Hasak-Lowy, Todd

Dass ich ich bin, ist genauso verrückt wie die Tatsache, dass du du bist : Ein Roman in Listen

Ein Roman, der nur aus Aufzählungen besteht, funktioniert das überhaupt? Eigentlich entsteht die Handlung durch ganz verschiedene Listen, die immer zu einer ausführlichen und raffiniert differenzierten Überschrift gehören. Die Handlungsabsicht ist schnell klar: Der Ich-Erzähler Darren steckt in einer pubertären Identitätskrise, die verstärkt durch viele frustrierende und unangenehme Ereignisse zu einer richtigen Lebenskrise wird. Die Trennung seiner Eltern, der Wegzug seines Bruders, das Coming-out des Vaters als Homosexueller sind nur ein Teil seiner Probleme. Wie sich die einzelnen Faktoren gegenseitig beeinflussen und Darren nach einem veritablen Absturz zurück in seine neu gestaltete Familie und eine neue, lebenswerte Welt findet, ist eine langatmige, aber unbedingt lohnenswerte Lesereise – und an Listen kann man sich gewöhnen!

a / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Pubertät / moz
978-3-407-82171-3

Fr. 26.80

Rezension aus Heft 96

Abedi, Isabel

Die längste Nacht : Roman

Vita unternimmt mit ihren Freunden Trixie und Danilo eine Reise quer durch Europa. Mit ihrem umgebauten VW-Bus geht es zunächst nach Italien, in das kleine Dorf Viagello. Vita erinnert sich plötzlich an ein geheimnisvolles Manuskript, das sie im Büro ihres Vaters gelesen hat, und fühlt eine seltsame Verbundenheit mit dem Dorf. Erinnerungen steigen in ihr auf und lassen sie nach und nach an der Geschichte über den Tod ihrer Schwester vor 13 Jahren zweifeln. Luca, der junge Seiltänzer aus dem Dorf, hilft ihr bei der Suche nach der Wahrheit. Man fiebert von Seite zu Seite mit. Der Schluss überrascht. Die Sprache ist sehr bildhaft, die Landschaft und die Gefühle der Bewohner sind gut erleb- und spürbar. Überwältigend ist die Flut von Emotionen, Lügen, Eifersucht, Ahnungen – ein grossartiger Roman mit einer intensiven Geschichte. (s. Kapitel 10, Hörbücher)

a / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Familie, Freundschaft / ca
978-3-401-06189-4

Fr. 26.90

Rezension aus Heft 96

Ammon, Katja

Herz aus Gold und Asche

Die 18-jährige Elin findet im Pharmakonzern, in dem ihr verstorbener Vater tätig war, Arbeit. Die Chemiebranche interessiert sie schon deshalb, weil ihr Bruder Nico an Leukämie erkrankt ist. Sie macht Bekanntschaft mit einem mutigen und gut aussehenden Basilisken und verliebt sich in die mysteriöse Figur (halb Mensch, halb Drache). Elin entpuppt sich als Auserwählte mit der Begabung, eine Sprache lesen zu können, die sonst niemand versteht. Von den Führern des Pharmaunternehmens wird sie unter Druck gesetzt und steht nun zwischen den beiden Fronten, denn nur das Blut von Basilisken vermag Krebs zu heilen. Die romantische Geschichte ist spannend und flüssig zu lesen. Interessant sind die ausführlichen Informationen über die mystische Gestalt, die angeblich im Untergrund von Basel lebte. Das Cover in Schwarz und Gold passt ausgesprochen gut zum Inhalt.

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Fabelwesen, Krankheit Krebs, Schweizer Autor / ca
978-3-522-50532-1

Fr. 24.90

Rezension aus Heft 96

Aveyard, Victoria

Die Farben des Blutes : Gläsernes Schwert (Bd. 2)

Die roten Rebellen haben Mare und Cal in letzter Minute gerettet. Nun hoffen sie auf ihre Unterstützung im Kampf gegen die Silbernen. Doch Mare hat andere Pläne: Sie will die Neublüter (Rote mit silbernen Kräften) suchen. Das Gleiche will auch Maven, ihr ehemaliger Verlobter und neuer König der Silbernen. Das Auffinden der Neublüter gestaltet sich für die LeserInnen spannend, sind wir doch immer wieder überrascht über die besonderen Fähigkeiten. Die Suche ist allerdings mühevoll und die damit verbundenen Kämpfe werden (leider) immer grausamer. Die Autorin stellt Mare sehr stark in den Vordergrund, wobei die Entwicklung der Protagonistin nicht so sehr überzeugt. Sie glaubt, nur sie allein könne Maven aufhalten und wirkt auf Freunde und Familie oft unverständlich. Als LeserIn bin ich überrascht vom Tempo der Erzählung, doch scheinen alle Aktionen irgendwie (noch?) zu keinem Ziel zu führen. (s. Kapitel 10, Hörbücher)

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Fantasy / chb
978-3-551-58327-7

Fr. 32.90

Rezension aus Heft 96

Babendererde, Antje

Der Kuss des Raben

Das Gastschuljahr am Gymnasium in Moorstein ist Milas Chance auf einen Neuanfang. Alles scheint gut zu laufen, sie hat sich sogar verliebt. Doch mit Lucas' Einzug ins Rabenhaus und dem Auftauchen eines geheimnisvollen, jungen Mannes sind Schatten der Vergangenheit plötzlich wieder da. Schon bald gerät das Mädchen zwischen die Fronten heftiger Auseinandersetzungen. Es gibt sogar einen Toten. Auch wenn die Autorin das Ende im Prolog bereits andeutet, versteht sie es bestens, die Spannung in der Geschichte durchgängig hoch zu halten. Virtuos spielt sie mit dem Motiv des Raben und schiebt immer wieder sehr gekonnt Tristans Gedanken in der Zukunft ein. Zugleich gibt sie den Leserinnen die Möglichkeit, die fremde Kultur der Roma kennenzulernen. Sie gestaltet die Protagonisten überzeugend und lässt lange Zeit offen, wer hier gut oder böse ist. Spannendes Lesefutter!

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Mädchen, Liebe, Aussenseiter, Thriller / chb
978-3-401-60009-3

Fr. 24.50

Rezension aus Heft 96

Bach, Tamara

Vierzehn

Acht Wochen hat Beh ihre Freundinnen nicht mehr gesehen. Nun fängt die Schule wieder an. In kurzen Kapiteln (Morgen, Bus, Schulhof, KLs, Mathe ... Papa, Schwimmbad, Kiosk, Mama) begleiten wir das Mädchen durch den ersten Schultag. So erleben wir, wie das Zusammentreffen mit den Freundinnen etwas komisch ist, wie sie die neuen Lehrer einschätzt ... – und wie mit dem neuen Schuljahr doch einiges anders geworden ist. Protokollartig und in der Du-Form geschrieben, in kurzen (oft auch kürzesten) Sätzen wird der normale Tag eingefangen, doch stolpert man immer wieder über Wörter (Tatsachenzimmer) oder Sätze (Dass man eine Postkarte so oft lesen kann!). Die anfänglich fast langweilig wirkende Erzählung entwickelt aber mit vielen irritierenden Andeutungen eine erstaunliche Spannung. Die Autorin weiss einmal mehr mit einer präzis aufgebauten und in einer faszinierenden Sprache gestalteten Erzählung zu fesseln und zu begeistern.

a / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Entwicklung / chb
978-3-551-58359-8

Fr. 20.90

Rezension aus Heft 96

Bennett, Jenn

Annähernd Alex

Die 17-jährige Bailey zieht von der Mutter (US-Ostküste) weg zum Vater nach Kalifornien. Hier erhofft sie sich ein erstes Treffen mit ihrem Chatpartner "Alex" (ihr Pseudonym ist "Mink"), der ebenfalls dort wohnt und mit dem sie die gemeinsame Leidenschaft für Klassiker aus der Filmgeschichte teilt. In Beziehungsfragen eher vorsichtig, beschliesst sie, die Suche nach dem realen "Alex" verdeckt anzugehen. Gleichzeitig drängt sich – anfangs wider Willen – am neuen Ort auch Porter, ein talentierter Surfer, in ihr "neues" Leben. Aufmerksame LeserInnen ahnen, wer sich hinter der Chatfigur verbirgt. Dennoch bleibt das Vergnügen erhalten, der Auflösung des Versteckspiels nach etlichen Wirrungen entgegenzufiebern. Ein wendungsreicher Plot, rasant im Tempo und locker geschrieben. Eine souveräne Dialogführung und – als Referenz – passende Filmzitate (nicht zuletzt aus "E-Mail für dich") garantieren eine intelligent und lustvoll geschriebene (Ferien-)Lektüre!

a / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Liebe, Problem, Umzug / LK
978-3-551-56035-3

Fr. 28.90

Rezension aus Heft 96

Bondoux, Anne-Laure

Bella Rossas anderes Glück

Bella Rossa verwirklicht ihren Traum. Sie baut sich einen Trödlerwagen, lädt ihren ewig keifenden, gelähmten Vater auf den Wagen und zieht durchs Land. Sie gerät mitten ins Kriegsgeschehen, wird in einem Kugelhagel fast getötet und verliebt sich in einen Soldaten. Nun ziehen sie zu dritt durchs Land und versuchen, Geld zu verdienen. Bella Rossa erfindet den Reissverschluss, vermarktet ihn, wird übers Ohr gehauen und verliert den erarbeiteten Reichtum wieder. Trotzdem gibt sie nicht auf und bricht zu neuen Abenteuern auf. Es ist ein skurriles Buch. Bella Rossa mit ihren riesigen Brüsten und der fast unerschöpflichen Energie überwindet alle Hindernisse, lässt alle Männer schwach werden und gibt trotz der Widrigkeiten des Lebens nicht auf. Das Buch fasziniert, auch wenn es kaum vorstellbar ist, dass es von Jugendlichen gelesen wird. Es berichtet vom abenteuerlichen Leben im vergangenen Jahrhundert.

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Abenteuer, Frau, Familie, Schicksal / ez
978-3-551-58322-2

Fr. 27.50

Rezension aus Heft 96

Brockenbrough, Martha

Das Spiel von Liebe und Tod

Liebe und Tod sind uralte Widersacher und ihr einziges Vergnügen scheint ein Spiel zu sein, bei welchem es darum geht, zwei beliebige Personen zu manipulieren. Die Liebe möchte die beiden zusammenbringen, der Tod sie auf ewig trennen. Auch Henry und Flora werden im Jahr 1937 Opfer dieses Spiels. Sie stammen aus unterschiedlichen Schichten, haben nicht die gleiche Hautfarbe – könnten nicht verschiedener sein. Und doch finden sie sich! Aber wer gewinnt das Spiel? In der Geschichte verbirgt sich eine philosophische Grundidee, welche auch junge LeserInnen beschäftigt. Sind wir dem Schicksal ausgeliefert? Wie viel können wir selbst beeinflussen? Die unterschiedlichen Handlungsstränge machen die Lektüre anspruchsvoll. Nicht alles ist immer auf den ersten Blick nachvollziehbar. Die einzelnen Personen werden kaum eingeführt und daher versteht man leider vieles erst im Verlaufe der Geschichte.

c / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Liebe / AB
978-3-7855-8262-6

Fr. 25.90

Rezension aus Heft 96

Colfer, Eoin

Warp : Die Katzenhexe (Bd. 3)

Rileys bösartiger Lehrmeister Albert Garrick ist nicht gestorben. Dank des Wurmlochs ist er unsterblich geworden. Er trachtet Riley und Chevi nach dem Leben. Als anerkannter Hexenfinder einer Kleinstadt gelingt es ihm beinahe, Riley und Chevi als Hexen zu identifizieren und sie so umzubringen. Professor Smart ist aber auch nicht gestorben und er beraubt Garrick seiner Unsterblichkeit. Damit rettet er Riley und Chevi das Leben. So können die beiden wieder ein ganz normales Leben führen. Die Geschichte ist und bleibt verworren. Garricks kaum zu bändigende Macht sowie die Verblendung der Einwohner der Kleinstadt sind fast nicht auszuhalten. Die fantastische Geschichte, der Abschluss der Trilogie, ist spannend und geht am Ende gut aus. Für LeserInnen, die verschlungene Fantasy-Geschichten gerne haben, durchaus lesenswert.

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Fantasy / ez
978-3-7855-8261-9

Fr. 24.90

Rezension aus Heft 96

Dieltiens, Kristien

Kellerkind

Nürnberg, Mai 1828: Hier taucht ein scheinbar geistig behinderter, sprachloser Knabe auf, der sich kaum auf den Beinen halten kann. Kaspar Hauser wird er genannt und erzählt später, dass er in einem Kellerloch eingesperrt war. Scheinbar unabhängig von der Geschichte um den rätselhaften Fremdling wird auch das Leben von Michael Ostheim erzählt, der mit einer Hasenscharte geboren wird. Wegen seines Aussehens wenden sich die Menschen von ihm ab. Kapitelweise wechseln sich nun Michaels Erzählung und Kaspars Tagebucheinträge ab und wir erkennen langsam den Zusammenhang dieser beiden Protagonisten. In sehr sorgsamer Sprache erzählt hier die Autorin ihre eigene Wahrheit um Kaspar Hauser und doch spürt man, dass sie die Erbprinztheorie genau recherchiert hat. Beeindruckend ist aber vor allem die Beschreibung der trostlosen Kindheit zweier Knaben, die eigentlich in nur eine düstere Welt blicken.

a / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Entwicklung, Historisches Neuzeit / chb
978-3-8251-7970-0

Fr. 26.90

Rezension aus Heft 96

Erbertz, Christina

Drei (fast) perfekte Wochen : Roman

Nele, Nico, Marion, Lukas und Rita treffen sich in einem 3-wöchigen Orientierungslauf-Camp. Nebst dem Orientierungslauf handelt das Buch von einer zickigen Trainerin, von den Gefühlen der Teenager, von einem an Leukämie erkrankten Jugendlichen und von einer Beinahe-Vergewaltigung. Das Buch wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, die zeigen, dass das Camp ganz unterschiedlich erlebt wird. Ausserdem handelt es von der ersten zarten Liebe zwischen Nico und Nele. Es ist unterhaltsam und durch den Perspektivenwechsel interessant. Zwischendurch zeigte es auf, wie Vorurteile entstehen. Es ist eine Geschichte mit wenig Tiefgang. Es ist eher eine Beschreibung von Teenagern und ihren Gefühlen, einer Sportart, unterschiedlicher Elternhäuser und von Grenzüberschreitungen im körperlichen Bereich. Vieles bleibt oberflächlich und angedeutet. Was der Titel des Buches mit dem Inhalt zu tun hat, ist nicht ersichtlich.

c / Lesealter 13 / Vorlesealter / J Pubertät / ez
978-3-407-82173-7

Fr. 16.90

Rezension aus Heft 96

Frank, Moira

Sturmflimmern : Roman

Sofia lebt in den 80er-Jahren in einem kleinen Dorf in den USA. Eigentlich hat sie nur ihrem besten Freund Oscar helfen wollen. Dies jedoch führt zu einer tödlichen Gewaltspirale rund um Oscars Bruder David. Sofias Eltern sind verstorben, sie ist bei Pflegeeltern aufgewachsen. Als der geheimnisvolle Isaac auftaucht, kommt Sofia dem Geheimnis um ihre Herkunft langsam auf die Spur. Die Erzählung zieht sich teilweise unendlich in die Länge, Nebensächlichkeiten werden über Seiten hinweg erklärt und bei den unzähligen Charakteren verliert man schnell den Überblick. Die abstossende Geschichte besteht zum grössten Teil aus der detailreichen Schilderung stumpfer, naiver und brutaler Gewaltanwendungen. Es wird geschrien, geschlagen, bedroht, zerstört. Der Schluss des Buches mit dem Cover in unpassenden Pastellfarben lässt jene, welche bis dahin durchgehalten haben, frustriert zurück.

d / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Gewalt / ca
978-3-570-16457-0

Fr. 22.90

Rezension aus Heft 96

Frey, Jana

RegenTropfenGlück

Im Bus, auf dem Weg zu ihrer neuen Schule, trifft Nisha Ben. Beide fühlen sich stark zueinander hingezogen. Sie kommen sich näher und es entsteht eine Liebesgeschichte. Nisha liebt Ben, zieht sich aber immer wieder zurück. Oft fehlt sie in der Schule und alle schweigen über den Grund. Erst als Nisha einen schlimmen Zusammenbruch erleidet und in eine Klinik eingewiesen wird, erfährt Ben die Wahrheit. Nisha leidet an den Folgen eines traumatischen Erlebnisses in ihrer Kindheit. Das Buch ist ein sprachliches Juwel der leisen Töne. Es ist die aussergewöhnliche und wunderschöne Sprache der Autorin, die das fast Unerträgliche erträglich macht. Stimmungen werden so bildhaft beschrieben, dass man sie fühlen kann, und die Protagonisten so feinfühlig charakterisiert, dass man das Gefühl hat, sie schon lange zu kennen. Die Geschichte ist unfassbar traurig, trotzdem schwingt immer Hoffnung mit.

a / Lesealter 15 / Vorlesealter / J Problem, Liebe, Familie / CB
978-3-401-60004-8

Fr. 21.50

Rezension aus Heft 96

Gurian, Beatrix

Glimmernächte

Pippa muss ihre Heimatstadt und ihre Freunde in Berlin verlassen und ihrer Mutter, die einen dänischen Grafen geheiratet hat, folgen. Zunächst gefällt ihr das Leben auf dem herrschaftlichen Schloss, wo sie von ihrer Stiefschwester Kirsten herzlich aufgenommen wird. Nebst den vielen Gästen, die auf Schloss Ravensholm feiern, lernt sie auch ihren Stiefbruder Niels kennen. Er scheint eine mysteriöse Figur zu sein und Pippa leidet plötzlich unter Halluzinationen und Blackouts. Das glitzernde Cover mit dem hellblauen Ballkleid erinnert an Cinderella. Doch dieser Gedanke führt völlig in die Irre. Vielmehr handelt die Geschichte von nordischen Mythen und Runen und unheimlichen Machenschaften, von Hypnose und Magie. Das spannende Buch über Sein und Schein endet mit dem unerwarteten Auflösen von Familiengeheimnissen.

b / Lesealter 13 / Vorlesealter / J Familienkonflikt, Phantasie / ca
978-3-401-60216-5

Fr. 21.90

Rezension aus Heft 96

Heitmann, Tanja

In einer Sommernacht wie dieser

Leonie verbringt den Sommer bei ihrem Vater in dessen Villa. Die 17-Jährige hat ein grosses Herz für ihre Mitmenschen. Sie gibt sich selbstbewusst und sagt, was sie denkt. Von Anfang an fühlt sie sich stark zum 18-jährigen Alexei, der im Garten ihres Vaters arbeitet, hingezogen. Ein Geheimnis scheint den oft verschlossenen, teils aber auch beängstigend impulsiven Alexei zu umgeben. In ihrer Verliebtheit muss sich Leonie die Frage stellen, ob Alexei zu einem Mord fähig ist. Die beiden Protagonisten sind sehr plastisch beschrieben. Besonders Alexei weckt unsere Neugier. Man ahnt, dass die düster-gruseligen Einschübe mit dem Titel "Im Wald" mit seiner Vergangenheit zusammenhängen. So wird geschickt mit Thriller-Elementen gespielt, die neben der dominanten Liebesgeschichte aber etwas zu kurz kommen. Anfangs ist die Geschichte unnötig in die Länge gezogen, am Ende überstürzen sich die Ereignisse.

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Liebe, Thriller / CB
978-3-7891-3731-0

Fr. 23.50

Rezension aus Heft 96

Herrick, Steven

Wir beide wussten, es war was passiert

Diese ungewöhnliche Geschichte spielt in Australien. Dabei hat der Autor offenbar versucht, die Erzählweise von Homer nachzubilden, nicht nur was das Versmass anbelangt, sondern auch den laufenden Perspektiv- und Erzählerwechsel. Dies ist ihm durchaus überzeugend gelungen. Doch die Geschichte selbst sollte nicht unbedingt an der Wirklichkeit gemessen werden. Denn wenn der halbwüchsige Billy aus dem Haus seines alkoholkranken Vaters flieht und auf abenteuerlichem Wege in einer anderen Stadt ankommt, mag dies ja noch angehen. Dass sich Billy aber ausgerechnet im Eisenbahnwaggon neben dem langjährigen Penner Old Bill einnistet, der ein massives Alkoholproblem hat, erscheint angesichts des "Fluchtgrundes" wenig realitätsnah. Ebenso wenig vermag die Liebesgeschichte zu überzeugen, die Billy mit dem aus besserer Familie stammenden Mädchen Caitlin aufbauen kann. Das Happyend sorgt dennoch für soziale Gerechtigkeit ...

b / Lesealter 13 / Vorlesealter / J Aussenseiter, Problem / Kt
978-3-522-20219-0

Fr. 21.90

Rezension aus Heft 96

Herrmann, Susanne

Die Mühle : Thriller

Lana trifft Jonny, den Jungen, den sie mit seiner Clique vergöttert hat, zufällig wieder. Nach einem Unfall überlässt er Lana seine Einladung für ein Cliquen-Treffen in einem Nobelhotel. Sie reist nach Karlsbad, doch schon am nächsten Tag stellt sich die Einladung als tödliche Falle heraus. Immer weitere ehemalige Cliquenteilnehmer sterben. Auch Lana kämpft um ihr Leben und am Schluss hilft ihr Jonny, die Mörderin zu überwältigen. Es ist eine sehr unheimliche, mysteriöse Geschichte, die Geheimnisse birgt, zwischendurch sehr unwahrscheinlich wirkt und trotzdem spannend ist. Die Sprache ist manchmal etwas trivial. Die Auflösung der Geschichte ist kaum zu glauben, da Hass das Motiv für den Tod von sechs jungen Menschen zu sein scheint. Dass die Protagonistin als einzige überlebt und mit Jonny das Trauma zu überwinden versucht, stimmt ein wenig hoffnungsvoll. (s. Kapitel 10, Hörbuch)

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Thriller / ez
978-3-570-16423-5

Fr. 24.50

Rezension aus Heft 96

Hofmeyr, David

Stone Rider

Dieser Roman spielt in einer zukünftigen, heissen und trockenen Welt. Die Erde ist vergiftet und zerstört. Es gibt Überlebende, die ein hartes, brutales, rückständiges und entbehrungsreiches Leben führen. Die Erlösung wartet weit oben im All, in der Sky-Base. Der Sieger des härtesten Motorradrennens der Welt sichert sich dort einen Platz. In dieser Welt lebt Adam, der nach und nach alles verloren hat. Er kämpft sich mehr schlecht als recht durch, besitzt nur eine bedeutungsvolle Sache, ein Motorrad. Das Risiko ist gross, Adams Chancen sind minimal – und er hat keine Ahnung, worauf er sich mit der Teilnahme an diesem Rennen einlässt. Dieser spannende Endzeit-Roman fesselt und reisst mit. Die kurzen Sätze in prägnanter Sprache können am Anfang etwas Mühe bereiten. Trotzdem kommt nie Langeweile auf, denn es wird gefährlich, nervenaufreibend und sogar brutal.

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Abenteuer, Fantasy / AS
978-3-423-76150-5

Fr. 21.90

Rezension aus Heft 96

Howell, Simmone

Mädchen mit Geheimnissen

Sky (15) und ihr Bruder Gully (11) sind von der Mutter (die sich angeblich selbst verwirklichen will) verlassen worden. So leben die beiden seit fünf Jahren bei ihrem Dad, welcher einen Schallplattenladen besitzt, sich aber mehr schlecht als recht durchs Leben mogelt. Sein Geschäft läuft nicht und er versucht seine Probleme im Alkohol zu ertränken. Gully ist verhaltensgestört, er trägt stets einen Schweinerüssel vor dem Gesicht. Skys einzige Freundin Nancy (19) bewegt sich im Drogen- und Alkoholmilieu und interessiert sich hauptsächlich für Sex. Und dann ist da noch der schüchterne Luke, den ihr Vater als Aushilfe eingestellt hat. Er bleibt eine oberflächliche Figur. Die Geschichte ist sehr schwierig nachzuvollziehen. Auch die Aufzählung der vielen Bands aus den frühen 70er-Jahren wirkt mühsam.

c / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Familienkonflikt, Junge Erwachsene, Sucht / ca
978-3-551-58339-0

Fr. 25.90

Rezension aus Heft 96

Inglis, Lucy

Worte für die Ewigkeit

Zwei Schicksale, die eng miteinander verbunden sind, ziehen die Leserschaft von der ersten Seite an in ihren Bann. Da ist auf der einen Seite die 16-jährige Hope. Tyrannisiert von ihrer Mutter muss das Mädchen sie nach Montana auf eine Farm begleiten. Dort begegnet Hope dem abweisenden Cal. Andererseits lesen wir von Emily, die im Jahre 1867 nach Montana reist, um einen ihr völlig unbekannten Mann zu heiraten. Auf dem Weg dorthin verunfallt sie und wird vom Halbindianer Nate gerettet. Die berührende Geschichte pendelt ständig zwischen der Gegenwart und der Vergangenheit hin und her, von der einen Person zur andern. Voller Romantik überzeugt sie zudem mit der Schilderung der magischen Landschaft Montanas. Aber auch ernste Themen (die Ausrottung der Büffel, die Kriege zwischen Indianern und Weissen ...) haben ihren Platz. Emilys Tagebuch, von Hope gefunden, führt als roter Faden durch dieses zauberhafte Buch.

a / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Indianer, Historisches, Liebe, Amerika Montana / ca
978-3-551-52087-6

Fr. 28.90

Rezension aus Heft 96

Johansen, Anders

Das schwarze Loch in mir

Dieser Roman besticht vor allem durch seine intensive, glaubhafte Erzählweise, die auch in sprachlicher Hinsicht überzeugt. Er handelt auf einer abgelegenen Faröer-Insel und hält sich nahe an die Realität. Der Titel zielt darauf ab, dass es auf der Insel einerseits ein äusseres schwarzes Loch gibt, einen Tunnel durch den Berg, der das traditionelle Leben des wenig aufregenden Ortes mit der Stadt, d.h. der Neuzeit verbinden soll. Dies sorgt für erhebliche Unruhe im Dorf mit teils skurrilen, bigotten, handfesten Persönlichkeiten, die Gottesfrevel und Sündenpfuhl wittern. Andererseits bezieht sich das "schwarze Loch" auf das Innere des Ich-Erzählers, des autistischen Schuljungen David, dessen Vater noch über den Berg Post holen geht und keinen Spass versteht. Aufgrund seiner Besonderheit wird David von den Mitschülern geneckt, jedoch vom Lehrer und seinem älteren Bruder geschützt. Wer Action und Abenteuer sucht, liegt jedoch mit diesem Buch falsch.

a / Lesealter 13 / Vorlesealter / J Aussenseiter, Problem / Kt
978-3-407-82172-0

Fr. 19.90

Rezension aus Heft 96

Kaufman, Amie Spooner, Meagan

These Broken Stars : Lilac und Tarver (Bd. 1)

Lilac, das reichste Mädchen des Universums, und der gefeierte Kriegsheld Tarver stürzen mit dem vollbesetzten Raumschiff Ikarus ab. Mit ihrer Rettungskapsel landen sie auf einem fremden Planeten und machen sich auf den Weg, das Wrack der Ikarus zu finden. Unterwegs beginnt Lilac zu halluzinieren und das kratzbürstige Mädchen wird etwas zugänglicher. Aber auch Tarvers harte Schale bekommt Risse. Der emotionsreiche erste Band der Trilogie ist ausgesprochen spannend und fantasievoll geschrieben. Die Geschichte ist in sich abgeschlossen, dennoch wartet man gespannt auf die Fortsetzung. Das Cover ziert eine Nahaufnahme von Lilac und Tarver: Man sieht nur je eine Gesichtshälfte mit einem blauen und einem braunen Auge – damit wird die Nähe und gleichzeitige Gegensätzlichkeit der beiden Protagonisten gut hervorgehoben. (s. Kapitel 10, Hörbücher)

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Science-Fiction, Partnerschaft / ca
978-3-551-58357-4

Fr. 28.90

Rezension aus Heft 96

Kordon, Klaus

Der einarmige Boxer : Eine Liebesgeschichte

Die 17-jährige Feri verliebt sich in den Ferien mit den Eltern Hals über Kopf in den gleichaltrigen Milan und wird schwanger. Was nun? Ihre Eltern raten zur Abtreibung, die Freundinnen sind fassungslos ("Warst du bekifft?"), doch Milan steht zum (ungeborenen) Kind. Feri und Milan stehen unter Zeitdruck, machen es sich aber in ihrer Entscheidungsfindung nicht leicht, zumal es wegen eines Missverständnisses fast zur Trennung gekommen wäre. Erschwerend ist zudem die Tatsache ihrer unterschiedlichen Herkunft, die gegensätzlicher nicht sein könnte: sie, eine gut behütete Tochter einer Akademikerfamilie; er, aufgrund schwieriger familiärer Verhältnisse, im Jugendheim aufwachsend. K. Kordon, erst kürzlich mit dem "Sonderpreis der Jury für Autorengesamtwerk" ausgezeichnet, erweist sich als feinfühliger Autor, der es bestens versteht, Gefühlschaos, Sinnsuche und Verantwortungsbewusstsein der Protagonisten auszuloten.

a / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Problem, Familienkonflikt, Liebe / LK
978-3-407-82170-6

Fr. 24.50

Rezension aus Heft 96

Kunst, Marco

Herr der Zeiten

Wessels Vater ist Arzt und Forscher. Er erforscht die Lebenslinien der Menschen und kann ihren Tod voraussagen. Seinem eigenen Tod entzieht er sich aber und macht sich unsterblich. Dabei entsteht ein Spalt ins Jenseits. Die Toten helfen ihm weiterzuforschen, wenn er ihnen wieder das Leben gibt. Wessel hilft seinem Vater, den Spalt mit Kindern zu füttern. Der Spalt wird jedoch immer grösser und droht die Menschheit zu verschlingen. Wessel gelingt es am Ende, den Spalt zu verschliessen. Er hat endlich gemerkt, dass er seinem Vater nicht mehr gehorchen muss, sondern einen eigenen Willen hat. Die düstere Geschichte über Macht, die Angst vor dem Tod und den lauernden Höllenqualen ist spannend zu lesen und zeigt auf, welche Wirkung streng gelebte, religiöse Gedanken auf Menschen haben können. Die Kraft der Liebe verhindert Schlimmes und am Ende lässt das Buch den Tod als etwas Schönes erscheinen.

c / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Fantasy, Familienkonflikt / ez
978-3-8369-5899-8

Fr. 25.30

Rezension aus Heft 96

Landy, Derek

Demon Road : Hölle und Highway (Bd. 1)

Schon der erste Satz: "Zwölf Stunden, bevor ihre Eltern sie umzubringen versuchten, sass Amber zwischen ihnen im Büro der Rektorin" katapultiert die LeserInnen in die absurd-bizarre Geschichte der 16-jährigen, unscheinbaren Amber, die plötzlich eine beängstigende Fähigkeit an sich entdeckt: Sie kann sich in einen selbstsicheren, aggressiven Dämon verwandeln. Sie erfährt, dass ihre biederen Eltern und deren Freunde leibhaftige Dämonen sind und sie verspeisen müssen, um ihre dämonischen Kräfte zu bewahren. Es folgt eine irrwitzige Flucht auf der Demon Road, einer düsteren Strasse, die sie zu den schlimmsten Orten und brutalen Auseinandersetzungen mit Monstern, Dämonen, Hexen und Vampiren führt. Beschützt wird sie vom obskuren "Bodygard" Milo mit seinem geheimnisvollen Dodge Charger. Der gut konstruierte, spannende, abstruse, blutige, schwarzhumorige Horrorthriller ist für Freunde des Genres durchaus lesenswert.

b / Lesealter 15 / Vorlesealter / J Fantasy, Horror, Humor / gm
978-3-7855-8508-5

Fr. 26.90

Rezension aus Heft 96

Leder, Meg

Museum of Heartbreak

Der mädchenhafte Schutzumschlag strahlt ganz in Pink und erinnert an ein Tagebuch. Penelope, die Protagonistin steckt mitten in der Pubertät und in der ersten grossen Liebe, die sich allerdings als blosse Schwärmerei entpuppt. Da sie niemand darauf vorbereitet hat, beginnt sie über die Höhen und Tiefen ihrer Gefühle ein Buch zu schreiben. Der Schreibstil ist locker und der humorvolle Bucheinstieg auch viel versprechend. Der Hauptteil verliert sich aber in eine leicht zickige Teenager-Geschichte. Dieses Getue passt eigentlich nicht mehr zu einer 16-Jährigen, die doch schon über eine gewisse Reife verfügen sollte. Erst gegen den Schluss zu meint man, etwas davon erkennen zu können.

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Liebe, Freundschaft / um
978-3-570-17265-0

Fr. 22.90

Rezension aus Heft 96

Leuze, Julie

Herzmuschelsommer

Kim erfährt erst mit 16, dass sie unmittelbar nach der Geburt vertauscht wurde und ihre Eltern demnach gar nicht ihre leiblichen Eltern sind. Sie soll nun für sechs Wochen zu ihnen in die Bretagne ziehen, um herauszufinden, wo sie ihr Leben weiterführen möchte. Mit Zeichnen versucht sie, das Auf und Ab ihrer Gefühle anzugehen. Padrig, ein introvertierter Junge, zeigt ihr die malerische Kulisse der Bretagne und weiht sie in die Mystik der Sagenwelt ein. Die Geschichte ist sehr süss und vorhersehbar. Trotzdem sind die Konflikte, die die neue Situation im Leben einer Person auslöst, nachvollziehbar und detailliert geschildert. Die Skypegespräche mit ihrer besten Freundin Mia bieten eine Möglichkeit zur Aufarbeitung und bringen immer wieder etwas Ruhe in die aufgewühlte Gefühlswelt. Das Cover zeigt vier von einem Ast baumelnde Füsse vor der Kulisse eines Sonnenuntergangs am Strand.

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Liebe, Familienkonflikt / ca
978-3-473-40101-7

Fr. 22.50

Rezension aus Heft 96

Lu, Marie

Young Elites : Die Gemeinschaft der Dolche (Bd. 2)

Ein Fieber macht Kinder zu Gezeichneten, zu Malfettos. Als Ausgestossene werden sie für jedes Verbrechen und jeden Schicksalsschlag verurteilt. Einzelne von ihnen verfügen über magische Kräfte, genährt durch das Fieber. Adelinas Kräfte wachsen aus Angst und Wut. Treibt man sie in die Enge, erzeugt sie täuschend echte Illusionen. Als sie ihren Vater tötet, schliesst sie sich der Elite, einer Gemeinschaft begabter Malfettos, an. Im Kampf wendet sich Adelina unfreiwillig gegen ihre Freunde und verrät damit alles, was ihr lieb ist. Die spannende, lebhaft geschriebene Geschichte über Vertrauen und Verrat, über Loyalität und Verbundenheit vermag zu fesseln. Die Welt aus der Sicht der Verräterin zu sehen, ist abstossend und anziehend zugleich. Das faszinierende Abenteuer hat ein unerwartetes Ende. Für einmal siegt das Böse – zumindest in dieser Folge!

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Fantasy, Freundschaft / Ki
978-3-7855-8353-1

Fr. 25.90

Rezension aus Heft 96

Mills, Emma

Jane & Miss Tennyson

Mit Zitaten der berühmten Jane Austen motzt Devon an der Highschool ihre leicht frustrierenden, ambivalenten Tage im Abschlussjahr auf. Sie hadert damit, heimlich in ihren besten Freund verliebt zu sein, und durchschaut die komplizierten Beziehungen ihrer coolen Klassenkolleginnen nicht. Ihre Devise ist, einfach die Zukunft zu ignorieren, nicht an die Bewerbung fürs College zu denken, mit ihrem Cousin Foster, der als Adoptivsohn unvermittelt ihre Familie aufmischt, halbwegs klarzukommen. Ihm hilft sie, aus seinem überraschenden Talent für Football etwas zu machen, und stösst dabei mit dem unwiderstehlichen, überheblichen, aber geheimnisvollen Ezra zusammen. Die Einsicht, dass "Stolz und Vorurteil" auch heutigen jungen Frauen bei ihrer Emanzipation im Weg stehen, ist leichtfüssig und fesselnd geschrieben. Die Erzählperspektive erlaubt einen starken Spot auf die Herzensangelegenheiten und Sehnsüchte einer behüteten, bildungsbeflissenen, englischen Middle-Class-Exponentin. Romantik, gepaart mit einer klugen Coming-of-age-Story, die nachhaltig bewegt.

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Liebe, Sport Football, Schule / ES
978-3-551-56025-4

Fr. 27.50

Rezension aus Heft 96

Nelson, Jandy

Ich gebe dir die Sonne

Ein besonderes Buch über Zwillinge, die sich nach dem Tod der Mutter aufgrund starker Schuldgefühle voneinander und von sich selbst entfremden. Innert drei Jahren tauschen sie ungewollt die Rollen. Aus dem Aussenseiter, der leidenschaftlich zeichnet und sich zu Jungs hingezogen fühlt, wird ein angesehener Junge im Sportteam mit vermeintlicher Freundin. Das beliebte, vorwitzige Mädchen entwickelt sich zur Versagerin an der Kunstschule, die ihr Äusseres vernachlässigt und Freundschaften boykottiert. Beide erzählen abwechselnd aus zeitlich unterschiedlicher Perspektive. Langsam entwickelt sich ein gemeinsames Bild über die Vergangenheit, das zur Versöhnung führt und eine glückliche Gegenwart ermöglicht. Die Autorin erzählt detailliert in jugendgerechter Sprache und verwendet viele Metaphern. Ein komplexes, stimmiges und berührendes Buch, geheimnisvoll, spannend und gleichzeitig sanft.

a / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Familie, Familienkonflikt, Tod, Pubertät, Aussenseiter, Freundschaft, Künstler / EK
978-3-570-16459-4

Fr. 24.50

Rezension aus Heft 96

Ness, Patrick

Das Morgen ist immer schon jetzt

Der Autor führt die LeserInnen in eine seltsame Welt. Da begegnet man einerseits einer Gruppe Jugendlicher, die sich mit ganz normalen Problemen herumschlägt: Schulabschluss, Liebe, Eifersucht oder Zwangsstörungen. Andererseits tauchen Fabelwesen auf, die nur von den Jugendlichen gesehen werden und die Geschichte mit Fantasy-Elementen bestückt. Unklar bleibt, ob diese Fabelwesen als Metaphern für die Probleme der Jugendlichen stehen. Der Protagonist Mikey ist eine interessante Figur. Trotz vieler Probleme will er seinen Schulabschluss und den Sprung in die Erwachsenenwelt schaffen. Jedes Kapitel beginnt mit einer Fantasy-Geschichte, die dann mit der Hauptgeschichte verknüpft wird. Trotz des fesselnden Schreibstils irritiert das Buch und lässt uns etwas ratlos zurück. Die Botschaft aber ist klar: Auch wenn du ganz normal bist, bist du etwas Besonderes.

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Freundschaft, Fantasy / CW
978-3-570-17266-7

Fr. 22.90

Rezension aus Heft 96

Novik, Naomi

Das dunkle Herz des Waldes

Der Drache Sarkan, ein Zauberer, herrscht über das Tal und holt sich jedes zehnte Jahr ein Mädchen aus dem Dorf. Diesmal trifft es überraschend Agnieszka. Sie muss Sarkan dienen und er versucht ihr, Magie beizubringen. Doch sie hat ihre eigene Art von Magie und gemeinsam gehen sie "das Übel" an, das aus dem Wald dringt. Agnieszka entfernt das Übel, doch ob es ihr wirklich gelungen ist, bleibt am Ende offen. Auch ob Sarkan und sie am Ende ein Liebespaar werden, bleibt der Fantasie der LeserInnen überlassen. Das Buch beginnt sehr spannend, wird zunehmend vielschichtig und immer mehr verwirrend mit all den Zauberkräften und unterschiedlichen Gestalten. Die Geschichte zieht sich in die Länge und am Schluss bleibt ein schales Gefühl zurück, die Botschaft des Buches nicht wirklich verstanden zu haben. Zu viel wird angesprochen, zu viele Handlungsfäden werden gesponnen und der überraschende Schluss scheint die Erzählung auch nicht abzuschliessen.

c / Lesealter 13 / Vorlesealter / J Fantasy / ez
978-3-570-17268-1

Fr. 22.90

Rezension aus Heft 96

Oliver, Sara

Gefangen zwischen den Welten (Bd. 1)

Ve soll zu ihrem Vater in sein marodes Schloss im kleinen Dorf Winding reisen. Dort angekommen wird Ve nur von der Haushälterin Marcella erwartet. Der Vater ist verschwunden. Ve stösst im Keller auf einen Lift, der sie in eine Parallelwelt katapultiert. Hier begegnet sie ihrem zweiten Ich. Doch auch alle anderen Personen gibt es doppelt. Spannend ist, dass diese hier einen andern Charakter und auch ein anderes Aussehen aufweisen. Ve bewegt sich nun in zwei völlig verschiedenen Welten. Auch die Liebesgeschichte um Finn verläuft je nach Universum anders. Der erste Band dieser Trilogie handelt von Konzernen, Naturwissenschaften, kriminellen Machenschaften, von der Wirtschaft und dem ganz normalen Gefühlsleben einer jungen Frau. Das in Blau und Schwarz zweigeteilte Cover mit vielen metallic-glänzenden Sternen weist auf die Parallelwelten hin.

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Junge Erwachsene, Krimi, Phantasie / ca
978-3-473-40144-4

Fr. 24.90

Rezension aus Heft 96

Pietschmann, Claudia

GoodDreams : Wir kaufen deine Träume

Mika ist ein Profiträumer. Er postet seine Träume und sammelt damit Likes. Je mehr Likes er hat, desto mehr Geld verdient er, um Medizin für seinen kranken zu Vater kaufen. Aber ausgerechnet als ein Traum-Wettbewerb mit einer Gewinnsumme von 250'000 Dollar ausgeschrieben ist, leidet Mika an Schlafproblemen. Für ihn ist klar: Seine Schwester Leah muss an seiner Stelle mitmachen. Leah lässt sich überreden und gerät mit drei anderen Jugendlichen in ein gefährliches Traum-Abenteuer, das sich auch auf ihr reales Leben auswirkt. Die Jugendlichen sind sehr unterschiedlich beschrieben, trotzdem bleiben die Charaktere flach. Anfangs kommt die Geschichte nur sehr schleppend in Schwung, während am Ende alles zu schnell geht. Dennoch vermag die Idee der Geschichte zu überzeugen. Automatisch überdenkt man beim Lesen den Umgang mit den neuen Medien und macht sich Gedanken zu Privatsphäre und Manipulation.

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Cyberspace / CB
978-3-401-60151-9

Fr. 21.90

Rezension aus Heft 96

Salisbury, Melinda

Goddess of Poison : Tödliche Berührung (Bd. 1)

Eine durch und durch englische Geschichte, gemixt mit Mittelaltercharme und Magie, liegt hier vor. Ein Mädchen wird aufs Herrscherschloss geholt, soll als zukünftige Braut des Prinzen dienen und wird, um einer alten Legende gerecht zu werden, mit Gift gefüttert und als Henkerin missbraucht. Dass die Berührung tödlich sei, behauptet auf jeden Fall die machtgierige, herzlose Königin. Man findet sich als (ungeduldige) Leserin nur langsam in dieser Fantasywelt zurecht. Beisst man sich aber durch, so lässt einen die hoch spannende Geschichte bald nicht mehr los. Unerwartete Fügungen und Wendungen lassen uns gebannt weiterlesen, denn nichts ist so, wie es am Anfang scheint. Das Mädchen mausert sich vom gehorsamen Kind zu einer jungen Frau, die sich ihren Weg selber sucht und die lernt, auf sich selber zu hören. Dass sie von fast allen in ihrer Nähe belogen und ausgenutzt wird, wirft sie auf sich selber zurück.

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Fantasy / bie
978-3-8458-1513-8

Fr. 25.90

Rezension aus Heft 96

Samson, Gideon Hart, Julius 't

Flutlicht

Während des EM-Endspiels Holland–Spanien erinnert sich Pieter an seine Zeit in Sri Lanka. Er verbrachte nach einem Volontariat die Ferien am Strand, begegnete dort der grossen Liebe und wurde vom Tsunami überrascht. Die Erzählung folgt seinen Gedanken, welche zwischen den Zeiten hin- und herspringen. Nach einem holprigen Einstieg fällt es leicht, seinen Erlebnissen zu folgen. Mit der sorgfältigen Wortwahl erzeugen die Autoren wechselnde Stimmungen, starke Betroffenheit und fesselnde Spannung. Durch die sachliche Darstellung wirkt die Erzählung dennoch nüchtern. Einzelne, in englischer Sprache verfasste Dialoge erfordern einfache Englischkenntnisse. Das abrupte Ende klärt alle Fragen und überrascht. Wer Erzählungen mit rasanten Zeitsprüngen mag, findet hier ein Buch voller Spannung und Emotionen. Für Freunde von linearen Geschichten sind die Erinnerungen zu fragmentiert.

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Zeitgeschichte, Katastrophe, Liebe, Tod, Zweisprachig / EK
978-3-8369-5896-7

Fr. 16.90

Rezension aus Heft 96

Sassen, Erna

Komm mir nicht zu nah

Reva und Marjolein pflegen eine besondere Geschwisterbeziehung. Mal suchen sie Nähe, mal brauchen sie Distanz. Reva kommt mit ihrer Welt nicht klar, was sich in Essstörungen und Depressionen äussert. Bei ihrer grossen Schwester sucht sie Halt, indem sie ihr meistens mitten in der Nacht telefoniert und stundenlange Monologe führt. Marjolein ist das oft zu viel. Sie reagiert mal zynisch, mal hilfsbereit und liebevoll, oft fühlt sie sich verantwortlich, dann wieder ist sie abweisend. Die Schilderung der schwierigen Situation zeigt sich auch darin, dass nur die Protagonisten einen Namen haben. Für alle anderen Personen genügt ein Buchstabe. Die Geschichte über das Wechselspiel der turbulenten Gefühle der beiden Geschwister fesselt. Man leidet mit Reva und versteht andererseits Marjoleins Reaktionen. Aussagekräftig ist das Cover: Wir sehen eine tieftraurige, junge Frau auf der Suche nach Nähe.

a / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Familie, Problem, Sucht, Psychologisches / ca
978-3-7725-2862-0

Fr. 25.90

Rezension aus Heft 96

Schröder, Rainer M.

Wolf Moon River

Spannungsgeladen von der ersten Seite an präsentiert sich dieser Thriller, der in der Wildnis Kanadas spielt. Jack hat angeblich seine Kameradin Jennifer im Suff umgebracht. Verzweifelt versucht er, seinen beiden rachsüchtigen Kumpels zu entkommen. Auf der Suche nach Nahrung und Unterschlupf trifft er auf Patrick und Olivia, welche einen Flugzeugabsturz überlebt haben und sich nun auf der Suche nach Hilfe durch das unwegsame Gelände kämpfen. Zunächst liegen die beiden Handlungsstränge weit auseinander, nähern sich aber gegen Ende der Erzählung. Patrick und Olivia mögen sich überhaupt nicht, seine sarkastischen Sprüche verärgern sie. Nach und nach kommt Licht in die Geschichte. Leider ist der Schluss, im Gegensatz zu den ausführlichen Beschreibungen vieler Nebensächlichkeiten, kurz und übereilt. Das Cover zeigt eine dunkle Luftaufnahme eines Waldgebiets und passt hervorragend zum Inhalt.

b / Lesealter 13 / Vorlesealter / J Thriller, Action / ca
978-3-570-17239-1

Fr. 22.90

Rezension aus Heft 96

Sepetys, Ruta

Salz für die See

Während der Untergang der "Titanic" fest im öffentlichen Bewusstsein verankert ist, wird die Bombardierung und Versenkung der dt. "Wilhelm Gustloff" durch die Russen im Januar 1945 mit nahezu 9000 Toten weniger wahrgenommen. Als Flüchtlingsschiff soll es die im Osten eingekesselte Bevölkerung auf ihrer Flucht über die Ostsee in Sicherheit bringen. Mit an Bord sind u.a. Florian, ein dt. Deserteur, Emilia, eine junge Polin, Joana, eine litauische Krankenschwester, und der einfältige Matrose Alfred, der sich zum Soziopathen entwickelt. Die Absicht der Autorin, jeder Figur (bis auf letztgenannte) "ein Geheimnis, einen Schmerz und auch etwas Wundervolles zu geben", macht aus diesem fiktiven historischen Roman etwas ganz Besonderes. Es dauert eine Weile, bis man in die multiperspektivische Erzählweise hineingefunden hat. Dank akribischer Recherche gelingt es, ein erschütterndes Bild zu zeichnen, nicht nur von dieser Schicksalsgemeinschaft, sondern vom Grauen des Krieges allgemein.

a / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Historisches Neuzeit 2. Weltkrieg, Flüchtling, Katastrophe, Schicksal / LK
978-3-551-56023-0

Fr. 28.90

Rezension aus Heft 96

Shelton, Dave

Der 13. Stuhl

Ein gutes Gespensterbuch muss zweifellos aus England kommen, der Wiege dieses Genre. In diesem durchaus neuzeitlichen Buch spielt der Verfasser sehr gekonnt auf der Klaviatur des Gruseligen, was nicht leicht ist, will man nicht ins Kitschige, Lächerliche abrutschen. Der Titel selbst bezieht sich auf die Anzahl der ErzählerInnen, welche des Nachts in einem Gespensterhaus um einen Tisch herum versammelt sind und den Vorredner durch eine möglichst noch gruseligere Geschichte übertrumpfen wollen, bevor ihre eigene Kerze erlischt und sie selbst zum Geist werden ... Sehr überzeugend ist der Aufbau der Erzählung, bei der sich ein Jugendlicher, angezogen durch den diffusen Lichtstrahl unter der Türe, entschliesst, entgegen von Angst und Bedenken, seiner Neugierde zu folgen und die Türe zu öffnen. Die einzelnen Geschichten, die ihm im Folgenden dargeboten werden, sind überaus exquisit und nichts für ängstliche Naturen.

a / Lesealter 13 / Vorlesealter / J Gruseln / Kt
978-3-551-56024-7

Fr. 25.90

Rezension aus Heft 96

Simone, Lara de

Secrets : Was Kassy wusste (Bd. 3)

Hier wird das Geschehen aus Kassys Perspektive erzählt. Die in Band 1 und 2 als cool beschriebene Kassy zeigt sich von einer anderen Seite. Sie fühlt sich schuldig, da sie indirekt an Maries Tod beteiligt ist. Emma und Kassy kommen sich über verschlungene Wege näher. Das Buch endet damit, dass Emma und Kassy das Geheimnis von Kassys Schuld und der Geschwisterliebe von Tom und Marie hüten. Wiederum ist es der Autorin gelungen, die LeserInnen zu faszinieren und ihnen die ganze Tragweite der Geschichte wie auch die unterschiedlichen Perspektiven der Protagonisten bewusst zu machen. Es ist kein Buch mit Tiefgang, doch die Trilogie fasziniert durch die unterschiedlichen Charaktere und Sichtweisen der Hauptdarsteller. Zusätzlich spannend ist, dass jeder Band von einer anderen Schriftstellerin geschrieben worden ist und die Geschichte doch eine Einheit darstellt.

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Freundschaft, Mädchen / ez
978-3-95882-065-4

Fr. 13.90

Rezension aus Heft 96

Smith, Andrew

Winger

Ryan Dean West, Klassenbester, hat es als zwei Jahre jüngerer Schüler nicht leicht mit seinen Mitschülern. Zudem muss er wegen eines Schulstreichs das nächste Jahr bei den Problemschülern schlafen. So scheint er schon bald in der Rolle eines extrem hormongesteuerten, pubertierenden Pechvogels zu sein, der krampfhaft versucht, Annie zu erobern, andere Freundschaften dabei aus den Augen verliert. Diese Geschichte um Jungs, die sich beweisen müssen, und um den von der Pubertät gebeutelten Protagonisten, dessen Gedanken und Handlungen nur hormongesteuert sind, wird in einer passenden und sicher witzigen Art erzählt, gekonnt ausgeschmückt mit kleinen Skizzen und Comics. Wer mit dieser Sprache klarkommt, liest eine lockere, unterhaltsame Geschichte ums Erwachsenwerden – wären da nicht die letzten dreissig Seiten, die mit voller Wucht zeigen, dass diese Jungs doch ein Problem mit Homosexualität haben. Dieses erschütternde Ende sieht man nicht kommen!

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Entwicklung, Pubertät, Liebe / chb
978-3-551-56027-8

Fr. 28.90

Rezension aus Heft 96

Smith, Dan

Shut down : Du hast nur 24 Stunden

Der 13-jährige Ash erwacht in der Krankenstation eines Labors auf einer unbekannten Insel. Verzweifelt sucht er seine Mutter und trifft dabei Isabel, die ihrerseits ihren Vater vermisst. Gemeinsam stossen sie auf ein erschütterndes Geheimnis: Ihre Eltern sind Träger eines hochgiftigen und ohne Gegenmittel tödlichen Virus und deshalb hermetisch eingeschlossen. Das Antidot und der weltgefährdende Virus' wurden von Verbrechern geklaut, die jetzt versuchen, das Diebesgut quer über die Insel zu ihrem Boot zu bringen. Es bleiben den Kindern gut 24 Stunden, um die Diebe zu überwältigen, Viren und Antidot sicherzustellen und damit Eltern und die Welt zu retten. Eine gnadenlose Jagd durch den Dschungel beginnt. Temporeich und anhaltend spannend wird der Wettlauf gegen die Zeit erzählt – für Tiefe und Emotionen bleibt etwas weniger Raum. Eine packende Lektüre für LeserInnen, die Action lieben.

b / Lesealter 13 / Vorlesealter / J Abenteuer, Thriller, Freundschaft / gm
978-3-551-52086-9

Fr. 21.90

Rezension aus Heft 96

St John, Lauren

Glory : Das längste Pferderennen der Welt

Die beiden Jugendlichen Alexandra und Will wollen beide das "Glory" (das längste Distanzreiten aller Zeiten) gewinnen. Alexandra (aus England) wurde von ihren Eltern in ein Erziehungscamp in den Rocky Mountains gesteckt. Von dort flüchtet sie auf einem gestohlenen Pferd und stürzt sich direkt in das Abenteuer des Distanzreitens. Der aus Tennessee stammende Will hat andere Gründe, am Rennen teilzunehmen. Er braucht das Preisgeld,, um seinem Vater eine lebenswichtige Operation zu finanzieren. Die Geschichte hat einige Schwächen. Diverse Menschen und Tiere verhalten sich ungewöhnlich, was sehr unglaubwürdig, teils fast lächerlich wirkt. So wird Alexandra ohne Vorwarnung mitten in der Nacht von zwei wildfremden Menschen aus dem Bett geholt und ins Camp mitgenommen – eine absolut unrealistische Massnahme nach einer ausgearteten Party. Auch häufen sich Zufälle, was der Geschichte die Spannung nimmt. Nur wer grosszügig über die zahlreichen Schwachstellen hinwegblicken kann, wird diese Pferde-Abenteuer-Liebesgeschichte mögen.

c / Lesealter 13 / Vorlesealter / J Tier Pferd, Abenteuer / CB
978-3-7725-2699-2

Fr. 26.90

Rezension aus Heft 96

Vendel, Edward van de Looman, Roy

Krebsmeisterschaft für Anfänger

Der 15-jährige Max erkrankt an Lymphknotenkrebs. Die Diagnose trifft ihn schwer, schliesslich interessiert er sich für Mädchen, erste Küsse, Fussball und seine Clique. Hals über Kopf sieht er sich mit einer Chemotherapie, Krankenhäusern und dieser grauenhaften Übelkeit konfrontiert. Mit dem Kunstgriff, die chronologische Story tagebuchartig und aus einer hautnahen Zustandsbeschreibung dieser Achterbahn an Gefühlen und Daseinszuständen zu schildern, gelingt dem Autorenduo ein betroffen machender Text. Scharfe und sensible Dialoge, nackte Ängste, schillernde Hoffnungen, zerstörerische Furcht und die stete Zuversicht und liebevolle Pflege der Angehörigen sowie die Interventionen des Ärzteteams sind frappant authentisch. Max bietet viel Identifikation an – auch, weil Zweifel und Euphorie sich stets auf einem schmalen Grat von Überleben oder Sterben bewegen. Der Jugendslang, der schnelle Sog des Plots und das gebetsmühlenartige Weitermachen sorgen für viel Spannung und Lesegenuss. Max war/ist übrigens Roy (Looman)! Grossartige Klassenlektüre für die Sekundarschule.

a / Lesealter 13 / Vorlesealter / J Krankheit Krebs, Pubertät / MK
978-3-551-58350-5

Fr. 20.90

Rezension aus Heft 96

Vinesse, Cecilia

Sieben Nächte in Tokio : Roman

Der Countdown läuft: Noch bleiben Sophia sieben Nächte, bis sie ihre besten Freunde in Tokio zurücklassen und in die USA umziehen wird. Über jedem Kapitel steht die verbleibende Zeit, die so unbarmherzig dahinzuschmelzen scheint wie ein Eis in der brütenden Hitze der Stadt. Sophia packt Kisten, feiert mit ihren Freunden und steckt dabei in einem emotionalen Ausnahmezustand. Sie weiss, dieser Teil ihres Lebens wird bald unwiederbringlich zu Ende sein. Dass sie sich in diesen letzten Tagen auch noch verliebt, macht das Ganze zusätzlich schwieriger. Man fühlt sich direkt mitten in das pulsierend-lebendige Tokio hineinversetzt. Sophias Freunde zeigen sich nicht immer von der sympathischen Seite, was den Fluss der Geschichte aber nicht stört. Die Abschiedsstimmung Sophias letzter Tage in Tokio wird sehr gut eingefangen und ihr Gefühlschaos wirkt authentisch. Das macht das Buch absolut lesenswert.

a / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Freundschaft, Heimat, Liebe / CB
978-3-423-76149-9

Fr. 19.90

Rezension aus Heft 96

Weitz, Chris

Young World : Nach dem Ende (Bd. 2)

Endlich ist das Gegenmittel gefunden! Doch Jefferson und Donna können die Menschheit nicht retten. Sie stecken in Einzelhaft. Nach endlos scheinender Zeit erlaubt man ihnen mehr Freiheiten. Wem können die Jugendlichen wirklich vertrauen? Die Ereignisse überschlagen sich plötzlich. Während Donna sich in Sicherheit befindet, muss Jefferson in New York um sein Leben kämpfen. Dieser Band startet gleich wie Band 1 (s. Heft 95, S. 35) temporeich und mit sehr viel Action. Die Handlung entwickelt sich in eine komplett neue Richtung. Sie wird um einige neue Blickwinkel und Erkenntnisse sowie politische Überlegungen ergänzt. Die schwierige Gratwanderung, den LeserInnen neue inhaltliche Aspekte aufzuzeigen und gleichzeitig die Spannung beizubehalten, ist dem Autor gut gelungen.

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Fantasy / AS
978-3-423-76137-6

Fr. 25.50

Rezension aus Heft 96

Albertalli, Becky

Nur drei Worte

Zwei Jungen schreiben sich anonyme E-Mails und tauschen sich über ihre Gefühle und ihre Homosexualität aus. Jedes zweite Kapitel enthält einen unkommentierten Ausschnitt aus dem E-Mail-Verkehr der beiden. Dazwischen erzählt Simon aus seiner Sicht von den Geschehnissen und seinen Gedanken. Die Suche nach der Identität seines Freundes sowie die Erpressungsversuche eines Mitschülers prägen seinen Alltag. Bei allen Turbulenzen stehen ihm seine Familie und seine besten Freunde bei. Der Autorin ist es gelungen, einfühlsam und nachvollziehbar die Gefühlsschwankungen der Pubertät einzufangen. Sie lässt die LeserInnen die Emotionen und die herausfordernde Zeit vor und nach dem Coming-out miterleben. Eine spannende, zeitgemässe Liebesgeschichte mit Happy End. (s. Kapitel 10, Hörbücher)

a / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Junge, Homosexualität, Pubertät, Familie, Schule / EK
978-3-551-55609-7

Fr. 24.50

Rezension aus Heft 95

Belitz, Bettina

Die Diamantkrieger-Saga : Damirs Schwur (Bd. 1)

Sarah kann Diamanten hören, darum stiehlt sie für Kratos, Fürst der Unterwelt, Diamanten. Mit dem Geld finanziert sie die Pflege ihrer Grossmutter. Alles ändert sich aber, als sie bei ihren Diebestouren von einer Gestalt verfolgt wird. Von Visionen zunehmend geschwächt, kann sie ihren Job immer schlechter ausführen. Als Kratos sie umbringen will, wird sie von Damir, dem geheimnisvollen Mann, gerettet. Soll sie sich nun den Diamantkriegern anschliessen oder diese verlassen, um sie vor der Rache Kratos zu schützen? Das spannende Buch erzählt von einer pubertierenden, aufmüpfigen und eigenwilligen Heldin. Diese verfügt im Grund ihres Herzens über viele Tugenden und hat Mitleid mit Menschen, denen es schlecht geht. Die Rolle der Diamantenkrieger bleibt noch unklar. Doch die Neugier ist geweckt und LeserInnen sind gespannt auf die Fortsetzung.

a / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Fantasy / ez
978-3-570-16417-4

Fr. 24.50

Rezension aus Heft 95

Blazon, Nina

Feuerrot

Ravensburg, 1484: Die junge Madda arbeitet als Dienstmagd bei der reichen Patrizierfamilie Humpis. Nach verheerenden Hagelstürmen droht eine Missernte, die vor allem die armen und immer mehr abergläubischen Leute hart trifft. Dies macht sich der Inquisitor Kramer zunutze. Er schürt mit seinen Predigten Hass und Misstrauen. Anschaulich wird die Zeit der Inquisition geschildert. Die Hexenverfolgungen treffen unschuldige Frauen, die im Gefängnis gefoltert und auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden. Im Anhang finden die LeserInnen ein erläuterndes Nachwort und ein Glossar mit Worterklärungen. Die Geschichte kombiniert wahre Begebenheiten um Personen, die wirklich existiert haben, mit fiktiven Figuren. So ist ein fesselnder, gut recherchierter Roman entstanden, der durch seine Anschaulichkeit besticht.

a / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Historisches Mittelalter, Hexe / AS
978-3-473-40133-8

Fr. 24.90

Rezension aus Heft 95

Boecker, Virginia

Witch Hunter : Roman

In Anglia ist Magie strengstens verboten. Blackwell hütet darüber und verfolgt Hexen unbarmherzig. Elizabeth ist eigentlich eine Hexenjägerin, doch da wird sie der Hexerei angeklagt und landet im Kerker. Der meistgesuchte Zauberer Nicholas rettet sie. Er braucht sie, damit sie ihn von einem Fluch befreit. Elizabeth merkt mit der Zeit, dass sich Blackwell selber der Magie bedient und ihre Welt auf Lügen aufgebaut ist. Es gelingt ihr, den Fluch von Nicholas zu nehmen. Blackwell kommt an die Macht und plötzlich ist Magie wieder erlaubt. Ein spannendes Buch, das die LeserInnen (vor allem zu Beginn) völlig in den Bann zieht. Zentrales Thema ist Macht versus Menschlichkeit und Ehre. Als LeserIn zu verfolgen, wie Elizabeth sich allmählich von alten Werten löst und sich in eine ethisch-handelnde Person verwandelt, ist beeindruckend.

a / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Fantasy, Hexe / ez
978-3-423-76135-2

Fr. 24.50

Rezension aus Heft 95

Bondoux, Anne-Laure

Von Schatten und Licht

Die preisgekrönte Autorin schreibt hier ein modernes Märchen-Mashup voller Symbolik, mit Reminiszenzen an die Arbeiterliteratur. Es ist eine Hommage an fatal-romantische Beziehungen: Hama und Bo arbeiten in einer Waffenfabrik, ihre Begegnung ist die grosse Liebe. Obwohl sie sich nicht oft sehen (Schichtarbeit), erleben sie inmitten der industriellen Monotonie unbeschwertes Glück. Bei einem Unfall verliert die schwangere Hama ihre Hände und ein gigantisches Feuer vernichtet ihre Heimat. Dies zwingt sie zur abenteuerlichen Flucht. Seltsame Begegnungen und steinige Hindernisse in einem mythischen Wald verleihen der düsteren Lektüre Spannung. Im zweiten Teil der Dystopie trifft deren erwachsene Tochter Tsell auf eine Kommune, die eine vertikal angelegte Tunnelwelt besiedelt. Statt Namen tragen die Menschen Nummern und Funktionen, die viele Berufsfelder in einem Mikrokosmos abbilden. Die teils bizarren Landschaften und Seelenzustände bieten Poesie und identifikatorische Erkenntnisse für gefühlsstarke Jugendliche.

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Märchen, Familie, Liebe / MK
978-3-551-55667-7

Fr. 25.90

Rezension aus Heft 95

Brandis, Katja

Freestyler : Roman

Das Buch spielt in naher Zukunft (2030). Die Weltklasse-Sprinterin Jola träumt von einer olympischen Medaille. Ihr Trainer motiviert sie, ihren Körper optimieren zu lassen, d.h. sich ein paar zusätzliche Muskeln einbauen zu lassen, um so in der neuen Kategorie der Freestyler (Behinderte, die ihr Handicap mit Prothesen u.Ä. eliminieren) mehr Chancen zu haben. Jola muss sich entscheiden, obwohl sie die Langzeitrisiken nicht kennt. Neben diesen ethischen Fragen, die kontrovers behandelt werden, muss Jola auch zwischen zwei Männern wählen. Sie liebt gleichzeitig ihren Trainer und auch einen Sportler, der beide Beine verloren hat. Obwohl er mit Carbonfedern bei den Freestylern kämpft, ist er kategorisch gegen Jolas Operation. Das Buch fesselt Jugendliche beiderlei Geschlechts, die nicht nur auf Liebesgeschichten stehen, sondern sich auch mit aktuellen Themen auseinandersetzen, denn der heutige Schönheitswahn mit den vielen kosmetischen Eingriffen gehört wohl auch in die Kategorie "Optimierung".

a / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Gesellschaftskritik, Science-Fiction / bie
978-3-407-82101-0

Fr. 21.90

Rezension aus Heft 95

Cavallaro, Brittany

Holmes & ich : Die Morde von Sherringford (Bd. 1)

Jamie Watson und Charlotte Holmes sind Nachkommen berühmter Detektive. Als ein Mitschüler ermordet wird, geraten sie unter Verdacht, denn der Mord ist nach einem berühmten Fall von Holmes inszeniert. Noch mehr berühmte Fälle der beiden Detektive werden inszeniert. Holmes versucht herauszufinden, wer ihr und Watson Böses will, doch alle Spuren verlaufen im Sand. Schlussendlich gelingt es Holmes, die Morde aufzuklären. Das spezielle Buch rollt die Geschichte beider Familien auf. Charlotte Holmes wird als geniale Nachfahrin geschildert, die aus einer etwas verschrobenen, aber mächtigen Familie stammt. Watson hingegen erinnert eher an einen normalen Jugendlichen, der mit der Trennung seiner Eltern beschäftigt ist. Das Buch zieht die LeserInnen immer wieder in Bann, auch wenn vieles etwas konstruiert und unwahrscheinlich wirkt. Trotzdem lesenswert.

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Krimi / ez
978-3-423-76136-9

Fr. 21.90

Rezension aus Heft 95

Cousins, Dave

Warten auf Gonzo

Marcus muss gegen seinen Willen mit seiner Familie aufs Land ziehen. Von Anfang an geht alles schief: Der Start in der Schule misslingt, die Mutter ist wegen ihrer geplanten Ausstellung gestresst, der Vater mit der Hausrenovation überfordert, seine verzweifelte Schwester ist ungewollt schwanger! So ist Marcus auf sich alleine gestellt. Das Buch ist wie ein Brief gestaltet, den Marcus an das ungeborene Kind richtet, das er Gonzo nennt. Ihm kann er all seine Sorgen erzählen, von der verzweifelten Suche nach Freunden und von den vielen Fettnäpfchen, in die er dauernd tritt. Nebst wirklich ernsten Themen, die der Roman einfühlsam aufgreift, kann man aber auch immer wieder herzlich lachen, denn viele Dialoge sind sehr witzig geführt. Ein tolles Buch für Jungs.

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Familienkonflikt / bie
978-3-7725-2779-1

Fr. 26.90

Rezension aus Heft 95

Crossan, Sarah

Eins

Die beiden 16-jährigen Grace und Tippi sind siamesische Zwillinge und an der Hüfte zusammengewachsen. Erstmalig sollen sie nun auf eine Privatschule gehen. Das Verlassen ihres bisherigen geschützten Rahmens, das Finden neuer Freunde (und einer ersten, zaghaften Liebe) und die nicht ausbleibenden familiären Konflikte (auch in finanzieller Hinsicht) werden mit einer kompromisslosen Eindringlichkeit erzählt, die unter die Haut geht. Als Grace herzkrank und die Frage nach einer Trennung akut wird, steigert sich die Gewissensnot ins Unermessliche. – Direkt und unverblümt werden wir mit dieser ungewöhnlichen Thematik konfrontiert. Bravourös wird die Gefahr des voyeuristischen Erzählens umgangen. Im Gegenteil: Die aussergewöhnliche Form des in gebundener Sprache erzählten Versromans schafft es in seiner Reduktion beispielhaft, die Befindlichkeit der Protagonistinnen in all ihren Facetten wie Schlaglichter aufleuchten zu lassen, bis sie sich zu einem berührenden Ganzen zusammenfügen. (Unterrichtsmaterial auf www.mixtvision-verlag.de)

a / Lesealter 16 / Vorlesealter / J Krankheit Siamesische Zwillinge, Aussenseiter, Familienkonflikt, Problem / LK
978-3-95854-057-6

Fr. 23.50

Rezension aus Heft 95

Curtis, Marci Lyn

Alles, was ich sehe

Nach einer Hirnhautentzündung ist Maggie blind. Diesen Schicksalsschlag zu akzeptieren, fällt dem schon immer aufmüpfigen Mädchen schwer, sie wird sarkastisch und reagiert mit Rückzug und Verweigerung. Das ändert sich schlagartig, nachdem sie den 10-jährigen Ben kennenlernt und ihn (aber nur ihn) nach einem Sturz sehen kann. Mit seiner knallhart-realistisch erfrischenden Art reisst er sie aus ihrem Selbstmitleid und ihrer verweigernden Haltung. Maggie schliesst man im Gegensatz zum liebenswerten, intelligenten Ben nicht einfach ins Herz. Mit ihrer jugendlich saloppen Sprache charakterisiert die Autorin das Mädchen recht gut, lässt sie in einem fürsorglichen Umfeld anecken und mit Bens aufrüttelnden Fragen sich auch entwickeln. Natürlich ist auch eine Liebesgeschichte (Maggie himmelt Bens Bruder, Sänger einer famosen Band, an) eingewoben und das nicht in allen Belangen ganz überzeugende Buch endet zugleich traurig und schön.

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Krankheit, Entwicklung, Liebe / chb
978-3-551-56022-3

Fr. 27.50

Rezension aus Heft 95

De Leeuw, Jan

Eisvogelsommer

Es ist dem Autor gelungen, den schwermütigen Inhalt in viel Poesie einzupacken. Die bildhaften Beschreibungen geben sowohl der Leichtigkeit als auch der Schwere des Geschehens genügend Raum. Protagonist Thomas ist als Jugendlicher bei einem Unfall gestorben. Er scheint die ihm nahestehenden Menschen während der Trauerzeit zu begleiten und berichtet aus seiner Sicht in scheinbar willkürlicher Reihenfolge von Erlebnissen vor seinem Tod sowie den Geschehnissen danach. Dennoch verbinden sich die unterschiedlichen Lebensgeschichten in einer tröstenden Erzählung. Die sachliche, wertfreie und detaillierte Sprache macht Zusammenhänge sichtbar und lässt Verständnis wachsen. Ein wunderbares Buch über schwierige Themen.

a / Lesealter 16 / Vorlesealter / J Tod, Familienkonflikt, Freundschaft, Generationen, Pubertät / EK
978-3-8369-5841-7

Fr. 21.90

Rezension aus Heft 95

Denis, Elisabeth

Secrets : Wem Marie vertraute (Bd. 2)

In diesem Band erzählt Marie, wie sie sich in ihren Cousin verliebt, dies aber niemandem erzählt. Marie findet heraus, dass ihr vermeintlicher Cousin Tom eigentlich ihr Halbbruder ist. Endlich wird ihr auch klar, warum ihre Mutter sich mit der Schwester überworfen hat: Ihr Vater hatte ein Verhältnis mit der Schwester. An der Abschlussparty lässt sich Marie von Kassy provozieren. Es scheint, dass sich Marie in der Folge freiwillig vom Felsen stürzt. Diese Vermutung wird nun mit dieser Geschichte erhärtet. Die beschriebenen Vorkommnisse werden hier aus einer anderen Perspektive erzählt und das ergibt eine neue Sichtweise auf die selben Begebenheiten. Das Buch erzählt sehr eindrücklich davon, wie Geheimnisse Familien zerstören können, und beschreibt grosse Gefühle. Spannend und berührend. (s. Kapitel 4.1, Oberstufe – Pusch, Daniela)

a / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Freundschaft, Mädchen / ez
978-3-95882-063-0

Fr. 13.90

Rezension aus Heft 95

Feige, Marcel

Gewaltloser Rebell : Die Lebensgeschichte des Mahatma Gandhi

Eigentlich war er kein Held, doch Gandhi wurde zur Stilikone für den gewaltlosen Widerstand, wenn man den gewissenhaft recherchierten aber natürlich ausschweifenden Schilderungen des Biografen glaubt. In seinem Privatleben scheint der sanft lächelnde Mahatma viel eher ein verbohrter Egomane gewesen zu sein, der seiner eigenen Frau wie auch seinen Kindern seine Ideologien direktiv verordnete. Für den Autor scheint eine gewisse Ichbezogenheit nötig zu sein, um solch einen radikalen Weg gehen zu können. Das Aufreihen der präzise und ausführlich beschriebenen, komplexen Lebensstationen Gandhis führen zeitweise zu einer etwas langatmigen Lektüre, die viel Ausdauer und eine gewisse Begeisterung für dessen Ideologien voraussetzt.

c / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Biografisches Mahatma Gandhi / moz
978-3-407-81212-4

Fr. 21.90

Rezension aus Heft 95

Frank, Astrid

Unsichtbare Wunden

Mit kleinen Sticheleien und Teenagerknatsch fängt es an, bald werden die fiesen Belästigungen gegenüber der 13-jährigen Anna so gross, dass sie am liebsten sterben würde. Den einzigen Trost findet sie bei ihrem Pferd. Alle sehen zu, wie Annas Lebensfreude und Selbstwertgefühl zerbrechen. Niemand will etwas merken oder hat den Mut, Anna zu helfen. Die höchst feinfühlige Geschichte zeigt auf eindrückliche Weise, wie Mobbing entsteht. Alle Rollen in diesem bösen Spiel werden treffend dargestellt: Opfer, Täter, Mitläufer, Wegschauer, die Lehrer eingeschlossen. Vaters Bemühungen, die Schuldigen nach dem tödlichen Reitunfall seiner Tochter zu finden, lesen sich wie ein Thriller. Tagebucheinträge und die Erzählung vom Drama, das sich nach Annas Tod abspielt, wechseln sich ab: bis zur letzten Seite mitreissend, bewegend und sehr realitätsnah erzählt.

a / Lesealter 13 / Vorlesealter / J Freundschaft, Aussenseiter / CW
978-3-8251-7966-3

Fr. 21.90

Rezension aus Heft 95

Gricksch, Gernot

Ghetto Bitch : Roman

Nele und Timo wachsen in einem reichen Viertel auf und besuchen eine teure Privatschule. Als der Vater bei einem Unfall stirbt und nur Schulden hinterlässt, ist die Familie geschockt – der rasante soziale Abstieg schmerzt fast noch mehr als der Verlust des Vaters. Die Familie verbreitet das Gerücht, dass sie nach NY zieht, um den Umzug ins Sozialempfängerhochhaus im "Asi-Viertel" nicht bekannt geben zu müssen. Während sich Nele langsam in der "Proletenschule" eingewöhnt, verstrickt sich Timo in die kriminellen Machenschaften einer Gang. Natürlich wird die Familie schliesslich auch von ihren Ex-Nachbarn entdeckt. Die Lage spitzt sich schnell zu, die Spannung ist fast nicht auszuhalten: Ein Totalabsturz scheint das einzig mögliche Ende. Neles Zerrissenheit und ihre Gefühle für die alten und neuen Freunde werden sehr glaubwürdig geschildert. Die Frage nach dem Platz, wo man hingehört, wird hier spannend und breit behandelt.

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Familienkonflikt, Soziales / bie
978-3-7915-0006-5

Fr. 20.90

Rezension aus Heft 95

Hitchcock, Bonnie-Sue

Der Geruch von Häusern anderer Leute

Alaska in den 1970er-Jahren: Wir erfahren von Ruth, Dora, Alyce und Hank, die kapitelweise abwechselnd von sich erzählen, dass es nicht einfach ist, hier Jugendlicher zu sein. Ruth erwartet ein Baby, Dora wird vom Vater missbraucht, Alyce ist hin- und hergerissen zwischen eigenem Traum und den Wünschen ihrer Eltern, Hank flieht vor einem gewalttätigen Vater. Die Geschichten dieser Figuren erzählt die Autorin in grandioser Art und Weise, vor dem Hintergrund einer eher unwirtlichen Landschaft. Sie gestaltet vorerst vier Erzählstränge und verwebt sie am Schluss gekonnt zu einem dichten Ende. Sie schreibt scharfsinnig, präzis, aber auch blumig und emotional, sodass Stimmungen und Gerüche wahrnehmbar werden und viele Bilder vor unseren Augen auftauchen. Ein bemerkenswertes Buch, ein wunderschönes Cover: Die Geschichte hallt lange nach.

a / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Entwicklung, Familie, Amerika Alaska / chb
978-3-551-56021-6

Fr. 25.90

Rezension aus Heft 95

Jordan, Sophie

Infernale

Ist menschliches Verhalten angeboren oder macht uns die Umwelt zu dem, was wir sind? Diese Frage ist das Thema dieses Buches, des ersten von zwei Bänden. Im Jahr 2021 werden alle Menschen auf das bei Mördern nachgewiesene HTS-Gen getestet. Als es auch bei der 17-jährigen Davy gefunden wird, verändert sich ihr Leben grundlegend: Ihre Freunde meiden sie, die Beziehung zu ihrem Freund zerbricht, ihre Eltern sind überfordert. Die hochbegabte Davy muss die Schule wechseln. Unter ständiger Beobachtung wird sie zusammen mit anderen HTS-Trägern unterrichtet. Eindrücklich und ausführlich geht es anfangs vor allem um Davys Identitätsverlust nach der Diagnose. Danach lernt sie sich in ihrem recht aggressiven Umfeld zu behaupten. Das Buch endet mit Davys Flucht. Die packende Grundidee wird mitreissend umgesetzt. Neben Spannung und Action auch Stoff zum Nachdenken!

a / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Aussenseiter, Fantasy / CB
978-3-7855-8167-4

Fr. 24.90

Rezension aus Heft 95

Kirchner, Angela

Über den Dächern wir zwei

Seit drei Jahren spricht Mina nicht mehr mit Theo. Sie hat ihn aus ihrem Leben verbannt. Als sein Bruder Mike einen Unfall hat (es scheinen Drogen im Spiel zu sein), nähern sie sich wieder an. Dabei entdeckt Mina, wie viele Probleme in Theos Familie nicht angesprochen werden. Das Buch, z.T. in eigenwilliger, bildlicher Sprache verfasst, ist eigentlich eine Liebesgeschichte und beginnt mit viel Unausgesprochenem, Rätselhaftem. Nach und nach schält sich der Gegensatz der beiden Familien immer mehr heraus: Minas Familie strahlt Wärme, Fürsorglichkeit und Anteilnahme aus. Theos Familie scheint zwar Geld zu haben, doch ist eine emotionale Kälte spürbar. Gleichzeitig verbirgt sich eine Suchtthematik. Das Buch endet offen, aber hoffnungsvoll. Die LeserInnen bleiben mit dem Gefühl zurück, dass es mindestens für Mina und Theo eine Zukunft geben kann.

b / Lesealter 13 / Vorlesealter / J Freundschaft, Familienkonflikt / ez
978-3-95882-118-7

Fr. 13.90

Rezension aus Heft 95

Klippel, Christian

Verdammt schönes Leben

Das durchgeknallte Roadmovie versprüht dank Perspektive und provinziellem Kolorit viel Italianità: Entnervt setzt sich Laura aus ihrem Leben ab, gelangt per Autostopp nach Italien und gerät in einen Strudel von Ereignissen rings um eine himmelblaue Vespa. Episodisch und flott erzählt, fiebern wir den Abenteuern von drei Jugendlichen entlang. Der uralte Roller gehört zwei zwielichtigen Typen, Guido und Walter. Die drei lassen sich (schwer verliebt!) durch den Tag treiben, baden im Meer, schlafen unter freiem Himmel, werden verfolgt von einem brutalen Carabiniere, beschaffen sich kleinkriminell Geld und Drogen. Was echt ist, was fantasiert wird oder in die wilden Träume des Unterbewusstseins nach Lauras lebensbedrohlichem Unfall gehört, bleibt öfters unklar, schmälert jedoch die teils skurrile Handlung nie. Der Text entfaltet einen ganz eigenen romantischen Sog, der die harte Realität hoffnungsloser Jugendlicher zwischen Gewalt und Prostitution aufs Klügste zu karikieren vermag.

a / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Liebe, Roadmovie / MK
978-3-522-20222-0

Fr. 21.90

Rezension aus Heft 95

Kreslehner, Gabi

PaulaPaulTom ans Meer

Die 15-jährige Paula hat einen älteren, autistischen Bruder. Paul wohnt in einem 200 Kilometer weit entfernten Heim. Damit er beim Familienfest dabei sein kann, muss Paula ihn dort alleine abholen. Diese Zugreise erweist sich als Glücksfall, denn im Zug lernt sie Tom kennen. Sie verlieben sich und fahren statt nach Hause zu dritt gemeinsam ans Meer. In dieser turbulenten Geschichte geht es um die Kindheit, aber mehr noch um das Erwachsenwerden, um Vertrauen und Liebe. Die Autorin hat eine ganz eigene, charakteristische Erzählweise. Bei Paul wirkt dieser spielerische Umgang mit der Sprache toll, denn er liebt und erfindet Wörter und setzt sie wie Puzzleteile zusammen. Ob Jugendliche etwas mit dieser virtuosen Sprache anfangen können, bleibt dahingestellt. Dieser Entwicklungsroman trifft die Gefühle der Teenager jedoch gut.

b / Lesealter 14 / Vorlesealter 13 / J Liebe, Familie, Entwicklung / AS
978-3-7022-3521-5

Fr. 20.90

Rezension aus Heft 95

Kuhn, Krystyna

Monday Club : Der zweite Verrat (Bd. 2)

Faye ist seit dem Tod ihrer Freundin Amy nicht mehr das angepasste, naive Mädchen. Es sind zu viele rätselhafte Dinge geschehen. Alle Erwachsenen scheinen sie ihr Leben lang belogen zu haben und sind in die Geschichte verstrickt. Faye will die Wahrheit herausfinden. In Luke findet sie einen kritischen Verbündeten und gemeinsam mit ihren Freunden versucht sie, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Am Ende dieses Bandes erkennt sie ihre Gabe. Sie kann zwischen Totenreich und realer Welt hin- und herwechseln. Das Buch beginnt mit einer kurzen Zusammenfassung des 1. Bandes: Sinn und Zweck des Monday Clubs werden fragmentarisch dargestellt. (s. Heft 94, S. 45) Die Fortsetzung hat wenig Tiefgang, auch wenn Faye auf der Suche nach Selbständigkeit ist. Trotzdem ist sie spannend, z.T. mysteriös und unwahrscheinlich, ohne fiktiv zu sein. Das angedeutete, sehr überraschende Ende macht somit neugierig auf den 3. Band.

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Krankheit, Wissenschaft, Tod / ez
978-3-7891-4062-4

Fr. 23.50

Rezension aus Heft 95

LaBan, Elizabeth

So wüst und schön sah ich noch keinen Tag

Der 17-jährige Collegeabsolvent Duncan findet von seinem Jahrgangsvorgänger Tim dessen selbst besprochene CDs, auf denen Letzterer seine tragisch endende Schulzeit festgehalten hat. Als Albino ausgegrenzt, hat er sich nicht getraut, zu seinen Gefühlen für die allseits umworbene Vanessa zu stehen. Erzähltechnisch interessant ist die Tatsache, dass die Engführung hin zur Tragödie sowohl aus Tims Ich- als auch aus Duncans Er-Perspektive erzählt wird. Verbindendes Element hierbei ist die von allen zu schreibende Jahresarbeit zum Thema "Tragödie in der Literatur" (zahlreiche Shakespeare-Zitate!). Dennoch beschleicht einen bei fortlaufender Lektüre das Gefühl des "Zu-viel-des-Guten": Die Parallelführung des Plots und die Korrespondenz mit dem Tragödienaufsatz wirken zwar wie am Reissbrett entworfen, fügen sich aber dennoch zu einem Ganzen. So ist ein durchaus süffig zu lesendes Debüt entstanden.

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Aussenseiter, Liebe, Freundschaft, Krankheit Albinismus / LK
978-3-446-25082-6

Fr. 21.90

Rezension aus Heft 95

Littman, Sarah Darer

Die Welt wär besser ohne dich

Lara kann es kaum glauben, als ihr der umwerfend gut aussehende Christian auf Facebook eine Freundschaftsanfrage sendet. Beim Chatten mit Christian verliebt sie sich in ihn und schwebt auf Wolke sieben. Er scheint ihre Gefühle zu erwidern. Doch dann bricht er den Kontakt mit ihr unvermittelt ab und postet gemeine Kommentare auf ihrer Pinnwand. Als weitere fiese Kommentare von "Freunden" folgen, will Lara ihrem Leben ein Ende setzen. Sie ahnt nicht, dass Christian nur eine Erfindung ihrer ehemals besten Freundin Bree ist, die ihr eins auswischen will. Die Geschichte zeigt auf, welche Kreise Cybermobbing und Selbstjustiz ziehen können. Abwechselnd erzählt aus der Sicht der Täterin, des Opfers und der Geschwister der beiden wirkt die Geschichte sehr glaubwürdig. Einziger Minuspunkt ist die Rolle von Brees Mutter, die sich selbst am Mobbing beteiligt, was den Bogen etwas überspannt.

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Problem, Soziales, Familie / CB
978-3-473-40135-2

Fr. 22.50

Rezension aus Heft 95

Luu, Que Du

Im Jahr des Affen

Jeden Tag von früh bis spät arbeitet der Vater in seinem recht und schlecht gehenden China-Restaurant. Minh Thi (genannt Mini) hilft manchmal dort aus und will nach dem Herzinfarkt des Vaters den Koch und Kellner unterstützen. Ausgerechnet jetzt taucht der chinesische Onkel auf und mischt sich ein. Sein Verhalten und seine Ansichten scheinen ihr fremd und doch erfährt sie von ihm von der Flucht der Familie aus Vietnam. So wird sie gezwungen, sich den vielen Fragen um Herkunft, Identität und Heimat zu stellen. Die Autorin kennt die Situation aus eigener Erfahrung nur zu gut. Sie lässt Mini unaufgeregt aus ihrer Sicht erzählen. Zusätzlich durch eine erste Liebe herausgefordert spürt das Mädchen Stimmungen und Gefühlen nach, lässt ihren Gedanken freien Lauf und sucht nach der Antwort, wo sie im Widerstreit zweier so fremder Kulturen steht. Ein feines, nachdenkliches Buch!

a / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Entwicklung, Flüchtling / chb
978-3-551-56019-3

Fr. 24.50

Rezension aus Heft 95

Mulligan, Andy

Liquidator

Der neue Thriller des preisgekrönten, risikofreudigen Autors von «Trash» liegt in einer schrill-dominanten Message vor: LIQUIDATOR heisst der brandneue, beliebte Energydrink für Sieger, er schmeckt nicht nur fantastisch und alle trinken ihn – er macht praktisch süchtig. Als auffliegt, dass der Getränkekonzern die Zutaten an armen Kindern in Afrika getestet hat, läuft in der Jugendgruppe einiges aus dem Ruder. Denn es wird plötzlich publik, dass eines davon gerade an den Folgen stirbt. Vicky, Katkat und Ben stossen bei ihrem Schulpraktikum zufällig auf diese furchtbare Wahrheit und geraten unmittelbar in gefährliche Konfrontation mit jenem Konzern, der wild entschlossen ist, sie aus dem Weg zu schaffen. Schonungslos offen und sozialkritisch die Gefahren der skrupellosen Industriemafia auslotend, nimmt der Autor kein Blatt vor den Mund und beherrscht parallel den aktuellen Jugendslang, der den Text höchst authentisch wirken lässt.

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Thriller, Soziales, Problem / ES
978-3-499-21724-1

Fr. 23.50

Rezension aus Heft 95

Olshan, Ruth

All die schönen Dinge

Die 16-jährige Tammie hat ein sehr sonderbares Hobby. Sie verbringt ihre Freizeit auf dem Friedhof. Dort studiert sie Grabsteine und liest deren Inschriften. Wir erfahren, dass Tammie an einem gefährlichen Aneurysma im Kopf erkrankt ist. Diese Zeitbombe kann jederzeit explodieren. Dadurch verstehen wir die seltsame Freizeitbeschäftigung des jungen Mädchens besser. Und genau auf dem Friedhof verliebt sich Tammie zum ersten Mal. Hoffnungsvoll beginnt sie zaghaft an das Leben zu glauben, obwohl ihr unbeschwerte Gedanken an eine glückliche Zukunft verwehrt bleiben. Sie beschliesst, die Angst fortzujagen. Wie sich die Liebesgeschichte, aber auch die Krankheit entwickeln, erfahren wir nicht. Trotz der belastenden Thematik wirkt das Buch nicht sentimental. Es beeindruckt, wie tiefgründig, sensibel und dennoch humorvoll das Thema Tod behandelt wird.

a / Lesealter 13 / Vorlesealter / J Krankheit Aneurysma, Liebe, Tod / GF
978-3-7891-0371-1

Fr. 20.90

Rezension aus Heft 95

Petersen, Martin

Exit Sugartown

Auf eindrückliche, auch für Erwachsene tiefgehende Weise erzählt die 17-jährige Dawn von ihrem Schicksal als Migrantin. Aus finanzieller Not und weil sie keine Zukunftsperspektive hat, flieht sie aus ihrem Heimatland. Detailliert und glaubwürdig beschreibt die Geschichte, was das Mädchen auf der Flucht erlebt, wie sie im "Weissen Land“ ankommt und für ein gutes Leben kämpft. Das Wichtigste ist ihr stets, Geld für ihren kleinen Bruder ins Heimatland zu schicken, damit dieser eine bessere Zukunft erhält. In ihrer Not lässt sie sich mit einer Gangsterbande ein und wird von ihr nicht mehr freigelassen. Sie muss aufs Schlimmste spüren, wie schutzlos und ausgeliefert sie ist. Bis zur letzten Seite höchst dramatisch und mitreissend geschrieben: Das aktuelle Thema von Schlepperbanden, Rechtlosigkeit und gnadenloser Ausnutzung berührt und macht betroffen.

a / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Flüchtling, Schicksal / CW
978-3-7915-0007-2

Fr. 20.90

Rezension aus Heft 95

Pusch, Daniela

Secrets : Wen Emma hasste (Bd. 1)

Eigentlich sind Kassy, Marie und Emma Freundinnen. Marie und Emma kennen sich von klein auf. Als Kassy später dazukommt, fühlt sich Emma an den Rand gedrängt. Sie rächt sich, indem sie Kassy auf Facebook blossstellt. Kurze Zeit später stürzt Marie bei ihrer Abschlusspartie über die Klippen. Was ist passiert? Bei der Trauerfeier erzählt Emma die Wahrheit über sich und die Party, die zum Tod von Marie geführt hat. Nun steht Mord im Raum. Es ist eine faszinierende Geschichte über drei Freundinnen, erzählt aus Emmas Perspektive. Ihre Erleichterung, als sie endlich alle angesammelten Geheimnisse aussprechen kann, ist deutlich zu spüren. Themen wie Mobbing, Umgang mit den neuen Medien, Rache, Eifersucht und Verliebtsein werden offen angesprochen und sind Grund der Auseinandersetzungen dieser Teenager. (s. Kapitel 4.1, Oberstufe – Denis, Elisabeth)

a / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Freundschaft, Mädchen / ez
978-3-95882-061-6

Fr. 13.90

Rezension aus Heft 95

Rademacher, Nana

Wir waren hier

2039: Auch wenn es sich im völlig zerstörten Berlin nicht lohnt, versucht Anna mit ihren Freunden zu überleben. Denn da ist Ben, ihre grosse Liebe. In einer Stadt, in der es kaum zu essen, selten Strom und Wasser und noch viel seltener gute Menschen gibt, werden die beiden ein Paar. Sie sind ständig auf der Flucht vor Soldaten, ständig in Angst, entdeckt zu werden. Dann gelingt ein lang geplanter Aufstand. Scheint doch eine Zukunft möglich? Das Buch wirft unbequeme Fragen auf. Die beklemmende Stimmung und die Angst sind beim Lesen omnipräsent. Die Protagonistin nimmt uns mit in ein Leben voller Zweifel und Angst. Sie stellt uns die Frage, ob man selber aufgrund von Hunger und Angst zum Mörder würde. Das Buch, das ohne grosse Action-Szenen auskommt, überzeugt mit einer klaren Sprache und bildhaften Schilderungen. Die beklemmende Stimmung wirkt lange nach.

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Gesellschaft, Krieg / Ki
978-3-473-40139-0

Fr. 22.50

Rezension aus Heft 95

Rodtnes, Nicole Boyle

Wie das Licht von einem erloschenen Stern

Auf einer Party stürzt Vega in einen halbgefüllten Pool und schlägt mit dem Kopf auf. Seither kann sie nicht mehr sprechen, lesen und schreiben, während ihre Gedanken aber einwandfrei funktionieren. Die Kommunikation mit anderen ist fast unmöglich. Ihre besten Freunde sind oft ratlos und Vega zieht sich immer mehr zurück. Vegas Gefangensein in der Aphasie und die damit verbundene Einsamkeit werden sehr einfühlsam beschrieben. Jedes Kapitel beginnt mit einem kurzen, kursiv gedruckten Rückblick. Zusammen mit Vega, deren Erinnerungen langsam zurückkommen, erfährt man so nach und nach, was wirklich passiert ist. Der Verdacht, dass Vegas Sturz kein Unfall war, erhärtet sich immer mehr und sorgt für Spannung. Zusätzlich wird, nachdem Vega in einer Selbsthilfegruppe den ebenfalls von Aphasie betroffenen Theo trifft, auch das Genre der Liebesgeschichte bedient.

a / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Krankheit Aphasie, Liebe / CB
978-3-407-82104-1

Fr. 21.30

Rezension aus Heft 95

Savit, Gavriel

Anna und der Schwalbenmann

Zahlreiche Publikationen haben seit Kriegsende die Schreckensherrschaft der Nazis für den Jugendbuchmarkt aufgearbeitet – nicht selten mit einem Kind als Identifikationsfigur. Umso erstaunlicher, dass dieses Debüt des jungen (!) Autors nochmals zu überraschen vermag und sich an Eindringlichkeit kaum überbieten lässt. Zum einen liegt es an der metaphorischen Sprache, die den fliessenden Übergang zwischen Realität und magisch-poetischen Einsprengseln bestens abstützt. Zum anderen bleibt – ganz folgerichtig – am Ende manches vage, als Andeutung weiterhin bestehen und entzieht sich der Eindeutigkeit. Das tut der Geschichte aber keinen Abbruch – im Gegenteil. Auch die Abgeklärtheit und kognitive Reife der 7-jährigen Protagonistin vermögen nur am Anfang zu irritieren. Löst man sich von der Vorstellung eines "Tatsachenberichts", erfolgt die Lesart auf einer anderen, gleichnishafteren Ebene. (s. Kapitel 10, Hörbücher)

a / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Nationalsozialismus, Schicksal, Flüchtling, Krieg / LK
978-3-570-16404-4

Fr. 22.90

Rezension aus Heft 95

Schnellbächer, Wolfgang Öneren, Nur

Unser wildes Blut

Alexander liebt Aysel. Das darf nicht sein. Alexander ist Christ und Aysel stammt aus einer strenggläubigen muslimischen Familie. Aysel wird von ihrem Zwillingsbruder Ilhan ständig überwacht. Ilhan selber geniesst alle Freiheiten der westlichen Welt (Alkohol, Mädchen). Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht von Alexander und Ilhan erzählt. Von Aysel direkt erfährt man leider nur wenig. Gerne hätte ich ihre Gedanken über die geplante Zwangsheirat gekannt. Einerseits wirkt die junge Frau sehr angepasst, andererseits ist sie zur Flucht mit Alexander bereit. Das tiefgründige Buch spricht ehrlich und direkt verschiedenste Themen wie Gesellschaft, Religion, Politik, Doppelmoral ... an. Die Sprache ist im Gegensatz zur harten Wirklichkeit meistens äusserst poetisch.

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Religiöses, Frau und Gesellschaft, Ausländer / GF
978-3-570-16383-2

Fr. 20.50

Rezension aus Heft 95

Schreiber, Claudia

Solo für Clara

Mit dem Ziel, Konzertpianistin zu werden, übt Clara stundenlang am Klavier. Anfangs versuchen ihre Eltern, sie zu bremsen. Als sie merken, dass es Clara wirklich ernst ist, unterstützen sie ihre Tochter auf bewundernswerte Weise, was ihnen einige Opfer abverlangt. Clara ist einerseits hochbegabt und verfügt auch über einen eisernen Willen. Manchmal wirkt sie fast besessen. Das Buch beschreibt Claras Kinder- und Jugendjahre und zeigt eine Welt, in die man sonst nur wenig Einblick hat. Clara braucht das Klavierspiel wie die Luft zum Atmen, aber sie leidet auch unter dem Konkurrenzkampf, den strengen Lehrern und der Einsamkeit. Man kann sich gut in Clara hineinfühlen und mag das in der Ich-Perspektive geschriebene Buch gar nicht mehr weglegen. Die Musikstücke, die Clara spielt, können mittels QR-Code auf Youtube angehört werden. Eine tolle Idee, um noch besser in Claras Welt einzutauchen.

a / Lesealter 13 / Vorlesealter / J Aussenseiter, Musik / CB
978-3-446-25090-1

Fr. 21.90

Rezension aus Heft 95

Sieben, Michael

Ponderosa

In einer Hütte (sie nennen sie Ponderosa) treffen sich Kris und seine Freunde – da wird geraucht, diskutiert und getrunken. Mit dabei ist auch Josie, die berichtet, dass ihr Nachbar Münze plötzlich verschwunden ist, nachdem sie einen Streit gehört hat. So wird beschlossen, über den Balkon in die Wohnung einzudringen. Nach dem dramatischen Einstieg finden sie jedoch nur ein fürchterliches Chaos – aber keine Leiche. Nun verliert sich die Erzählung, gleitet fast zu einer Milieustudie über das Leben am Rande einer Siedlung ab. Das Buch, aus Kris' Sicht in der Ich-Form geschrieben, passt sich mit seiner Sprache dem Alter der Protagonisten an, wirkt ungelenk und manchmal auch etwas zäh. Die Dialoge werden mittels Gedankenstrichen eingeleitet, was sehr gewöhnungsbedürftig ist. Interessant ist beschrieben, wie sich Freundschaften verändern.

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Krimi, Freundschaft / um
978-3-551-58346-8

Fr. 21.90

Rezension aus Heft 95

Slater, Kim

SMART oder Die Welt mit anderen Augen

Das ungewöhnliche Buch fesselt von Anfang bis zum Ende. Der 15-jährige Kieran, der alles hinterfragt, versteht nicht, warum seine geliebte Oma nicht mehr zu ihm kommt und warum seine Mutter immer noch beim Stiefvater bleibt, obwohl er sie ständig schlägt. Er versteht nicht, warum die Polizei sich nicht um den Fall des toten Obdachlosen Colin kümmert, denn er ist überzeugt, dass es Mord war. In der Schule wird er verständnisvoll von Miss Jane betreut, während die Kinder ihn nur "Downy" nennen. Er kann unglaublich gut Menschen zeichnen, doch niemand glaubt, dass er diese Zeichnungen angefertigt hat. Aus seiner Sicht erleben wir, wie er mit seiner direkten Art oft sein Umfeld überfordert – aber das macht ihn gerade so einzigartig. Es ist eine unglaublich spannende, tragische Geschichte, die aufzeigt, dass niemand ausgegrenzt werden sollte.

a / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Krankheit Psychoorganisches Syndrom, Familienkonflikt / um
978-3-423-76134-5

Fr. 19.90

Rezension aus Heft 95

Steinkellner, Elisabeth

die Nacht, der Falter und ich

In drei Kapiteln wird hier ein sehr spezifischer Sprachklang experimentell ausgelotet. Es sind Prosastücke und Gedichte, verwoben in ein kleines Gesamtkunstwerk aus sich gegenseitig inspirierenden Worten und Bildern (Siebdruck und Gouache). Es sind verschwommene, etwas undeutlich und vage angedeutete, mikroskopisch feine Darstellungen von Naturblüten und Schmetterlingen. Die Texte lassen innehalten und still werden, sie kreisen um das Erwachsenwerden inmitten widerstrebender Gefühle, um das Miteinander, das Sein, Wahrnehmen, Zittern und Beben einer ersten Liebe. Die Atmosphäre der schriftlichen Gedanken wirkt einerseits wie in einem Tagebuch, andererseits als neugierige, wache Blicke und reflektierte Irritationen auf die weite Welt. Neben der Unsicherheit der aufkeimenden Sexualität existiert ebenso die grosse spontane Freude der selbstbestimmten, bewussten Orientierung auf die verheissungsvolle Zukunft.

b / Lesealter 13 / Vorlesealter / J Liebe, Pubertät / ES
978-3-7022-3540-6

Fr. 20.90

Rezension aus Heft 95

Tromly, Stephanie

DIGBY #01

Aus ihrer Sicht erzählt die jugendliche Zoe, wie sie an der Schule Digby kennenlernt und wie er ihr Leben ordentlich durcheinanderbringt. Er überredet sie, ihm bei der Suche nach der Wahrheit über seine entführte Schwester zu helfen. Mehrmals geraten die beiden in gefährliche Situationen und sehen sich zu kriminellen Taten gezwungen. Schwierigkeiten mit Lehrpersonen gehören da zu den kleineren Problemen. Als sich alles klärt, verabschiedet sich Digby und Zoe bleibt verwirrt zurück. Das spannende Buch ist vollgepackt mit überraschenden Wendungen. Mit einem rasanten, witzigen Schreibstil gelingt es der Autorin, eine fesselnde Geschichte über Familienschicksale, Abenteuer, Freundschaft und Liebe zu erzählen.

a / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Abenteuer, Action, Familienkonflikt, Freundschaft, Jugendproblem, Krimi, Kriminalität, Schicksal, Schule / EK
978-3-7891-4809-5

Fr. 20.90

Rezension aus Heft 95

Wahl, Mats

Sturmland : Die Reiter (Bd. 1)

Schweden, nahe Zukunft: Im von Stürmen und Kriegen verwüsteten und verseuchten Niemandsland lebt die 16-jährige Elin mit ihrer Familie. Ihr Leben ist geprägt von Angst, Misstrauen und ständiger Abwehrbereitschaft gegen korrupte Truppen des Willkürregimes, marodierende Rebellenhaufen und missgünstige Nachbarn. Ihre Ausrüstung ist mittelalterlich (Pferde, Armbrust, Axt, Messer), sie verfügen aber über modernste Überwachungselektronik. Bei einem Überfall wird Leins Bruder entführt. Elin soll die befehdete Entführersippe aufsuchen, um über ein Lösegeld zu verhandeln. Dabei gerät sie zwischen alle Fronten und in grosse Gefahr. Die nüchtern, in karger, knapper Sprache erzählte Geschichte katapultiert die LeserInnen ohne Situationserklärungen direkt in die packende Handlung. Das wirkt anfänglich verstörend, immer stärker gerät man aber in den Bann der spannenden und berührenden Handlung.

a / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Science-Fiction, Abenteuer, Gesellschaftskritik / gm
978-3-446-24936-3

Fr. 19.90

Rezension aus Heft 95