Gilg, Gregor Schrag, Barbara

Golem im Emmental

Der Comic wird als "Gothic-Horror-Kabbala-Western" angepriesen. Das tönt nun gar verharmlosend, denn die Geschichte erzählt von einem seltsamen Geldeintreiber, der 1832 im Emmental auf dem Hof einer Witwe eintrifft. Damit entsteht ein Strudel von Gewalt und Brutalität, weil sich die Frau dem neu angekommenen Mendel zuwendet, den Vikar und ihren Schwager ablehnt. Die stark vereinfachten, groben, holzschnittartigen, schwarz-weissen Illustrationen, oft in eigenwilliger Perspektive gestaltet, verstärken die düstere Stimmung. Und doch kann der Comic empfohlen werden, da es die damaligen Macht- und Lebensverhältnisse gut mit der Geschichte des Golems verknüpft und die Hauptfiguren als starke und letztlich positive Menschen darstellt.

b / Lesealter 14 / Vorlesealter / J Comic, Familie, Liebe, Historisches Neuzeit / chb
978-3-03731-152-3

Fr. 35.–

Rezension aus Heft 96

Kreitz, Isabel

Das doppelte Lottchen

In den Sommerferien treffen in einem Kinderheim die lebhafte Luise und die bescheidene Lotte aufeinander. Schnell wird ihnen klar, dass sie Zwillinge sind, getrennt durch die Scheidung ihrer Eltern. Sie verstehen sich immer besser und am Ende der Ferien entsteht ein gerissener Plan: Sie tauschen ihre Rollen und wollen ihre Eltern wieder zusammenbringen! Die Illustratorin hat Bilder geschaffen, die sich am Zeichenstil und der Farbgebung von W. Trier (Originalillustrationen) orientieren. Da werden beim Erzählen ganz schnell Erinnerungen an Kästners Buch wach. Kreitz' Illustrationen wirken lebendig und fangen den Charme der Geschichte gut ein. Die biedere, einfache Welt der 1950er-Jahre wird sichtbar. Mit diesem Comic kann die Geschichte bereits jüngeren Kindern erzählt werden, denen die Sprache Kästners noch unverständlich ist. Aber er ist auch ein Anstoss, sich an Kästners Buch zu wagen.

b / Lesealter 9 / Vorlesealter / K Comic, Familie, Problem / chb
978-3-7915-1171-9

Fr. 25.90

Rezension aus Heft 96

Jost, Rina

Der Hase auf dem Rücken eines Elefanten : Meine Reise von Moskau bis Shanghai

Eine Reise allein durch Russland und China! Viele finden es eine verrückte Idee. Mutig macht sich die Illustratorin R. Jost auf und dokumentiert ihre Reiseerlebnisse von 2013 in Form eines Comics in recht unkonventionell-lockerer Gestaltung. Dialogische Szenen wechseln mit ganz- oder doppelseitigen bunten Bildern ab. Russland, die Mongolei und dann China sind die drei Kapitel, abgeschlossen wird das Buch mit einem Epilog. Was sie erlebt, ist beeindruckend, vor allem sind es die Begegnungen mit Menschen. Doch trotz all der kleinen Unannehmlichkeiten hat sie fremde Sitten, Sprachen, Gerüche, Speisen und Verhaltensweisen oft als seltsamm aber letztlich nie bedrohlich erlebt. So sollten wir dieses Buch in die Finger nehmen, damit auch wir Lust auf Reisen spüren.

b / Lesealter 16 / Vorlesealter / J Comic, Reisen / chb
978-3-03731-145-5

Fr. 31.90

Rezension aus Heft 95

Sacco, Joe

Bumf

Joe Sacco, der weltweit bekannte Comic-Reporter, ist eigentlich ein Kriegsjournalist, der sich statt mit Texten oder Fotografien mit einer eigenen Bildsprache mitteilt. Dieses Buch ist anders. Es ist eine bitterböse Satire auf die Aussenpolitik des ehemaligen amerikanischen Präsidenten Richard Nixon. Er lässt Nixon neben Michelle Obama aufwachen und schafft mit vielen anderen bewussten Täuschungen eine Dichte, die sich ganz der amerikanischen Kriegspolitik und deren Auswirkungen widmet. Der Titel "Bumf" bedeutet im Amerikanischen Klopapier und ist eine der vielen Anspielungen, die mir ohne Hilfe der Unterlagen zum Buch durch den Verlag verborgen geblieben wären. Ein überaus vielschichtiger Comic, der sich zwar als leicht zugängliches Werk präsentiert, aber erst durch das Entschlüsseln der versteckten Botschaften seine wahre Qualität zeigt.

b / Lesealter 12 / Vorlesealter / J Comic / moz
978-3-03731-150-9

Fr. 28.–

Rezension aus Heft 95

Satrapi, Marjane

Sticheleien

Während die Männer Siesta machen, unterhalten sich die Frauen über das Leben, die Liebe, Sex und über Schönheitsoperationen. Ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, schwatzen sie über vergangene und neue Liebesaffären ihrer Verwandten und Nachbarn. Frisch, spannend und humorvoll erfahren die Leserinnen, wie sich iranische Frauen ihre Freiheiten nehmen. Sie geben einen ganz ungewöhnlichen Einblick in die patriarchalische, iranische Gesellschaft. Unterhaltsam und komisch wird an der Vorstellung der westlichen Emanzipation gerüttelt. Der autobiografische Comic ist sehr schnell gelesen, die schwarz-weissen Bilder porträtieren die Frauen auf unterhaltsame, amüsante Weise. Die Zeichnungen sind nicht in Kästchen eingeteilt. Manchmal findet man Dialoge, die sogar ganz ohne Bild auskommen. Die verbundene Schrift gibt dem Buch einen handgeschriebenen Charakter.

b / Lesealter 16 / Vorlesealter / J Comic, Frau und Gesellschaft / CW
978-3-03731-146-2

Fr. 29.80

Rezension aus Heft 95