle Rollen in diesem bösen Spiel werden treffend dargestellt: Opfer, Täter, Mitläufer, Wegschauer, die Lehrer eingeschlossen. Vaters Bemühungen, die Schuldigen nach dem tödlichen Reitunfall seiner Tochter zu finden, lesen sich wie ein Thriller. Tagebucheinträge und die Erzählung vom Drama, das sich nach Annas Tod abspielt, wechseln sich ab: bis zur letzten Seite mitreissend, bewegend und sehr realitätsnah erzählt.

a / Lesealter 13 / Vorlesealter / J Freundschaft, Aussenseiter / CW
978-3-8251-7966-3

Fr. 21.90

Rezension aus Heft 95

Gricksch, Gernot

Ghetto Bitch : Roman

Nele und Timo wachsen in einem reichen Viertel auf und besuchen eine teure Privatschule. Als der Vater bei einem Unfall stirbt und nur Schulden hinterlässt, ist die Familie geschockt – der rasante soziale Abstieg schmerzt fast noch mehr als der Verlust des Vaters. Die Familie verbreitet das Gerücht, dass sie nach NY zieht, um den Umzug ins Sozialempfängerhochhaus im "Asi-Viertel" nicht bekannt geben zu müssen. Während sich Nele langsam in der "Proletenschule" eingewöhnt, verstrickt sich Timo in die kriminellen Machenschaften einer Gang. Natürlich wird die Familie schliesslich auch von ihren Ex-Nachbarn entdeckt. Die Lage spitzt sich schnell zu, die Spannung ist fast nicht auszuhalten: Ein Totalabsturz scheint das einzig mögliche Ende. Neles Zerrissenheit und ihre Gefühle für die alten und neuen Freunde werden sehr glaubwürdig geschildert. Die Frage nach dem Platz, wo man hingehört, wird hier spannend und breit behandelt.

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Familienkonflikt, Soziales / bie
978-3-7915-0006-5

Fr. 20.90

Rezension aus Heft 95

Hitchcock, Bonnie-Sue

Der Geruch von Häusern anderer Leute

Alaska in den 1970er-Jahren: Wir erfahren von Ruth, Dora, Alyce und Hank, die kapitelweise abwechselnd von sich erzählen, dass es nicht einfach ist, hier Jugendlicher zu sein. Ruth erwartet ein Baby, Dora wird vom Vater missbraucht, Alyce ist hin- und hergerissen zwischen eigenem Traum und den Wünschen ihrer Eltern, Hank flieht vor einem gewalttätigen Vater. Die Geschichten dieser Figuren erzählt die Autorin in grandioser Art und Weise, vor dem Hintergrund einer eher unwirtlichen Landschaft. Sie gestaltet vorerst vier Erzählstränge und verwebt sie am Schluss gekonnt zu einem dichten Ende. Sie schreibt scharfsinnig, präzis, aber auch blumig und emotional, sodass Stimmungen und Gerüche wahrnehmbar werden und viele Bilder vor unseren Augen auftauchen. Ein bemerkenswertes Buch, ein wunderschönes Cover: Die Geschichte hallt lange nach.

a / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Entwicklung, Familie, Amerika Alaska / chb
978-3-551-56021-6

Fr. 25.90

Rezension aus Heft 95

Jordan, Sophie

Infernale

Ist menschliches Verhalten angeboren oder macht uns die Umwelt zu dem, was wir sind? Diese Frage ist das Thema dieses Buches, des ersten von zwei Bänden. Im Jahr 2021 werden alle Menschen auf das bei Mördern nachgewiesene HTS-Gen getestet. Als es auch bei der 17-jährigen Davy gefunden wird, verändert sich ihr Leben grundlegend: Ihre Freunde meiden sie, die Beziehung zu ihrem Freund zerbricht, ihre Eltern sind überfordert. Die hochbegabte Davy muss die Schule wechseln. Unter ständiger Beobachtung wird sie zusammen mit anderen HTS-Trägern unterrichtet. Eindrücklich und ausführlich geht es anfangs vor allem um Davys Identitätsverlust nach der Diagnose. Danach lernt sie sich in ihrem recht aggressiven Umfeld zu behaupten. Das Buch endet mit Davys Flucht. Die packende Grundidee wird mitreissend umgesetzt. Neben Spannung und Action auch Stoff zum Nachdenken!

a / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Aussenseiter, Fantasy / CB
978-3-7855-8167-4

Fr. 24.90

Rezension aus Heft 95

Kirchner, Angela

Über den Dächern wir zwei

Seit drei Jahren spricht Mina nicht mehr mit Theo. Sie hat ihn aus ihrem Leben verbannt. Als sein Bruder Mike einen Unfall hat (es scheinen Drogen im Spiel zu sein), nähern sie sich wieder an. Dabei entdeckt Mina, wie viele Probleme in Theos Familie nicht angesprochen werden. Das Buch, z.T. in eigenwilliger, bildlicher Sprache verfasst, ist eigentlich eine Liebesgeschichte und beginnt mit viel Unausgesprochenem, Rätselhaftem. Nach und nach schält sich der Gegensatz der beiden Familien immer mehr heraus: Minas Familie strahlt Wärme, Fürsorglichkeit und Anteilnahme aus. Theos Familie scheint zwar Geld zu haben, doch ist eine emotionale Kälte spürbar. Gleichzeitig verbirgt sich eine Suchtthematik. Das Buch endet offen, aber hoffnungsvoll. Die LeserInnen bleiben mit dem Gefühl zurück, dass es mindestens für Mina und Theo eine Zukunft geben kann.

b / Lesealter 13 / Vorlesealter / J Freundschaft, Familienkonflikt / ez
978-3-95882-118-7

Fr. 13.90

Rezension aus Heft 95

Klippel, Christian

Verdammt schönes Leben

Das durchgeknallte Roadmovie versprüht dank Perspektive und provinziellem Kolorit viel Italianità: Entnervt setzt sich Laura aus ihrem Leben ab, gelangt per Autostopp nach Italien und gerät in einen Strudel von Ereignissen rings um eine himmelblaue Vespa. Episodisch und flott erzählt, fiebern wir den Abenteuern von drei Jugendlichen entlang. Der uralte Roller gehört zwei zwielichtigen Typen, Guido und Walter. Die drei lassen sich (schwer verliebt!) durch den Tag treiben, baden im Meer, schlafen unter freiem Himmel, werden verfolgt von einem brutalen Carabiniere, beschaffen sich kleinkriminell Geld und Drogen. Was echt ist, was fantasiert wird oder in die wilden Träume des Unterbewusstseins nach Lauras lebensbedrohlichem Unfall gehört, bleibt öfters unklar, schmälert jedoch die teils skurrile Handlung nie. Der Text entfaltet einen ganz eigenen romantischen Sog, der die harte Realität hoffnungsloser Jugendlicher zwischen Gewalt und Prostitution aufs Klügste zu karikieren vermag.

a / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Liebe, Roadmovie / MK
978-3-522-20222-0

Fr. 21.90

Rezension aus Heft 95

Kreslehner, Gabi

PaulaPaulTom ans Meer

Die 15-jährige Paula hat einen älteren, autistischen Bruder. Paul wohnt in einem 200 Kilometer weit entfernten Heim. Damit er beim Familienfest dabei sein kann, muss Paula ihn dort alleine abholen. Diese Zugreise erweist sich als Glücksfall, denn im Zug lernt sie Tom kennen. Sie verlieben sich und fahren statt nach Hause zu dritt gemeinsam ans Meer. In dieser turbulenten Geschichte geht es um die Kindheit, aber mehr noch um das Erwachsenwerden, um Vertrauen und Liebe. Die Autorin hat eine ganz eigene, charakteristische Erzählweise. Bei Paul wirkt dieser spielerische Umgang mit der Sprache toll, denn er liebt und erfindet Wörter und setzt sie wie Puzzleteile zusammen. Ob Jugendliche etwas mit dieser virtuosen Sprache anfangen können, bleibt dahingestellt. Dieser Entwicklungsroman trifft die Gefühle der Teenager jedoch gut.

b / Lesealter 14 / Vorlesealter 13 / J Liebe, Familie, Entwicklung / AS
978-3-7022-3521-5

Fr. 20.90

Rezension aus Heft 95

Kuhn, Krystyna

Monday Club : Der zweite Verrat (Bd. 2)

Faye ist seit dem Tod ihrer Freundin Amy nicht mehr das angepasste, naive Mädchen. Es sind zu viele rätselhafte Dinge geschehen. Alle Erwachsenen scheinen sie ihr Leben lang belogen zu haben und sind in die Geschichte verstrickt. Faye will die Wahrheit herausfinden. In Luke findet sie einen kritischen Verbündeten und gemeinsam mit ihren Freunden versucht sie, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Am Ende dieses Bandes erkennt sie ihre Gabe. Sie kann zwischen Totenreich und realer Welt hin- und herwechseln. Das Buch beginnt mit einer kurzen Zusammenfassung des 1. Bandes: Sinn und Zweck des Monday Clubs werden fragmentarisch dargestellt. (s. Heft 94, S. 45) Die Fortsetzung hat wenig Tiefgang, auch wenn Faye auf der Suche nach Selbständigkeit ist. Trotzdem ist sie spannend, z.T. mysteriös und unwahrscheinlich, ohne fiktiv zu sein. Das angedeutete, sehr überraschende Ende macht somit neugierig auf den 3. Band.

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Krankheit, Wissenschaft, Tod / ez
978-3-7891-4062-4

Fr. 23.50

Rezension aus Heft 95

LaBan, Elizabeth

So wüst und schön sah ich noch keinen Tag

Der 17-jährige Collegeabsolvent Duncan findet von seinem Jahrgangsvorgänger Tim dessen selbst besprochene CDs, auf denen Letzterer seine tragisch endende Schulzeit festgehalten hat. Als Albino ausgegrenzt, hat er sich nicht getraut, zu seinen Gefühlen für die allseits umworbene Vanessa zu stehen. Erzähltechnisch interessant ist die Tatsache, dass die Engführung hin zur Tragödie sowohl aus Tims Ich- als auch aus Duncans Er-Perspektive erzählt wird. Verbindendes Element hierbei ist die von allen zu schreibende Jahresarbeit zum Thema "Tragödie in der Literatur" (zahlreiche Shakespeare-Zitate!). Dennoch beschleicht einen bei fortlaufender Lektüre das Gefühl des "Zu-viel-des-Guten": Die Parallelführung des Plots und die Korrespondenz mit dem Tragödienaufsatz wirken zwar wie am Reissbrett entworfen, fügen sich aber dennoch zu einem Ganzen. So ist ein durchaus süffig zu lesendes Debüt entstanden.

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Aussenseiter, Liebe, Freundschaft, Krankheit Albinismus / LK
978-3-446-25082-6

Fr. 21.90

Rezension aus Heft 95

Littman, Sarah Darer

Die Welt wär besser ohne dich

Lara kann es kaum glauben, als ihr der umwerfend gut aussehende Christian auf Facebook eine Freundschaftsanfrage sendet. Beim Chatten mit Christian verliebt sie sich in ihn und schwebt auf Wolke sieben. Er scheint ihre Gefühle zu erwidern. Doch dann bricht er den Kontakt mit ihr unvermittelt ab und postet gemeine Kommentare auf ihrer Pinnwand. Als weitere fiese Kommentare von "Freunden" folgen, will Lara ihrem Leben ein Ende setzen. Sie ahnt nicht, dass Christian nur eine Erfindung ihrer ehemals besten Freundin Bree ist, die ihr eins auswischen will. Die Geschichte zeigt auf, welche Kreise Cybermobbing und Selbstjustiz ziehen können. Abwechselnd erzählt aus der Sicht der Täterin, des Opfers und der Geschwister der beiden wirkt die Geschichte sehr glaubwürdig. Einziger Minuspunkt ist die Rolle von Brees Mutter, die sich selbst am Mobbing beteiligt, was den Bogen etwas überspannt.

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Problem, Soziales, Familie / CB
978-3-473-40135-2

Fr. 22.50

Rezension aus Heft 95

Luu, Que Du

Im Jahr des Affen

Jeden Tag von früh bis spät arbeitet der Vater in seinem recht und schlecht gehenden China-Restaurant. Minh Thi (genannt Mini) hilft manchmal dort aus und will nach dem Herzinfarkt des Vaters den Koch und Kellner unterstützen. Ausgerechnet jetzt taucht der chinesische Onkel auf und mischt sich ein. Sein Verhalten und seine Ansichten scheinen ihr fremd und doch erfährt sie von ihm von der Flucht der Familie aus Vietnam. So wird sie gezwungen, sich den vielen Fragen um Herkunft, Identität und Heimat zu stellen. Die Autorin kennt die Situation aus eigener Erfahrung nur zu gut. Sie lässt Mini unaufgeregt aus ihrer Sicht erzählen. Zusätzlich durch eine erste Liebe herausgefordert spürt das Mädchen Stimmungen und Gefühlen nach, lässt ihren Gedanken freien Lauf und sucht nach der Antwort, wo sie im Widerstreit zweier so fremder Kulturen steht. Ein feines, nachdenkliches Buch!

a / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Entwicklung, Flüchtling / chb
978-3-551-56019-3

Fr. 24.50

Rezension aus Heft 95

Mulligan, Andy

Liquidator

Der neue Thriller des preisgekrönten, risikofreudigen Autors von «Trash» liegt in einer schrill-dominanten Message vor: LIQUIDATOR heisst der brandneue, beliebte Energydrink für Sieger, er schmeckt nicht nur fantastisch und alle trinken ihn – er macht praktisch süchtig. Als auffliegt, dass der Getränkekonzern die Zutaten an armen Kindern in Afrika getestet hat, läuft in der Jugendgruppe einiges aus dem Ruder. Denn es wird plötzlich publik, dass eines davon gerade an den Folgen stirbt. Vicky, Katkat und Ben stossen bei ihrem Schulpraktikum zufällig auf diese furchtbare Wahrheit und geraten unmittelbar in gefährliche Konfrontation mit jenem Konzern, der wild entschlossen ist, sie aus dem Weg zu schaffen. Schonungslos offen und sozialkritisch die Gefahren der skrupellosen Industriemafia auslotend, nimmt der Autor kein Blatt vor den Mund und beherrscht parallel den aktuellen Jugendslang, der den Text höchst authentisch wirken lässt.

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Thriller, Soziales, Problem / ES
978-3-499-21724-1

Fr. 23.50

Rezension aus Heft 95

Olshan, Ruth

All die schönen Dinge

Die 16-jährige Tammie hat ein sehr sonderbares Hobby. Sie verbringt ihre Freizeit auf dem Friedhof. Dort studiert sie Grabsteine und liest deren Inschriften. Wir erfahren, dass Tammie an einem gefährlichen Aneurysma im Kopf erkrankt ist. Diese Zeitbombe kann jederzeit explodieren. Dadurch verstehen wir die seltsame Freizeitbeschäftigung des jungen Mädchens besser. Und genau auf dem Friedhof verliebt sich Tammie zum ersten Mal. Hoffnungsvoll beginnt sie zaghaft an das Leben zu glauben, obwohl ihr unbeschwerte Gedanken an eine glückliche Zukunft verwehrt bleiben. Sie beschliesst, die Angst fortzujagen. Wie sich die Liebesgeschichte, aber auch die Krankheit entwickeln, erfahren wir nicht. Trotz der belastenden Thematik wirkt das Buch nicht sentimental. Es beeindruckt, wie tiefgründig, sensibel und dennoch humorvoll das Thema Tod behandelt wird.

a / Lesealter 13 / Vorlesealter / J Krankheit Aneurysma, Liebe, Tod / GF
978-3-7891-0371-1

Fr. 20.90

Rezension aus Heft 95

Petersen, Martin

Exit Sugartown

Auf eindrückliche, auch für Erwachsene tiefgehende Weise erzählt die 17-jährige Dawn von ihrem Schicksal als Migrantin. Aus finanzieller Not und weil sie keine Zukunftsperspektive hat, flieht sie aus ihrem Heimatland. Detailliert und glaubwürdig beschreibt die Geschichte, was das Mädchen auf der Flucht erlebt, wie sie im "Weissen Land“ ankommt und für ein gutes Leben kämpft. Das Wichtigste ist ihr stets, Geld für ihren kleinen Bruder ins Heimatland zu schicken, damit dieser eine bessere Zukunft erhält. In ihrer Not lässt sie sich mit einer Gangsterbande ein und wird von ihr nicht mehr freigelassen. Sie muss aufs Schlimmste spüren, wie schutzlos und ausgeliefert sie ist. Bis zur letzten Seite höchst dramatisch und mitreissend geschrieben: Das aktuelle Thema von Schlepperbanden, Rechtlosigkeit und gnadenloser Ausnutzung berührt und macht betroffen.

a / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Flüchtling, Schicksal / CW
978-3-7915-0007-2

Fr. 20.90

Rezension aus Heft 95

Pusch, Daniela

Secrets : Wen Emma hasste (Bd. 1)

Eigentlich sind Kassy, Marie und Emma Freundinnen. Marie und Emma kennen sich von klein auf. Als Kassy später dazukommt, fühlt sich Emma an den Rand gedrängt. Sie rächt sich, indem sie Kassy auf Facebook blossstellt. Kurze Zeit später stürzt Marie bei ihrer Abschlusspartie über die Klippen. Was ist passiert? Bei der Trauerfeier erzählt Emma die Wahrheit über sich und die Party, die zum Tod von Marie geführt hat. Nun steht Mord im Raum. Es ist eine faszinierende Geschichte über drei Freundinnen, erzählt aus Emmas Perspektive. Ihre Erleichterung, als sie endlich alle angesammelten Geheimnisse aussprechen kann, ist deutlich zu spüren. Themen wie Mobbing, Umgang mit den neuen Medien, Rache, Eifersucht und Verliebtsein werden offen angesprochen und sind Grund der Auseinandersetzungen dieser Teenager. (s. Kapitel 4.1, Oberstufe – Denis, Elisabeth)

a / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Freundschaft, Mädchen / ez
978-3-95882-061-6

Fr. 13.90

Rezension aus Heft 95

Rademacher, Nana

Wir waren hier

2039: Auch wenn es sich im völlig zerstörten Berlin nicht lohnt, versucht Anna mit ihren Freunden zu überleben. Denn da ist Ben, ihre grosse Liebe. In einer Stadt, in der es kaum zu essen, selten Strom und Wasser und noch viel seltener gute Menschen gibt, werden die beiden ein Paar. Sie sind ständig auf der Flucht vor Soldaten, ständig in Angst, entdeckt zu werden. Dann gelingt ein lang geplanter Aufstand. Scheint doch eine Zukunft möglich? Das Buch wirft unbequeme Fragen auf. Die beklemmende Stimmung und die Angst sind beim Lesen omnipräsent. Die Protagonistin nimmt uns mit in ein Leben voller Zweifel und Angst. Sie stellt uns die Frage, ob man selber aufgrund von Hunger und Angst zum Mörder würde. Das Buch, das ohne grosse Action-Szenen auskommt, überzeugt mit einer klaren Sprache und bildhaften Schilderungen. Die beklemmende Stimmung wirkt lange nach.

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Gesellschaft, Krieg / Ki
978-3-473-40139-0

Fr. 22.50

Rezension aus Heft 95

Rodtnes, Nicole Boyle

Wie das Licht von einem erloschenen Stern

Auf einer Party stürzt Vega in einen halbgefüllten Pool und schlägt mit dem Kopf auf. Seither kann sie nicht mehr sprechen, lesen und schreiben, während ihre Gedanken aber einwandfrei funktionieren. Die Kommunikation mit anderen ist fast unmöglich. Ihre besten Freunde sind oft ratlos und Vega zieht sich immer mehr zurück. Vegas Gefangensein in der Aphasie und die damit verbundene Einsamkeit werden sehr einfühlsam beschrieben. Jedes Kapitel beginnt mit einem kurzen, kursiv gedruckten Rückblick. Zusammen mit Vega, deren Erinnerungen langsam zurückkommen, erfährt man so nach und nach, was wirklich passiert ist. Der Verdacht, dass Vegas Sturz kein Unfall war, erhärtet sich immer mehr und sorgt für Spannung. Zusätzlich wird, nachdem Vega in einer Selbsthilfegruppe den ebenfalls von Aphasie betroffenen Theo trifft, auch das Genre der Liebesgeschichte bedient.

a / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Krankheit Aphasie, Liebe / CB
978-3-407-82104-1

Fr. 21.30

Rezension aus Heft 95

Savit, Gavriel

Anna und der Schwalbenmann

Zahlreiche Publikationen haben seit Kriegsende die Schreckensherrschaft der Nazis für den Jugendbuchmarkt aufgearbeitet – nicht selten mit einem Kind als Identifikationsfigur. Umso erstaunlicher, dass dieses Debüt des jungen (!) Autors nochmals zu überraschen vermag und sich an Eindringlichkeit kaum überbieten lässt. Zum einen liegt es an der metaphorischen Sprache, die den fliessenden Übergang zwischen Realität und magisch-poetischen Einsprengseln bestens abstützt. Zum anderen bleibt – ganz folgerichtig – am Ende manches vage, als Andeutung weiterhin bestehen und entzieht sich der Eindeutigkeit. Das tut der Geschichte aber keinen Abbruch – im Gegenteil. Auch die Abgeklärtheit und kognitive Reife der 7-jährigen Protagonistin vermögen nur am Anfang zu irritieren. Löst man sich von der Vorstellung eines "Tatsachenberichts", erfolgt die Lesart auf einer anderen, gleichnishafteren Ebene. (s. Kapitel 10, Hörbücher)

a / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Nationalsozialismus, Schicksal, Flüchtling, Krieg / LK
978-3-570-16404-4

Fr. 22.90

Rezension aus Heft 95

Schnellbächer, Wolfgang Öneren, Nur

Unser wildes Blut

Alexander liebt Aysel. Das darf nicht sein. Alexander ist Christ und Aysel stammt aus einer strenggläubigen muslimischen Familie. Aysel wird von ihrem Zwillingsbruder Ilhan ständig überwacht. Ilhan selber geniesst alle Freiheiten der westlichen Welt (Alkohol, Mädchen). Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht von Alexander und Ilhan erzählt. Von Aysel direkt erfährt man leider nur wenig. Gerne hätte ich ihre Gedanken über die geplante Zwangsheirat gekannt. Einerseits wirkt die junge Frau sehr angepasst, andererseits ist sie zur Flucht mit Alexander bereit. Das tiefgründige Buch spricht ehrlich und direkt verschiedenste Themen wie Gesellschaft, Religion, Politik, Doppelmoral ... an. Die Sprache ist im Gegensatz zur harten Wirklichkeit meistens äusserst poetisch.

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Religiöses, Frau und Gesellschaft, Ausländer / GF
978-3-570-16383-2

Fr. 20.50

Rezension aus Heft 95

Schreiber, Claudia

Solo für Clara

Mit dem Ziel, Konzertpianistin zu werden, übt Clara stundenlang am Klavier. Anfangs versuchen ihre Eltern, sie zu bremsen. Als sie merken, dass es Clara wirklich ernst ist, unterstützen sie ihre Tochter auf bewundernswerte Weise, was ihnen einige Opfer abverlangt. Clara ist einerseits hochbegabt und verfügt auch über einen eisernen Willen. Manchmal wirkt sie fast besessen. Das Buch beschreibt Claras Kinder- und Jugendjahre und zeigt eine Welt, in die man sonst nur wenig Einblick hat. Clara braucht das Klavierspiel wie die Luft zum Atmen, aber sie leidet auch unter dem Konkurrenzkampf, den strengen Lehrern und der Einsamkeit. Man kann sich gut in Clara hineinfühlen und mag das in der Ich-Perspektive geschriebene Buch gar nicht mehr weglegen. Die Musikstücke, die Clara spielt, können mittels QR-Code auf Youtube angehört werden. Eine tolle Idee, um noch besser in Claras Welt einzutauchen.

a / Lesealter 13 / Vorlesealter / J Aussenseiter, Musik / CB
978-3-446-25090-1

Fr. 21.90

Rezension aus Heft 95

Sieben, Michael

Ponderosa

In einer Hütte (sie nennen sie Ponderosa) treffen sich Kris und seine Freunde – da wird geraucht, diskutiert und getrunken. Mit dabei ist auch Josie, die berichtet, dass ihr Nachbar Münze plötzlich verschwunden ist, nachdem sie einen Streit gehört hat. So wird beschlossen, über den Balkon in die Wohnung einzudringen. Nach dem dramatischen Einstieg finden sie jedoch nur ein fürchterliches Chaos – aber keine Leiche. Nun verliert sich die Erzählung, gleitet fast zu einer Milieustudie über das Leben am Rande einer Siedlung ab. Das Buch, aus Kris' Sicht in der Ich-Form geschrieben, passt sich mit seiner Sprache dem Alter der Protagonisten an, wirkt ungelenk und manchmal auch etwas zäh. Die Dialoge werden mittels Gedankenstrichen eingeleitet, was sehr gewöhnungsbedürftig ist. Interessant ist beschrieben, wie sich Freundschaften verändern.

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Krimi, Freundschaft / um
978-3-551-58346-8

Fr. 21.90

Rezension aus Heft 95

Slater, Kim

SMART oder Die Welt mit anderen Augen

Das ungewöhnliche Buch fesselt von Anfang bis zum Ende. Der 15-jährige Kieran, der alles hinterfragt, versteht nicht, warum seine geliebte Oma nicht mehr zu ihm kommt und warum seine Mutter immer noch beim Stiefvater bleibt, obwohl er sie ständig schlägt. Er versteht nicht, warum die Polizei sich nicht um den Fall des toten Obdachlosen Colin kümmert, denn er ist überzeugt, dass es Mord war. In der Schule wird er verständnisvoll von Miss Jane betreut, während die Kinder ihn nur "Downy" nennen. Er kann unglaublich gut Menschen zeichnen, doch niemand glaubt, dass er diese Zeichnungen angefertigt hat. Aus seiner Sicht erleben wir, wie er mit seiner direkten Art oft sein Umfeld überfordert – aber das macht ihn gerade so einzigartig. Es ist eine unglaublich spannende, tragische Geschichte, die aufzeigt, dass niemand ausgegrenzt werden sollte.

a / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Krankheit Psychoorganisches Syndrom, Familienkonflikt / um
978-3-423-76134-5

Fr. 19.90

Rezension aus Heft 95

Steinkellner, Elisabeth

die Nacht, der Falter und ich

In drei Kapiteln wird hier ein sehr spezifischer Sprachklang experimentell ausgelotet. Es sind Prosastücke und Gedichte, verwoben in ein kleines Gesamtkunstwerk aus sich gegenseitig inspirierenden Worten und Bildern (Siebdruck und Gouache). Es sind verschwommene, etwas undeutlich und vage angedeutete, mikroskopisch feine Darstellungen von Naturblüten und Schmetterlingen. Die Texte lassen innehalten und still werden, sie kreisen um das Erwachsenwerden inmitten widerstrebender Gefühle, um das Miteinander, das Sein, Wahrnehmen, Zittern und Beben einer ersten Liebe. Die Atmosphäre der schriftlichen Gedanken wirkt einerseits wie in einem Tagebuch, andererseits als neugierige, wache Blicke und reflektierte Irritationen auf die weite Welt. Neben der Unsicherheit der aufkeimenden Sexualität existiert ebenso die grosse spontane Freude der selbstbestimmten, bewussten Orientierung auf die verheissungsvolle Zukunft.

b / Lesealter 13 / Vorlesealter / J Liebe, Pubertät / ES
978-3-7022-3540-6

Fr. 20.90

Rezension aus Heft 95

Tromly, Stephanie

DIGBY #01

Aus ihrer Sicht erzählt die jugendliche Zoe, wie sie an der Schule Digby kennenlernt und wie er ihr Leben ordentlich durcheinanderbringt. Er überredet sie, ihm bei der Suche nach der Wahrheit über seine entführte Schwester zu helfen. Mehrmals geraten die beiden in gefährliche Situationen und sehen sich zu kriminellen Taten gezwungen. Schwierigkeiten mit Lehrpersonen gehören da zu den kleineren Problemen. Als sich alles klärt, verabschiedet sich Digby und Zoe bleibt verwirrt zurück. Das spannende Buch ist vollgepackt mit überraschenden Wendungen. Mit einem rasanten, witzigen Schreibstil gelingt es der Autorin, eine fesselnde Geschichte über Familienschicksale, Abenteuer, Freundschaft und Liebe zu erzählen.

a / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Abenteuer, Action, Familienkonflikt, Freundschaft, Jugendproblem, Krimi, Kriminalität, Schicksal, Schule / EK
978-3-7891-4809-5

Fr. 20.90

Rezension aus Heft 95

Wahl, Mats

Sturmland : Die Reiter (Bd. 1)

Schweden, nahe Zukunft: Im von Stürmen und Kriegen verwüsteten und verseuchten Niemandsland lebt die 16-jährige Elin mit ihrer Familie. Ihr Leben ist geprägt von Angst, Misstrauen und ständiger Abwehrbereitschaft gegen korrupte Truppen des Willkürregimes, marodierende Rebellenhaufen und missgünstige Nachbarn. Ihre Ausrüstung ist mittelalterlich (Pferde, Armbrust, Axt, Messer), sie verfügen aber über modernste Überwachungselektronik. Bei einem Überfall wird Leins Bruder entführt. Elin soll die befehdete Entführersippe aufsuchen, um über ein Lösegeld zu verhandeln. Dabei gerät sie zwischen alle Fronten und in grosse Gefahr. Die nüchtern, in karger, knapper Sprache erzählte Geschichte katapultiert die LeserInnen ohne Situationserklärungen direkt in die packende Handlung. Das wirkt anfänglich verstörend, immer stärker gerät man aber in den Bann der spannenden und berührenden Handlung.

a / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Science-Fiction, Abenteuer, Gesellschaftskritik / gm
978-3-446-24936-3

Fr. 19.90

Rezension aus Heft 95